Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Tischuhr

Die vergoldete Tischuhr mit Schlagwerk und Pendel stammt aus der Zeit um 1760.

Der schnelle Blick auf die Uhr, um sich zu vergewissern, ob man den Termin noch rechtzeitig schafft, war für die Menschen vor über 200 Jahren weder nötig noch möglich – zwar gab es schon im 14. Jahrhundert erste öffentliche Kirchenuhren, doch zum einen waren sie sehr ungenau und zum anderen für die Menschen eher eine Orientierung im üblichen Tagesablauf. Es war die Natur, die mit dem Auf- und Untergang der Sonne die Zeit angab.

Zeit bekommt einen Wert
Erst mit der Entwicklung der Pendeluhr war eine bis auf die Sekunde genaue Zeitmessung möglich. Die „Industriezeit“ begann das Leben der Menschen zu prägen. „Time is money“ – dieser Ausspruch von Benjamin Franklin aus dem Jahr 1748 zeigt gut, wie Zeit zum Instrument wurde: Zeit wurde knapp und kostbar und es galt sie sinnvoll zu nutzen, um den ökonomischen Anforderungen gerecht zu werden. Schnell wurde der Blick auf die aktuelle Uhrzeit allerorts ermöglicht: Uhren an Rathäusern und Kirchen sowie in Bürgerstuben und Fabrikgebäuden zeigten an, was die Stunde geschlagen hatte.

Vom Luxus zum Alltagsaccessoire

Wer im 18. Jahrhundert mit der Zeit gehen wollte, trug eine Uhr bei sich. Oft waren sie künstlerisch in Ringe, Broschen oder sogar Spazierstöcke eingearbeitet und auch immer stärker etwa als Tischuhr in den eigenen vier Wänden präsent. Uhrenteile wie Räder, Zifferblätter und Spindeln konnten serienmäßig schneller und billiger hergestellt und in andere Länder exportiert werden – die Anschaffung einer Uhr wurde so auch für Geringverdiener erschwinglich.

Antike Vorbilder
Die vergoldete Tischuhr mit Schlagwerk und Pendel aus der Zeit um 1760, die im TECHNOSEUM zu sehen ist, stammt aus dem südwestdeutschen Raum. Sie ist aus Holz und in Form einer antiken Ruine hergestellt, in deren Rundbogenarchitektur die kreisrunde Uhr zu finden ist. Die mit dem Schlagwerk für Stunden und Viertelstunden ausgestattete Uhr zeigt auf dem emaillierten Zifferblatt von innen nach außen die Tage, Stunden und Minuten an. Die Optik ahmt eine Schmiede nach, in der zwei Putten an einem Amboss und einem Blasebalg, der verloren gegangen ist, arbeiten. Sie stehen als Sinnbild für den Spruch „Schmiede Dein Glück, solange Du Zeit hast“.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene B im Bereich Wissenschaft und Aufklärung.

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Exklusiv vor Ausstellungseröffnung: Einladung zum Tweet-up #drais200 im TECHNOSEUM

Mit einer Draisine wie dieser fuhr Freiherr von Drais vor rund 200 Jahren los.

Die erste Radtour der Welt fand vor fast 200 Jahren statt. Als Freiherr Karl von Drais am 12. Juni 1817 mit seiner Laufmaschine von Mannheim aus in Richtung Schwetzingen und wieder zurückfuhr, war ihm eine bahnbrechende Erfindung gelungen. Heute gibt es über 72 Millionen Fahrräder in Deutschland und das Zweirad hat ohne Zweifel als Fortbewegungsmittel eine große Zukunft.

Die Ausstellung „2 Räder – 200 Jahre“, die das TECHNOSEUM ab dem 11. November 2016 zeigt, präsentiert die komplette Geschichte des Fahrrades: Angefangen bei der Laufmaschine und dem Velociped über technische Weiterentwicklungen bis hin zu aktuellen Singlespeeds und Fixies.

Das Tweetup zur Ausstellung findet am 9. November statt

Zwei Tage vor der Eröffnung erhalten Twitter-User und Blogger am 9. November die Möglichkeit, die Schau exklusiv durch eine Führung mit dem Ausstellungskurator Dr. Thomas Kosche kennenzulernen – inklusive kurioser Objekte und Geschichten. Und natürlich gibt es auch einen Fahrtest zu bestehen: Wer schafft es etwa auf das Hochrad?

Wer am 9. November um 18.00 Uhr bei der exklusiven Führung dabei sein und mittwittern oder bloggen möchte, ist herzlich eingeladen. Wir bitten um Anmeldungen bis zum 28. Oktober 2016, per E-Mail an info@technoseum.de oder per Tweet @technoseum.

Die ersten 20 Anmeldungen werden berücksichtigt. Der Rechtsweg ist dabei ausgeschlossen. Teilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Für Reise, Übernachtung und Verpflegung können wir leider keine Kosten übernehmen. Die Anmeldefrist endet am 28. Oktober 2016.

Wir freuen uns auf euch!

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Talbot Lago Baby

Der Talbot Lago Baby T15 des französischen Automobilherstellers ist aus dem Jahr 1949.

„Ich will vorne sitzen!“ hörte man in den 1920er Jahren noch nicht so häufig, wenn eine Autofahrt anstand. Große, geschlossene Limousinen hatten nicht selten noch einen Chauffeur. Doch mehr und mehr wurde das Auto auch für die Mittelschicht erschwinglich. Doch hier musste selbst gefahren werden, Chauffeure blieben das Privileg der Superreichen. Immerhin wurden die Armaturenbretter zunehmend mit Holz und Leder verkleidet, um dem Besitzer das Fahren so angenehm wie möglich zu gestalten. So wie bei diesem Talbot Lago Baby.

Bequem muss sein
Wer einen Blick in das Cockpit des edlen Talbot Lago wirft, sieht gleich, dass das Lenkrad auf der rechten Seite ist. Für die damalige Zeit war die Rechtslenkung häufig auch außerhalb Großbritanniens anzutreffen. Der Grund ist ein simpler: Der Fahrer sollte bequem vom Bordstein einsteigen, losfahren und wieder aussteigen können.

Elegant in Schwarz
Im TECHNOSEUM ist ein Talbot Lago Baby T15 des französischen Automobilherstellers aus dem Jahr 1949 zu sehen. Talbot-Lago entwarf nach dem Zweiten Weltkrieg vorwiegend Wagen für den Rennsport. Die Firma stellte 1950 den „Baby“, eine Reiselimousine mit Vierzylindermotor, vor, von der nur wenige Exemplare gebaut wurden. Mit 120 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h war der Talbot Lago ein solider und eleganter Tourenwagen, der wie üblich in schwarz lackiert und erhältlich war. Das Modell wurde zwar nach dem 2. Weltkrieg gefertigt, ähnelte aber mit seinem schweren Rahmen und einem blechbeplankten Holzaufbau an Vorkriegsautomobile. Auch der moderne Antrieb konnte sich sehen lassen: Die Maschine ist ein moderner Doppelnockenwellen-Motor mit hängenden Ventilen, wie sie auch heute noch zu finden sind. Das Fahrzeug kam 2000 in einem desolaten Zustand an das Haus und wurde dank Unterstützung des Freundeskreises TECHNOSEUM in den Werkstätten des TECHNOSEUM aufwendig restauriert.

Wo im TECHNOSEUM? In der Dauerausstellung auf der Ebene F.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Herrenfriseur-Salon

Der Friseursalon, der im TECHNOSEUM zu sehen ist, wurde 1922 im Elsass eröffnet.

Ein Friseur-Salon mitten im Museum? Nicht etwa, um sich zwischendurch die Frisur richten zu lassen, nein: Das Arrangement an Exponaten zeigt, wie sich der Berufsstand des Friseurs entwickelt hat und mit welchen Utensilien gearbeitet wurde.

Vom Barbier zum Stylist
Der Beruf des Friseurs hat sich aus den mittelalterlichen Berufen des Baders und Barbiers heraus entwickelt. Bader und Barbiere waren nicht nur für die Frisur und Bartpflege zuständig, sondern auch bei gesundheitlichen Aspekten die richtigen Ansprechpartner: Sie führten bei der überwiegend männlichen Kundschaft das Schröpfen und den Aderlass durch und kümmerten sich auch um Zahnbeschwerden oder behandelten Verletzungen. Dank des medizinischen Fortschritts entstanden mit der Zeit neue Heilberufe sowie die Berufe des Arztes und des Chirurgen; Bader wurden mehr zu Heilgehilfen, Barbiere dagegen zu Perückenmachern.

Schneiden, legen, föhnen
Die Perückenmacher etablierten sich im 16. Jahrhundert als wahre Haarkünstler für die feine Gesellschaft und adligen Kreise. Mit der französischen Revolution verloren sie allerdings wieder ihren Haupt-Job: Perücken waren out, natürliche Haare stattdessen wieder in, die gepflegt und frisiert werden mussten. Für den Beruf des Haarkünstlers setzte sich seit Ende des 17. Jahrhunderts daher immer stärker die Bezeichnung „Friseur“ durch, was den künstlerischen Aspekt betonte: „friser“ bedeutet „sich kräuseln“ oder „wellen“. Inzwischen wurden „Friseur“ und „Friseurin“ weitestgehend durch Begriffe wie „Coiffeur“ oder „Hair-Stylist“ abgelöst.

58 Jahre im Geschäft
Der Friseursalon, der im TECHNOSEUM zu sehen ist, ist eine Original-Einrichtung eines Salons aus Bischwiller im Elsass. Hier eröffnete der Friseurmeister Auguste Louis (1900-1993) am 26. Juli 1922 seinen Salon und führte ihn bis zu seinem 80. Lebensjahr. Als er Schere und Kamm beiseitelegte, blieb sein Salon bis zu seinem Tode fast so erhalten, wie er ihn eröffnet hatte und zeigt heute im Museum das Beispiel eines kleinen Friseurladens, wie er damals in vielen Städten zu finden war.

Ein historisch wertvoller Salon
Besucherinnen und Besuchern fällt gleich der große, für drei Kunden eingerichtete Friseurtisch mit Marmorausstattung und Fayence-Waschbecken ins Auge. Die Waschschalen besitzen keinen Abfluss und wurden nach der Rasur per Hand ausgeschüttet.  Auf dem Regal unterhalb des riesigen Spiegels stehen verschiedene metallene Flakons, Zerstäuber und Büchsen für Haarwasser, Eau de Cologne und Talkum. Kleine Porzellanbehälter auf dem Tisch nahmen Rasierseife und Rasierpinsel auf. An der linken Wand hängt noch das Rasierleder zum Schärfen der Rasiermesser – elektrische Utensilien wie Trimmer, Rasierer oder Haarfön hatten hier noch keinen Platz. Und auch die Stühle zeigen gut, dass es beim Besuch weniger um einen Wellnessfaktor ging: Denn an den mit Rohrgeflecht bezogenen Sesseln war außer der Nackenstütze nichts weiter verstellbar.

Wo im TECHNOSEUM? In der Dauerausstellung auf der Ebene E.

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Bier: mal poetisch, mal wissenschaftlich erforscht

Der 1. Mannheimer Beer Slam fand im Rahmen der aktuellen Bier-Ausstellung statt.

Bier ist der Beweis dafür, dass Gott uns liebt und will dass wir glücklich sind“, soll schon Benjamin Franklin gesagt haben.
Und glücklich schienen auch alle acht Teilnehmer des 1. Mannheimer Beer Slams am Endes des Abends zu sein; dabei wurde weniger Bier konsumiert (dies galt natürlich nicht für das Publikum), als darüber philosophiert und wissenschaftlich erörtert.

Bier bringt neue Ideen – das haben alle Wettstreiter mit ihren Vorträgen bewiesen. Komische, abstruse, faktenreiche, nachdenkliche Ideen wurden den rund 150 Gästen im Publikum im 10-Minuten-Takt präsentiert. Die Gründung einer Bierpartei etwa oder die mathematische Betrachtung von eckigen Ellipsen in Bierkästen waren einige der Highlights des Abends. Homer Simpsons Zitat „Ich habe eine Alternative zum Biertrinken gefunden. Wir ziehen einfach als Akrobaten durch die Welt“, war einer näheren philosophischen Betrachtung wert, ebenso wie die wissenschaftliche Erläuterung, warum wir Bier trinken möchten.

Mit seiner Schaumparty wurde Max Dietz aus München Sieger des Beer Slams.

Den größten Applaus des Abends und damit auch den Sieg als bester Beer Slammer konnte Max Dietz aus München für sich verbuchen: Der Lebensmittelchemiker konnte auf sehr spritzige und unterhaltsame Weise vermitteln, welche Moleküle und Elemente für den perfekt weißen Bierschaum verantwortlich sind. Und seit dem Beer Slam wissen wir es auch!

Max Dietz ist mit seiner gelungenen Schaumparty bereits bei einem anderen Slam aufgetreten, hier könnt ihr eine Aufzeichnung sehen.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. Mannheimer Beer Slams:
Martin Becker
Markus Becherer
Maximilian Dietz
Sami Hamdan
Daniel Helbig
Corina Wagner
Matthias Warkus
Valerian

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Amphicar

Das Amphibienfahrzeug ist Teil der Dauerausstellung im TECHNOSEUM.

Fahren oder doch lieber schwimmen? Mit dem Amphicar konnte man sich als Autofahrer ruhig diese Frage stellen. Das Amphibienfahrzeug war für seinen Erfinder Hans Trippel sein Lebensinhalt.

Erste Versuche als Autodidakt
1908 im hessischen Groß-Umstadt geboren, sollte Hans Trippel als Sohn eines Kaufhausbesitzers eigentlich Feinkostkaufmann werden, um eines Tages das elterliche Geschäft übernehmen zu können. Doch die Autotechnik interessierte den jungen Tüftler, der sich als Autodidakt das technische Wissen selbst über die Jahre angeeignet hatte, mehr. Der 24-Jährige lieh sich von seinem Vater 500 Mark und kaufte sich einen alten DKW, den er nach seinen eigenen Ideen in seiner Werkstatt, einem ehemaligen Pferdestall, umzubauen begann. Aus dem DKW wurde schließlich ein „Land-Wasser-Zepp“, das erste Auto von Trippel, das wassertauglich war. Eine Versuchsfahrt im Dezember 1934 verlief allerdings weniger erfolgreich: Der Wagen ging unter und Trippel musste schwimmend wieder ans Ufer zurück. Drei Tage später stand der Wagen wieder fahrbereit an Land.

Produktion für die Wehrmacht
Trippels Ideen und Versuche hatten sich bis nach Berlin rumgesprochen, so dass er im Oktober 1936 auf Einladung des Kriegsministers Blomberg sein Wasserfahrzeug Adolf Hitler vorstellen durfte. Trippel, seit 1930 Parteimitglied der NSDAP, bekam einen Entwicklungszuschuss von 10.000 Reichsmark, mit dem er in Homburg ein Unternehmen aufbaute: Mit 250 Mitarbeitern baute er weiter an seinen Amphibienfahrzeugen, die speziell auf die Bedürfnisse des Militärs eingingen und bis zu 16 Personen im Wasser transportieren konnten. 20 Fahrzeuge des Typs SG-6 Amphibium gingen an die Wehrmacht. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges sollte die Produktion ausgeweitet werden; die „Bank der Deutschen Luftfahrt“ kaufte Trippel das Bugatti Werk im elsässischen Molsheim, wo im Januar 1941 die Trippel-Werke GmbH gegründet wurde und der SG-6 in Serienproduktion ging. Bis 1945 wurden hier über 1000 Fahrzeuge und Lufttorpedos sowie andere Rüstungsgüter hergestellt.

Das Amphicar bei seiner Restaurierung.

Neustart mit dem Amphicar
Nach Kriegsende wurde 1947 Hans Trippel als Wehrwirtschaftsführer von den Franzosen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach drei Jahren wurde er begnadigt und konnte das Gefängnis verlassen. In den 1950er Jahren wurde Trippel dann wieder aktiv und produktiv. Er entwickelte 1957 den Prototyp „Alligator“, aus dem das weltberühmte Amphicar abgeleitet wurde. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h zu Lande und 12 km/h zu Wasser ging das Viersitzer-Cabrio ab 1960 bei der Deutschen Waggon- und Maschinenfabrik in Berlin in die Produktion. Mit einem Vierzylinderviertakt-Reihenmotor mit 1,2 Liter Hubraum und einer Leistung von 38 PS war das Amphicar der erste Schwimmwagen für die zivile Nutzung, das in die Großproduktion ging.

1 Amphicar = 2 VW Käfer
Das Amphicar, das im TECHNOSEUM zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1968. Insgesamt wurden nur 3.878 Fahrzeuge hergestellt, der Großteil davon in die USA exportiert. Doch leider lief der Absatz mehr als schleppend – die hohen Anschaffungskosten hielten viele der Verbraucher davon ab. Immerhin konnten sie sich für den gleichen Preis zwei VW Käfer kaufen. Zudem war der Wagen wartungsintensiv und seine Fahrleistungen nicht mehr zeitgemäß. Das Amphicar konnte sich wegen seiner geringen Größe auch auf dem amerikanischen Markt nicht durchsetzen.
Hans Trippel blieb seiner Leidenschaft aber treu, Amphibienfahrzeuge zu erschaffen. Den letzten Prototyp konstruierte er noch im Alter von 81 Jahren im Jahr 1990.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene F im Bereich Automobilbau

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Ein Laubfrosch in der Kammer: Opel 4 wird von Motten befreit

Damit das Fahrzeug in die Kammer passt, war genaues Rangieren notwendig.

Der Opel 4 – wegen seiner grünen Farbe als Laubfrosch bekannt – gehörte zu den ersten am Fließband gefertigten Fahrzeugen in Deutschland. Seit dem vergangenem Jahr gehört ein Modell auch zu unseren Sammlungsbeständen. Der Freundeskreis TECHNOSEUM hatte das Fahrzeug im vergangenen Jahr dem Museum geschenkt. Allerdings ist es nicht grün, sondern dunkelrot, da es aus einer späteren Produktionsserie aus dem Jahr 1929 stammt. Mit einer Leistung von 20 PS brachte es bis zu 70 Stundenkilometer auf die Straßen.

 

 

 

Tür zu, den Motten geht es jetzt an den Kragen.

Doch unser Schmuckstück ist nicht alleine ins Museum gekommen; Motten hatten es sich im Polster gemütlich gemacht. Nun geht es diesen an den Kragen: Mitte Juni wurde das Fahrzeug von uns ins Freilichtmuseum Hessenpark gebracht, wo es in einer speziellen luftdichten Kammer einen Monat lang mit Stickstoff zur Schädlingsbekämpfung begast wird – den Motten geht so einfach die Luft aus. Ein millimetergenaues Rangieren war nötig, damit der Opel ohne Kratzer oder Beschädigungen in der Kammer untergebracht werden konnte. Hier muss er bald wieder raus, denn in zwei Wochen ist der Laubfrosch wieder in Mannheim – ohne Motten. Dann geht es für ihn in die weitere Aufbereitung zur neuen Dauerausstellung „Geschichte des Automobilbaus“, die wir im Frühjahr 2017 eröffnen werden.

 

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Aalener Spionbräu

Der Aalener Spion ist ein Wahrzeichen der Stadt und Namensgeber des gleichnamigen Bieres.

Dass es kleine Brauereien gegenüber der Brauindustrie schwer auf dem Markt haben, musste 2011 auch die Grünbaumbrauerei Aalen feststellen – der Betrieb musste aufgeben werden und wurde geschlossen. Bekannt war es für sein Aalener Spionbräu, ein klassisches Hefe-Pils, das heute von der Heubacher Brauerei vertrieben wird. Aber wer genau spioniert wen in Aalen und warum aus?

Bierwerbung per Schild
Das Werbesschild für die Spezialität „Spionbräu“ wurde 1910 hergestellt und fällt damit in die Hochzeit der Emailleschilder, die Reklamezwecken dienten und seit 1890 als neue Werbeträger und witterungsbeständige Dauerplakate zum Einsatz kamen. Die Grünbaumbrauerei warb auf ihrem Schild mit dem Spionbräu, einem naturtrüben Pils. Ein sanfter Geschmack mit weichem Abgang zeichneten es aus. Wie aber kam es zu dem Namen?

Frechheit siegt
Als ein kaiserliches Heer einst die sich widersetzende Reichsstadt Aalen belagerte, sandten die Aalener Bürger einen Spion ins Heerlager bei Schwäbisch Gmünd, der die Lage auskundschaften sollte. Der Spion erblickte den Kaiser und zog sofort seinen Hut: „Grüß Gott, Ihr Herra! Nachdem der Kaiser fragte, wer er sei und woher er komme, erwiderte dieser einfach „Ich bin der Spion von Aalen und möchte nur ein wenig das Lager auskundschaften!“ Der Kaiser war verblüfft über die Offenheit des Kundschafters. Da er aber Sinn für Humor hatte, schloss er Frieden mit der Stadt Aalen. Er beschenkte den Spion reichlich und gab ihm einen Brief an seine Mitbürger mit, in welchem geschrieben stand, dass er mit solch tapferen und klugen Leuten gerne im Frieden lebe und er der Stadt verzeihen wolle. Aus Dankbarkeit, dass er ihre Stadt mit seiner mutigen Aktion gerettet hatte, setzten seine Mitbürger dem Spion auf dem Alten Rathausturm ein Denkmal. Dieses ist auch auf dem Emailleschild abgebildet.

Überall Spione in der Stadt
Der Aalener Spion ist das Wahrzeichen der Stadt und an mehreren Orten präsent: So späht er nicht nur auf dem Alten Rathausturm über den Marktplatz sondern ist auch als Aalener Spionle als Schokoladendessert erhältlich.

Wo im TECHNOSEUM? In der Sonderausstellung „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ neben einer Originalkutsche der Grünbaumbrauerei Aalen noch bis zum 24. Juli 2016 zu sehen.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Papierstreifen-Wächteruhr

Die tragbare Papierstreifen-Wächteruhr wurde zwischen 1880 und 1900 in der Uhren- und Apparatefabrik Schlenker-Grusen in Schwenningen hergestellt.

Sicherheit und Ordnung für alle Bewohner bei Nacht: Dafür war seit dem Mittelalter der Nachtwächter verantwortlich. Er warnte vor Feuer und Feinden und sagte auch häufig die Stunden an. Wenn aber alle schliefen, wer oder was sorgte dafür, dass der Nachtwächter seine Arbeit auch richtig machte? Eine Wächteruhr diente hier der Kontrolle.

Kontrolle ist besser
Bei Wind und Wetter vor die Tür zu gehen, ist nicht jedermanns Sache. Und auch einige Nachtwächter verbrachten ihre Arbeitszeit lieber in ihrer Wachtstube als draußen in der Stadt ihre Runden zu drehen. Es war wohl ein Gewitterschaden, der 1850 im württembergischen Schwenningen eine Brandkatastrophe herbeiführte und den Ratsschreiber und Erfinder Johannes Bürk auf die Idee brachte, eine Kontrolluhr zu konstruieren, die auch die Nachtwächter überwachen sollte. Das Uhrengehäuse wurde dabei so verschlossen, dass es von keinem Unbefugten mehr zu öffnen war, und enthielt einen Mechanismus, der die Kontrollgänge auf Papierstreifen dokumentierte. Bürk stellte die Uhren in seiner 1855 gegründeten Uhrenfabrik her und bahnte der Stadt Schwenningen damit den Weg zur Hochburg der deutschen Kontrolluhrenfertigung.

Papier zur Überwachung
Der Nachtwächter musste die Uhr bei seinen Rundgängen in der Stadt oder in Betrieben und Fabrikanlagen stets mit sich führen und an bestimmten Kontrollpunkten einen dort hinterlegten Schlüssel in die Uhr einführen. Der Papierstreifen, der sozusagen als Datenträger in der Uhr integriert ist, wurde dabei im Inneren der Uhr entsprechend markiert und zeigte an, in welcher Richtung und zu welcher Zeit der Wächter seinen Gang gemacht hatte. Der Aufseher konnte so anhand der Markierungen nachvollziehen, zu welchem Zeitpunkt der Nachwächter unterwegs war, wie viele Runden er in der Nacht gemacht hatte und was er eventuell versäumt hatte. Der Papierstreifen wurde anschließend als Beleg in ein Kontrollbuch geklebt. Bevor es in eine neue Nachtschicht ging, wurde ein neuer Papierstreifen eingelegt, die Uhr aufgezogen und verschlossen und an den Nachtwächter übergeben. Ein unbefugtes Öffnen der Uhr wurde durch eine am Schloss angebrachte Feder, welche automatisch Einschnitte in den Papierstreifen machte, verhindert.

Uhrenexporte in die ganze Welt
Die tragbare Papierstreifen-Wächteruhr, die im TECHNOSEUM zu sehen ist, wurde zwischen 1880 und 1900 in der Uhren- und Apparatefabrik Schlenker-Grusen (Isgus) in Schwenningen hergestellt. Wer das Modell mit dem von Johannes Bürk vergleicht, wird feststellen, dass kaum Unterschiede bestehen. Der Firmengründer Jakob Schlenker, Beiname Grusen und 1855 geboren, arbeitete nach seinen Lehrjahren als Uhrmacher bei der Württembergischen Uhrenfabrik von Bürk als Werkmeister. Man geht davon aus, dass er sich hier heimlich Kopien zum Bau von Wächteruhren angefertigt hatte, um sie ab 1888 in seiner eigenen Fabrik nachzubauen. Rechtlich kein Problem, denn die Bürk-Patente waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgelaufen. 1892 meldete Schlenker ein Patent für die Wächterkontrolluhr an, mit der die Zeit zwischen den einzelnen Kontrollstellen auf einer Papierscheibe erfasst wurde. Die Firma wuchs schnell und exportierte in die ganze Welt. Die Papierstreifen-Wächteruhren gehörten noch bis etwa 1920 zum Firmenprogramm. 1974 brachte die Firma inzwischen unter dem Namen Isgus das erste mikroprozessorgesteuerte Zeiterfassungs- und Informationssystem auf den Markt und bietet heute diverse Softwarelösungen und Terminals für Personal- und Zeitmanagement an.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene C.

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Tag des deutschen Bieres 2016

Im Braukurs hieß es Bier selbst machen.

Der Erlass des bayerischen Reinheitsgebotes für Bier feiern die deutschen Bierbrauer am 23. April 1516 vom bayerischen Fürsten erlassen, verbreitete sich das Reinheitsgebot schnell in ganz Deutschland und gilt bis heute als das älteste deutsche Lebensmittelgesetz. 2017 gibt es einen sehr guten Grund, dieses zu feiern: Das Reinheitsgebot wird 500 Jahre alt! Und wir haben zusammen mit unseren 2.500 Besucherinnen und Besuchern am Samstag, den 23. April mit einem Aktionstag kräftig gefeiert!

Mein eigenes Bier
Wie stellt man sein eigenes Bier her? Für die 15 Teilnehmer des Braukurses gab es wertvolle Tipps von René Kaufmann von hopfenkind Heidelberg, der den Kurs leitete. Und natürlich wurde der Tag auch genutzt, um Bier zu brauen: Ein klassisches Pils sollte es sein. Mit einem Brauprotokoll wurde jeder einzelne Schritt festgehalten, schließlich will man den Sud – sofern er gelingt und schmeckt – auch wieder „nachbrauen“ können. Zuerst ging es für alles ans Maischen: Das bereits geschrotete Malz wurde mit Wasser vermischt und auf etwa 50 Grad erwärmt. Durch dieses Maischen werden Kohlenhydrate und Proteine durch im Getreide enthaltene Enzyme zu Zucker und Aminosäuren zerlegt. Eine Erhöhung der Temperatur auf 65 Grad und im weiteren Schritt auf 75 Grad machte aus Stärke Malzzucker. Dann hieß es für alle „Läutern“ – das Auswaschen der Malz-Bestandteile, damit eine klare Würze zurückbleibt – und „Würze kochen“ – an dieser Stelle wird der Hopfen zugesetzt – bis zum fertigen Sud. Bis das eigene Bier getrunken werden kann, vergehen allerdings noch ein paar Wochen, denn derr Sud muss anschließend kühl gekühlt gelagert werden, damit die Hefe anfangen kann zu arbeiten und den Sud zum Bier macht. Gutes Gelingen!

Sehen, riechen, schmecken: In den Sensorik-Workshops wurde Bier mit den Sinnen erkundet.

Welcher Biertyp bin ich?
In drei Workshops der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft konnten die Besucherinnen und Besucher nicht nur ihre eigenen Sinne testen, sondern auch mittels diverser Verkostungsproben herausfinden, welche Bierarten eher ihren Geschmack finden und was die eigenen Rezeptoren in der Zunge damit zu tun haben. Wie Profis Bier prüfen, konnte man an Bierproben ebenfalls selbst mal austesten und feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, den jeweiligen Geschmack neutral zu beurteilen.

Craft Beer ist der neue Trend in der Bierszene.

Welches Craft Beer wird mein Lieblingsbier?
Craft Beer, handwerklich hergestelltes Bier, ist der neueste Trend und bringt Bewegung in die Brauereiszene. Neue Rezepte und neue Sorten sorgen für mehr Vielfalt und Geschmack. Damit jeder Interessierte Craft Beer kennenlernen konnte, brachten die Privatbrauerei Eichbaum, Weldebräu, Hopfenstopfer Häffner Bräu, die Privatbrauerei Wilhelm Ketterer KG und die Woinemer Brauerei  ihre eigenen Craft Beer Kreationen mit, die an eigenen Ständen probiert werden konnten. Hier gab es nicht nur den ein oder anderen Probeschluck, sondern auch viel Hintergrundwissen direkt aus den Brauereien. Prost!

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