Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Papierstreifen-Wächteruhr

Die tragbare Papierstreifen-Wächteruhr wurde zwischen 1880 und 1900 in der Uhren- und Apparatefabrik Schlenker-Grusen in Schwenningen hergestellt.

Sicherheit und Ordnung für alle Bewohner bei Nacht: Dafür war seit dem Mittelalter der Nachtwächter verantwortlich. Er warnte vor Feuer und Feinden und sagte auch häufig die Stunden an. Wenn aber alle schliefen, wer oder was sorgte dafür, dass der Nachtwächter seine Arbeit auch richtig machte? Eine Wächteruhr diente hier der Kontrolle.

Kontrolle ist besser
Bei Wind und Wetter vor die Tür zu gehen, ist nicht jedermanns Sache. Und auch einige Nachtwächter verbrachten ihre Arbeitszeit lieber in ihrer Wachtstube als draußen in der Stadt ihre Runden zu drehen. Es war wohl ein Gewitterschaden, der 1850 im württembergischen Schwenningen eine Brandkatastrophe herbeiführte und den Ratsschreiber und Erfinder Johannes Bürk auf die Idee brachte, eine Kontrolluhr zu konstruieren, die auch die Nachtwächter überwachen sollte. Das Uhrengehäuse wurde dabei so verschlossen, dass es von keinem Unbefugten mehr zu öffnen war, und enthielt einen Mechanismus, der die Kontrollgänge auf Papierstreifen dokumentierte. Bürk stellte die Uhren in seiner 1855 gegründeten Uhrenfabrik her und bahnte der Stadt Schwenningen damit den Weg zur Hochburg der deutschen Kontrolluhrenfertigung.

Papier zur Überwachung
Der Nachtwächter musste die Uhr bei seinen Rundgängen in der Stadt oder in Betrieben und Fabrikanlagen stets mit sich führen und an bestimmten Kontrollpunkten einen dort hinterlegten Schlüssel in die Uhr einführen. Der Papierstreifen, der sozusagen als Datenträger in der Uhr integriert ist, wurde dabei im Inneren der Uhr entsprechend markiert und zeigte an, in welcher Richtung und zu welcher Zeit der Wächter seinen Gang gemacht hatte. Der Aufseher konnte so anhand der Markierungen nachvollziehen, zu welchem Zeitpunkt der Nachwächter unterwegs war, wie viele Runden er in der Nacht gemacht hatte und was er eventuell versäumt hatte. Der Papierstreifen wurde anschließend als Beleg in ein Kontrollbuch geklebt. Bevor es in eine neue Nachtschicht ging, wurde ein neuer Papierstreifen eingelegt, die Uhr aufgezogen und verschlossen und an den Nachtwächter übergeben. Ein unbefugtes Öffnen der Uhr wurde durch eine am Schloss angebrachte Feder, welche automatisch Einschnitte in den Papierstreifen machte, verhindert.

Uhrenexporte in die ganze Welt
Die tragbare Papierstreifen-Wächteruhr, die im TECHNOSEUM zu sehen ist, wurde zwischen 1880 und 1900 in der Uhren- und Apparatefabrik Schlenker-Grusen (Isgus) in Schwenningen hergestellt. Wer das Modell mit dem von Johannes Bürk vergleicht, wird feststellen, dass kaum Unterschiede bestehen. Der Firmengründer Jakob Schlenker, Beiname Grusen und 1855 geboren, arbeitete nach seinen Lehrjahren als Uhrmacher bei der Württembergischen Uhrenfabrik von Bürk als Werkmeister. Man geht davon aus, dass er sich hier heimlich Kopien zum Bau von Wächteruhren angefertigt hatte, um sie ab 1888 in seiner eigenen Fabrik nachzubauen. Rechtlich kein Problem, denn die Bürk-Patente waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgelaufen. 1892 meldete Schlenker ein Patent für die Wächterkontrolluhr an, mit der die Zeit zwischen den einzelnen Kontrollstellen auf einer Papierscheibe erfasst wurde. Die Firma wuchs schnell und exportierte in die ganze Welt. Die Papierstreifen-Wächteruhren gehörten noch bis etwa 1920 zum Firmenprogramm. 1974 brachte die Firma inzwischen unter dem Namen Isgus das erste mikroprozessorgesteuerte Zeiterfassungs- und Informationssystem auf den Markt und bietet heute diverse Softwarelösungen und Terminals für Personal- und Zeitmanagement an.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene C.

Veröffentlicht unter Im TECHNOSEUM entdeckt | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Tag des deutschen Bieres 2016

Im Braukurs hieß es Bier selbst machen.

Der Erlass des bayerischen Reinheitsgebotes für Bier feiern die deutschen Bierbrauer am 23. April 1516 vom bayerischen Fürsten erlassen, verbreitete sich das Reinheitsgebot schnell in ganz Deutschland und gilt bis heute als das älteste deutsche Lebensmittelgesetz. 2017 gibt es einen sehr guten Grund, dieses zu feiern: Das Reinheitsgebot wird 500 Jahre alt! Und wir haben zusammen mit unseren 2.500 Besucherinnen und Besuchern am Samstag, den 23. April mit einem Aktionstag kräftig gefeiert!

Mein eigenes Bier
Wie stellt man sein eigenes Bier her? Für die 15 Teilnehmer des Braukurses gab es wertvolle Tipps von René Kaufmann von hopfenkind Heidelberg, der den Kurs leitete. Und natürlich wurde der Tag auch genutzt, um Bier zu brauen: Ein klassisches Pils sollte es sein. Mit einem Brauprotokoll wurde jeder einzelne Schritt festgehalten, schließlich will man den Sud – sofern er gelingt und schmeckt – auch wieder „nachbrauen“ können. Zuerst ging es für alles ans Maischen: Das bereits geschrotete Malz wurde mit Wasser vermischt und auf etwa 50 Grad erwärmt. Durch dieses Maischen werden Kohlenhydrate und Proteine durch im Getreide enthaltene Enzyme zu Zucker und Aminosäuren zerlegt. Eine Erhöhung der Temperatur auf 65 Grad und im weiteren Schritt auf 75 Grad machte aus Stärke Malzzucker. Dann hieß es für alle „Läutern“ – das Auswaschen der Malz-Bestandteile, damit eine klare Würze zurückbleibt – und „Würze kochen“ – an dieser Stelle wird der Hopfen zugesetzt – bis zum fertigen Sud. Bis das eigene Bier getrunken werden kann, vergehen allerdings noch ein paar Wochen, denn derr Sud muss anschließend kühl gekühlt gelagert werden, damit die Hefe anfangen kann zu arbeiten und den Sud zum Bier macht. Gutes Gelingen!

Sehen, riechen, schmecken: In den Sensorik-Workshops wurde Bier mit den Sinnen erkundet.

Welcher Biertyp bin ich?
In drei Workshops der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft konnten die Besucherinnen und Besucher nicht nur ihre eigenen Sinne testen, sondern auch mittels diverser Verkostungsproben herausfinden, welche Bierarten eher ihren Geschmack finden und was die eigenen Rezeptoren in der Zunge damit zu tun haben. Wie Profis Bier prüfen, konnte man an Bierproben ebenfalls selbst mal austesten und feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, den jeweiligen Geschmack neutral zu beurteilen.

Craft Beer ist der neue Trend in der Bierszene.

Welches Craft Beer wird mein Lieblingsbier?
Craft Beer, handwerklich hergestelltes Bier, ist der neueste Trend und bringt Bewegung in die Brauereiszene. Neue Rezepte und neue Sorten sorgen für mehr Vielfalt und Geschmack. Damit jeder Interessierte Craft Beer kennenlernen konnte, brachten die Privatbrauerei Eichbaum, Weldebräu, Hopfenstopfer Häffner Bräu, die Privatbrauerei Wilhelm Ketterer KG und die Woinemer Brauerei  ihre eigenen Craft Beer Kreationen mit, die an eigenen Ständen probiert werden konnten. Hier gab es nicht nur den ein oder anderen Probeschluck, sondern auch viel Hintergrundwissen direkt aus den Brauereien. Prost!

Veröffentlicht unter Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Bierautomat

Der Bierautomat wurde zwischen 1980 und 1990 von der Sielaff Maschinenfabrik in Berlin hergestellt. Foto: Klaus Luginsland

Im tschechischen Dorf Uhrinovice können sich Radfahrer und Wanderer mit einem Becher Bier erfrischen: Weil Gaststätten und Pubs in dem 75-Einwohner Dorf erst abends aufmachen, haben Touristen tagsüber die Möglichkeit, ihr Bier für umgerechnet etwa 73 Cent an einem Bierautomaten zu kaufen. Dafür müssen sie einen Becher vom Stapel nehmen, eine Münze einwerfen, zur Überprüfung des Alters ihren Ausweis durch den Scanner ziehen und schon können sie sich ein Bier zapfen. Diese Nachricht war im Mai 2015 als Sensation in allen großen Medien zu lesen. Dabei konnte man bis vor ein paar Jahren sich auch in Deutschland sogar in der Kantine noch ein Bier am Automaten holen.

Bier wird Privatsache
Wirtshäuser und Braustätten waren bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts die einzigen Verkaufs- und Konsumorte für Bier – bis es neue Verpackungsmöglichkeiten gab: Die Flasche oder Dose. Nun bekam man im Supermarkt, am Kiosk und sogar am Automaten sein Bier. Der Bierkonsum verlagerte sich immer stärker ins private Umfeld, die eigene Wohnung. Wobei Flaschen schon ab dem 18. Jahrhundert eine weitere Verbreitung fanden; vor allem kleinere Brauereien erhofften sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Großbrauereien, weil sie ihr Bier so direkt an den Endverbraucher verkaufen konnten. Flaschenbiere sollten aber erst nach Ende des Ersten Weltkrieges ein Absatzhoch erfahren. Dank neuer Transportwege und der besseren Haltbarkeit des Bieres war Bier nahezu überall verfügbar, sogar am Arbeitsplatz.

Alkoholisches nicht bei der Arbeit
Der Bierautomat, der in der Sonderausstellung „Bier“ zu sehen ist, wurde zwischen 1980 und 1990 von der Sielaff Maschinenfabrik in Berlin hergestellt. Der Automat beinhaltete Dinckelacker Flaschenbier, wie die Aufschrift zeigt. Dass er in einer Betriebskantine aufgestellt war, darauf verweist die handschriftliche Notiz auf dem Automaten: „Es gibt seit dem 1.2.92 kein Bier mehr Lt. Geschäftsleitung“. Bis heute gibt es kein generelles Alkoholverbot für den Arbeitsplatz, hier ist jeder Arbeitgeber selbst gefragt, das Verbot des Alkoholkonsums vertraglich oder durch Dienstvorschriften durchzusetzen und seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern nachzukommen.

Wo im TECHNOSEUM? Noch bis zum 24. Juli in der aktuellen Sonderausstellung „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ zu sehen.

Veröffentlicht unter Im TECHNOSEUM entdeckt | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Prüfung bestanden! Ab aufs Schiff!

Alle bestanden! Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach der Prüfung für den Bootsführerschein Binnen.

Jede ehrenamtliche Kraft, die in den Sommermonaten am Steuer des Polizeischiff sitzt, braucht dafür einen Führerschein – genauer gesagt den Sportbootführerschein Binnen. Vier Ehrenamtliche des TECHNOSEUM konnten sich für die Aufgabe begeistern, mit Passagieren das historische Polizeiboot über den Neckar zu schippern. Für sie hieß es seit September vergangenen Jahres dann pauken, pauken, pauken – in Theorie und Praxis.

Die Ehrenamtlichen auf ihrer Wirkstätte: Dem Polizeiboot des TECHNOSEUM.

Welche Vorkehrungen sind für das längere Verlassen des Fahrzeugs zu treffen? Was versteht man unter Fahrwasser? Was ist genau zu tun, wenn Mann oder Frau über Bord ist? Für Wolfgang Schurich, Manfred Moulliet, Martin Bissinger und Carin Emser, die den Bootsführerschein erwerben wollten, gab es viel Lernstoff, den es zu bewältigen gab. Das Gelernte konnte bei den Praxisstunden auf dem Neckar gleich angewendet werden. Unterricht in Theorie und Praxis gab es beim Ehrenamtlichen Klaus Herrmann. „Das Ein- und Ausparken ist nicht immer ganz einfach, das haben wir ausführlich geübt“, erinnert sich Carin Emser. Und die Mühe hat sich gelohnt: Bei der Prüfung vor einigen Wochen haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestanden und dürfen ab Mai mit dem Polizeiboot mit weiteren drei erfahreren Skippern, raus auf den Neckar. Das nächste Projekt steht dabei auch schon fest: „Wir machen jetzt den Funkschein“, so der Ehrenamtliche Wolfgang Schurich.

Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit wie dem Fahren des Polizeibootes, kann sich an Christiane Sutter unter der Tel.Nr. 0621-4298-836 oder per E-Mail an christiane.sutter@technoseum.de wenden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Perimeter

Das Perimeter stammt aus der Zeit um 1900 und wurde in Paris hergestellt.

Die Augenheilkunde bildete sich im Lauf des 19. Jahrhunderts als eigenständige medizinische Fachdisziplin heraus, woran die Entwicklung von Instrumenten für die Untersuchung des Auges erheblichen Anteil hatte Die Erfindung des Augenspiegels im Jahr 1851 und die des Perimeters im Jahr 1867 stellten in der Diagnostik bahnbrechende Meilensteine dar. Mit dem Augenspiegel von Hermann von Helmholtz war es zum Beispiel erstmals möglich, ins Innere des lebenden Auges zu schauen und das vom Augenarzt Richard Förster erfundene Kreisbogenperimeter diente zur Bestimmung des Gesichtsfeldes.

Gleiches Verfahren, andere Technik
Das Verfahren zur Bestimmung des Gesichtsfeldes wird heute vor allem bei Verdacht auf grünen Star, Netzhautablösungen, Schädigungen der Sehbahn oder anderen Sehstörungen angewendet. Das Gesichtsfeld ist der Bereich, den man von der Außenwelt wahrnehmen kann, ohne das Auge von einem zentralen Punkt wegzubewegen. Was heute mittels Computertechnik in wenigen Minuten digital per Klicksignal des Probanden aufgezeichnet und mit statistischen Methoden ausgewertet wird, wurde um 1900 noch per Hand mit dem Perimeter, dem sogenannten Gesichtsfeldmesser, untersucht. Entscheidend ist bis heute die Mitarbeit des Patienten. Einfache, auf Försters Erfindung zurückgehende Perimeter bestanden an der Wende zum 20. Jahrhundert aus einer halbkreisförmig gebogenen und mit einer Gradeinteilung versehenen Messskala aus Messing, die sich mittels einer Stellschraube mit Gradskala und Zeiger um einen zentralen Punkt drehen ließ, einer höhenverstellbaren Kinnstütze sowie einem Fuß mit Standflächen.

Aus dem Augenwinkel erkennen
Das Perimeter, das im TECHNOSEUM zu sehen ist, stammt aus der Zeit um 1900 und wurde von der Firma Giroux in Paris hergestellt. Die Messung mit dem aus Messing und schwarz lackiertem Gusseisen hergestellten Instrument lief folgendermaßen ab: Der Untersuchte musste mit dem zu prüfenden Auge den Mittelpunkt der drehbaren Kreisbogenskala fixieren. Anschließend wurden von beiden Seiten entlang des Kreisbogens weiße oder farbige Karten in das Gesichtsfeld des Patienten hineingeführt, der angeben musste, ab wann genau er das Prüfobjekt sah. Diese Stelle wurde an der Gradskala abgelesen und auf einem Schema aufgezeichnet. Die Messung musste mehrfach mit einem stets weiter gedrehten Kreisbogen (meist in 10 Grad-Schritten)  wiederholt werden, um ein Ergebnis zu erhalten. Denn die Verbindung aller gefundenen Punkte auf dem Schema zeigte dem Arzt das komplette Gesichtsfeld des betreffenden Auges an, aus dem er wiederum Schlüsse für eine Diagnose ziehen konnte.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene B.

Veröffentlicht unter Im TECHNOSEUM entdeckt | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Im TECHNOSEUM entdeckt: Brauersterne in Mannheims Quadraten

Die Geschichte einer Brauerei ist immer eng mit der Stadtgeschichte verknüpft. Der Brauerstern – das Zunftzeichen der Brauer und Mälzer und Symbol für den Bierausschank und das Braurecht einer Brauerei – war natürlich auch in Mannheim zu finden. Zwischen 1652 und 1689 gab es in der Quadratestadt rund 100 Gastwirtschaften.

Das Zeichen des Teufels
Die Brauersterne sind einem Hexagramm nachempfunden. Wie es dazu kam? Bier wurde vor dem Reinheitsgebot 1516 gerne mit Zusätzen versetzt. Bilsenkraut, das sogenannte „Hexenkraut“ sorgte für einen berauschenden Trunk, Bitterstoffe aus Ochsengalle oder Gips übertünchten dagegen den schlechten Geschmack eines misslungenen Suds. Das Mysterium des Bierbrauens und mancher Aberglaube rückte den Brauer oder die Brauerin in die Nähe der Alchemisten und der Hexerei. So hoffte man etwa, mit dem Strick eines Gehängten unter dem Kessel den Sud positiv zu beeinflussen.
Das Zeichen der Alchemisten wurde schließlich zum Zeichen des Brauens: Die Zacken symbolisierten wahrscheinlich Wasser, Erde, Luft, das Feuer der Kochstelle sowie Hopfen und Malz. Eine andere These besagt, dass das Hexagramm als Schutzsymbol gegen Feuer und Dämonen Feuer vom Brauhaus abwenden sollte, denn beim Brauen kam es immer wieder zu Unfällen und die Brandgefahr in mittelalterlichen Städten war generell sehr hoch.

Sterne in den Quadraten
Brauersterne waren vor allem im Süden Deutschland stark verbreitet. Viele Wirtshausschilder und Marken sind auch heute noch mit einem Braustern verziert: Bei „Maisel‘s Weisse“ und auch im Pappschild aus der Sammlung des TECHNOSEUM für das Habereckl-Bier ist er etwa oben auf dem Glas erkennbar. Das Habereckl gibt es noch im Karnevalsbier „Feurio“, das im Mannheimer Lokal Hemmleins ausgeschenkt wird. Ein Rundgang auf die Suche nach Brauersternen lohnt sich also allemal.

Wo im TECHNOSEUM? Ab dem 19. Februar in der Sonderausstellung „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“.

Veröffentlicht unter Im TECHNOSEUM entdeckt | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Slammer für Beer Slam gesucht!

Poetry ODER Science Slam? Wieso nicht beides auf einmal?!

Am 29.6.2016 findet im TECHNOSEUM der erste Beer Slam statt.

Bei dieser spritzigen Mischung aus Science und Poetry Slam können Nachwuchswissenschaftler, Experten und Poeten ihre Gedichte, Texte oder Forschungsergebnisse rund um das Thema Bier und Braukunst zum Besten geben. In zwei separaten Vorrunden werden zunächst die Gewinner der Kategorie Poetry bzw. Science Slam gekürt. Die Vorrunden-Sieger treten dann anschließend im Finale gegeneinander an. Am Ende entscheidet auch hier das Publikum, welcher Beer-Slammer als Sieger nach Hause geht.

Interesse geweckt? Durstig nach mehr Informationen? Anmeldungen sind bis zum 15.2.2016 bei Cornelia Borger unter 0621-4298-818 oder cornelia.borger@technoseum.de
möglich.

Veröffentlicht unter Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Es braut sich was zusammen: Einladung zum „Bier-Tweet-up“

500 Jahre alt wird das deutsche Reinheitsgebot in diesem Jahr. Eine eigene Ausstellung zum Thema Bier, seiner Entstehung und Geschichte der vergangenen Jahrhunderte lag damit nahe. Ab dem 19. Februar zeigt das TECHNOSEUM „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ und lädt zum Tweetup und einem Bier am ersten Tag der Schau um 17.30 Uhr ein.

Technik-, Sozial- und Kulturgeschichte gehen in der Geschichte des Bieres Hand in Hand. So waren es zwei Brauereien, die dem Tüftler Carl Linde den Auftrag gaben, eine Kältemaschine zu konstruieren, mit der sich gärendes Bier kühlen ließ – der Vorläufer unserer heutigen Kühlschränke. Technische Innovationen wie der Kronkorken, der 1892 patentiert wurde, oder die Entwicklung der Dose hatten nicht zuletzt gesellschaftliche Auswirkungen und verlagerten den Biergenuss von der Kneipe ins heimische Wohnzimmer. Die Ausstellung bringt den Besuchern 4.000 Jahre Bierbrauen nahe, angefangen beim Brotbrei der Sumerer bis zur industriellen Herstellung. Ausstellungsobjekte wie eine Sudhaube, ein Stammwürzekühler und eine Bierkutsche machen den Brauprozess und die Distribution des Bieres nachvollziehbar. An interaktiven Stationen lassen sich Bierdeckel mit Stempeln individuell verzieren oder Hopfen unter dem Mikroskop betrachten.

Beim Tweetup erhalten Twitterer und Blogger die Möglichkeit, die Schau exklusiv durch eine Führung mit der Ausstellungskuratorin Dr. Anne Mahn kennenzulernen, die auch die ein oder andere kuriose Bier-Geschichte berichten wird.

Wer am 19. Februar um 17.30 Uhr bei der exklusiven Führung dabei sein und mittwittern oder bloggen möchte, ist herzlich eingeladen. Wir bitten um Anmeldungen bis zum 12. Februar 2016, per E-Mail an info@technoseum.de oder per Tweet @technoseum

Die ersten 20 Anmeldungen werden berücksichtigt. Der Rechtsweg ist dabei ausgeschlossen. Teilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Für Reise, Übernachtung und Verpflegung können wir leider keine Kosten übernehmen. Die Anmeldefrist endet am 12. Februar 2016.

Veröffentlicht unter Veranstaltungen | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Flügelspinnrad

Ein Spinnrad zu bedienen, erforderte Geschick und Übung: Über den Hand- oder Fußantrieb wurde das Schwungrad in Bewegung gesetzt.

Wer spinnt, bekommt einen Faden: Seit dem 13. Jahrhundert verbreitete sich das Spinnrad aus dem orientalischen Raum heraus in Mitteleuropa und wurde zum wichtigsten Hilfsmittel, um Fasern durch gleichzeitiges Verdrehen und Auseinanderziehen zu einem Faden zu verarbeiten.

Wie am Schnürchen
Ein Spinnrad zu bedienen, erforderte Geschick und Übung: Über den Hand- oder Fußantrieb wurde das Schwungrad in Bewegung gesetzt. Die Umdrehung des Schwungrades übertrug sich dabei auf den sogenannten Spinnflügel, der die Fasern miteinander verdrehte und gleichzeitig auf die Spule aufwickelte. Weil ein Tritt in der Regel eine volle Drehung des Schwungrades und bis zu fünf Umdrehungen des Spinnflügels zur Folge hatte, musste man gut abschätzen, wie viel der Fasern man für die gewünschte Dicke des Fadens freigab. Die Koordinationsaufgabe bestand darin, gleichzeitig das Fußpedal zu bedienen und mit den Händen zu arbeiten: Mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zog man die Fasern aus und drehte bzw. zwirbelte sie auf die bereits verzogenen Fasern. Die noch unverarbeitete Wolle lag dabei hinter der linken Hand.

Spinnen für den Hausgebrauch
Das Flügelspinnrad, das im TECHNOSEUM zu sehen ist, wurde zwischen 1870 und 1890 aus Holz, Knochen und Elfenbein hergestellt. Mit einem Gewicht von gerade einmal 2 kg ist es ein Fliegengewicht. Das Elfenbein zeigt Verzierungen. Flügelspinnräder wie dieses wurden auch nach der Einführung von Spinnmaschinen im privaten häuslichen Bereich weiter genutzt. Oftmals gehörten sie zur Aussteuer der Braut.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene C nahe des Wasserrades.

Veröffentlicht unter Im TECHNOSEUM entdeckt | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Meine Zeit am TECHNOSEUM

Drei Monate hat Sandra Mannheim und das TECHNOSEUM besucht.

Seit fünf Jahren kooperiert das TECHNOSEUM mit dem Shanghai Science and Technology Center in China. Zu dieser Kooperation gehört ein jährlicher Mitarbeiteraustausch. „Sandra“ Jin ist noch bis Ende des Jahres in Mannheim und berichtet hier im TECHNOblog von ihren Erfahrungen und Erlebnissen während ihres Deutschlandbesuchs.

„Die Zeit rennt, die Blätter fallen. Je näher Weihnachten heranrückt, desto mehr wird mir bewusst, dass ich bereits über 2 Monate in Deutschland bin. Als ich im September in Deutschland ankam, war es draußen warm und überall grün. Es kommt mir vor wie gestern. Ich habe in den vergangenen Wochen eine erlebnisreiche Zeit am TECHNOSEUM gehabt. Es gibt so viele großartige Erfahrungen und Erinnerungen, die ich mit meiner Familie und meinen Kolleginnen und Kollegen in Shanghai teilen werde. Das TECHNOSEUM ist ein sehr inspirierendes Museum. Dies schließt die Architektur, die Ausstellungen, die grüne Umgebung und sogar die Kaninchen, die sich rund um das Museum tummeln, mit ein. Ich denke, ich werde an den Lonely Planet schreiben, dass sie Mannheim und dem Museum ein paar Zeilen widmen sollen.

Experimentelles Museum
Die Kombination aus historischen Inszenierungen und experimentellen Bereichen gefällt mir am TECHNOSEUM am meisten. Es ist beeindruckend die historischen Maschinen aus der Zeit der Industrialisierung im Zusammenhang mit dem sozialen Leben und Alltag der Menschen von damals zu sehen, um dann die technischen Prinzipien an den Experimentierstationen für sich nachvollziehen zu können.

So wird das Planetarium in Shanghai aussehen.

Astronomische Vorbilder
In Shanghai planen wir derzeit den Bau eines Planetariums, das für das Shanghai Science & Technology Museum zum Alleinstellungsmerkmal werden soll. Als ich die vielen historischen astronomischen Exponate im Museum gesehen habe, war es für mich sehr hilfreich zu sehen, wie Astronomie präsentiert wird und wie bei den Besuchern ein Verständnis für die Geschichte der Mannheimer Sternwarte aufgebaut wird. Auf Wikipedia habe ich im Anschluss eine englische Einführung zum Thema gefunden und mit der Hilfe der Museumspädagogin Anke Neuhaus den ehemaligen Kurator Kai Budde kennengelernt. Er gab mir zu jedem astronomischem Instrument eine detailreiche Erklärung – ein sehr spannender und aufschlussreicher Nachmittag. Die Sammlung der Sternwarte ist wirklich sehr beeindruckend.

Kurz nach meiner Ankunft in Mannheim konnte ich auch bei der Wiedereröffnung des Planetariums in Mannheim mit dabei sein und durfte die fortschrittlichen Projektionssysteme kennenlernen: Das Planetariumsgerät von Zeiss, das sogenannte UNIVERSARIUM, und die Kommandozentrale powerdome III, die das Planetarium neu im Einsatz hat und den Besuch nahezu zu einem Science Fiction-Erlebnis macht. Auch die neue Bestuhlung, bequem und in verschiedene Richtungen drehbar, muss an dieser Stelle erwähnt werden.

Sandra bot Führungen auf chinesisch im TECHNOSEUM an.

Auf Chinesisch bitte
Zum Mitarbeiteraustausch gehört es auch, Führungen auf Chinesisch anzubieten: Zwei Mal durfte ich Sprachschüler, die chinesisch lernen, durch das Museum führen. Die Herausforderung dabei war es, deutschen Muttersprachlern die deutsche Technikgeschichte auf Chinesisch und Englisch nahezubringen. Ich habe mich entschieden, etwas über die chinesische Kultur zu erzählen. Weil ich lieber Exponate erläutere als bekannte Geschichten zu erzählen, habe ich versucht zu erläutern, wie ähnlich oder unterschiedlich die Exponate jeweils im Vergleich zur chinesischen Kultur sind. Die Brachistochrone etwa, die eine reibungsfreie Bahn zwischen einem Anfangs- und einem gleich hoch oder tiefer gelegenen Endpunkt beschreibt, habe ich mit den kurvigen Dachziegeln chinesischer Paläste verglichen. Ich glaube, der Vergleich kam ganz gut an.

Herbstliches Farbenspiel
Was man im TECHNOSEUM einfach gemacht haben muss, ist das Drucken in der Druckabteilung. Hier habe ich etwa mit Hilfe eines Kollegen einen Kalender gedruckt, bei dem auch Blätter zum Einsatz kamen. Überhaupt sind Blätter das Stichwort: Einen Großteil meiner Erinnerungen werden die wunderschönen Herbstfarben und die scheinbar ewigen Felder, Wiesen und Wälder ausmachen. Auch das deutsche Brot hat bei mir einen Eindruck hinterlassen. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen haben wir an einem Tag gemeinsam Laugenbrötchen gebacken, ein tolles und vor allem leckeres Erlebnis. Ich weiß allerdings auch: Mein erstes Mal Brotbacken war nur deshalb so erfolgreich, weil ich gute Lehrer an meiner Seite hatte!

Austausch zwischen Kollegen
In Shanghai beschäftige ich mich gerade damit, wie man mit dem Einsatz von Beacons und Wifi den Ausstellungsbesuch gestalten und führen kann. Auch bei diesem Thema konnte ich mich gut den Kollegen in Mannheim austauschen und die Vor- und Nachteile diskutieren.
Bevor ich nach Shanghai zurückkehre, stehen noch zwei Reisen an: Zum einen zum Haus der Astronomie in Heidelberg, wo ich mich mit den Kollegen darüber austauschen möchte, wie man Themen der Astronomie vermitteln kann. Zum anderen werde ich das Deutsche Museum in München besuchen, um mir dort die unterschiedlichsten Teleskope anzuschauen. Der Austausch zwischen den Häusern ist für uns enorm wichtig.

Was meinen Aufenthalt in Mannheim ebenso bereichert hat, waren die vielen Eindrücke rund um das Museum. Ich durfte etwa das Depot besichtigen und eine Fahrt mit dem Polizeiboot machen. Auch privat haben sich viele  Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen ergeben; wir haben zusammen gegrillt, ein Science Festival, Kinos und diverse deutsche Restaurants besucht und vieles mehr. Ich habe die Zeit sehr genossen und bedanke mich schon jetzt bei allen für ihre Unterstützung und ihre Gastfreundschaft!

„Sandra“ Jin

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare