Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Eierlegende Henne

Die „Eierlegende Henne“ war einer der beliebtesten Verkaufsautomaten.

Ach, war das schön, als man sich als Kind auf dem Weg nach Hause mit ein paar Pfennigen am Automaten um die Ecke noch einen Kaugummi holte. Und wie groß war die Hoffnung, dass beim Drehen des Griffes auch die Kugel mit dem gewünschten Inhalt herauskam. Heute sind Süßigkeiten-Automaten aus dem Stadtbild nahezu verschwunden. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts allerdings gehörte die „Eierlegende Henne“ zu einem der beliebtesten Verkaufsautomaten.

Gefahr aus dem Automaten
Die Begeisterung für die ersten Münzautomaten, die Postkarten oder Bücher verkauften, schwappte gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus den USA nach Europa über. Als erster Unternehmer, der in Deutschland Verkaufsautomaten etablierte, gilt der Kölner Schokoladenproduzent Ludwig Stollwerck. 1887 stellte das Unternehmen seinen ersten Automaten mit Produktproben auf.  Auf Süßes aus einem Kasten hatten allerdings nicht alle Lust: Die Kirche äußerte sich kritisch, weil Gläubige während der Fastenzeit und am Sonntag verführt werden könnten, Süßes zu kaufen. Und auch Ämter und Verwaltungen sorgten sich um die Gesundheit der Bevölkerung und forderten eine spezielle Besteuerung für die Aufsteller. Der Erfolg war aber nicht aufzuhalten, so dass sich die Gründung einer eigenen Firma, der Deutschen Automaten Gesellschaft Stollwerck & Co. zur Aufstellung, Produktion und Bestückung der Süßwarenspender lohnte.

150 Schokoeier als Belohnung
Die „Eierlegende Henne“, die im TECHNOSEUM zu sehen ist, ist ein Schokoladenautomat, der um 1920 von der MUM Automaten GmbH in Dresden hergestellt wurde. Um an die mit Schokolade gefüllten Blecheier der Henne zu gelangen, musste man 10 Pfennige einwerfen und am Griff drehen – schon purzelte ein Ei heraus, begleitet von einem Gackern aus der blechernen Henne. Die Henne um ein Ei zu berauben, ohne zu bezahlen, galt als gemeiner Betrug. „Bei Einwurf von Falschgeld, gibt der Apparat kein Ei, außerdem wird dies als Betrug bestraft“, steht deutlich am Drehknopf geschrieben. Stolze 15 Mark Belohnung erwarteten denjenigen, der betrügerische Handlungen dieser Art beobachtete und zur Anzeige brachte – ob man sich die Belohnung auch in 150 Schokoeiern auszahlen lassen konnte, ist leider nicht bekannt.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene E im Bereich der Automaten.

 

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Die Schnellschreibmaschine von Drais

Drais hatte seine Erfindung als Stenographiermaschine konzipiert.

Was für ein Jubiläum! 2017 wird Freiherr Karl von Drais für seine größte Erfindung gefeiert: Die Laufmaschine, mit der er vor 200 Jahren zu seiner ersten Ausfahrt aufbrach. Kaum einer weiß dabei, dass der Forstmeister und Professor für Mechanik weitaus mehr erfunden hat als den Vorläufer des Fahrrades, so etwa einen Klavierrekorder, einen sparsamen Holzofen und eine Schnellschreibmaschine.

Ein Schreibklavier muss her
Die Laufmaschine war schon vier Jahre alt, als Karl Drais 1821 das Schreibklavier erfand. Der Hintergrund war ein rein privater: Sein Vater, Karl Wilhelm Ludwig Friedrich von Drais von Sauerbronn, drohte zu erblinden. Damit der Geheimrat weiter seiner Arbeit als Oberhofrichter nachgehen konnte, erfand sein Sohn Karl eine mechanische Schreibhilfe – das Schreibklavier mit 25 fühlbaren Buchstabentasten. Er prägte – ähnlich dem Prinzip des Franzosen Braille von 1825– aus Punkten zusammengesetzte Buchstaben auf Papierstreifen. Karl Drais wählte für jeden von 25 Buchstaben eine eigene Taste, die er im Quadrat von fünf mal fünf Tasten anordnete. Das Papier wurde dabei auf einer Walze mit Uhrwerk aufgespult und so durch die Schreibmaschine gezogen.

Aus 5×5 wird 4×4
Die Weiterentwicklung des Schreiklaviers kam zehn Jahre später: die Schnellschreibmaschine. Schnell, weil man damit vor allem schneller schreiben sollte: Drais hatte sie als Stenographiermaschine konzipiert. Dazu hatte er sie mit nur noch 16 Buchstabentasten belegt, bei denen die Tasten teilweise doppelt in einer 4×4-Anordnung angelegt waren. Die Schnellschreibmaschine, die in der Sonderausstellung „2 Räder – 200 Jahre“ im TECHNOSEUM zu sehen ist, ist eine reine Rekonstruktion aus dem Jahr 1988 des Holzgehäuses ohne Mechanik. Sie wurde in der Schreinerei des Museums gebaut. In der oberen Fläche des Holzkastens sind mittig vier mal vier quadra­ti­sche abwärts­ an­ge­ord­nete Buchsta­ben­tas­ten versenkt.

Innenleben unbekannt
Wie schon beim Schreibklavier wurde ein Papierstreifen durch eine Spule mit Uhrwerk aufgerollt, durch die Maschine gezogen und dabei von den Buchstaben „gestanzt“ bzw. geprägt. Buch­sta­ben, die auf den Tasten fehlten, erzeugte man durch das gleich­zei­tige Drücken mehre­rer Tas­ten. Wie die Mechanik im Inneren der Maschine aussah, ist dagegen völlig unbekannt, weil weder eine Maschine noch ein Bauplan erhalten geblieben sind.

Wo im TECHNOSEUM? In der Sonderausstellung „2 Räder – 200 Jahre. Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades“ noch bis zum 25. Juni 2017 zu sehen.

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Radio-Archäologie – Was Staub uns verrät

Schicht für Schicht werden die Staubschichten abgetragen.

Staub ist ein ständiges Ärgernis, nicht nur zu Hause, sondern auch im Museum. Doch manchmal hilft er auch bei der Dokumentationsarbeit. Mit einer besonderen Analysemethode bringen die Kollegen im Depot jetzt Licht ins Dunkel mancher Objektgeschichte. Grundlage ist die sogenannte Radio-Archäologie.

Die Analyser erfolgt mit dem Interferometer.

Analyse per Interferometrie
Die Staubschichten, die sich im Inneren der Radiogehäuse auf den Bauteilen über die Jahre abgesetzt haben werden mit speziellen Klebestreifen Schicht für Schicht abgetragen und mit dem UV-Laser-Interferometer analysiert. Verschiedene Parameter im Feinstaub werden abgeprüft, z.B. Rußpartikel, organische und mineralische Fette und Öle, Schwefel und Lösungsmittel. Separat wird auch eine Pollenanalyse durchgeführt.

Die Geschichte aus den Schichten
So erschließt sich aus dem Schichtaufbau eine genaue Standortgeschichte. Küchenstaub enthält viel pflanzliche Fette, Garagenstaub birgt eher mineralische Öle und organische Lösungsmittel, Wohnzimmerstaub hingegen trägt meist nur die Grundinformation der Stadt in sich.

Diese Grundinformation ist es, die die Radio-Archäologie so besonders interessant macht: jede Stadt in Deutschland hat eine charakteristische Staubzusammensetzung. Die Mischung aus verschiedenen Industrieabgasen, bevorzugten Heizmaterialien und Pflanzenpollen erzeugt ein Staubbild, das so unverwechselbar ist wie ein Fingerabdruck. So kann ganz genau abgelesen werden, wenn ein Gerät von Dresden nach Hamburg und von dort nach Mannheim gewandert ist.

Wie das Team im Depot arbeitet, zeigt auch dieser Film

 

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Benz-Lieferverzeichnis

Jede Abgabe und Auslieferung eines Automobils ist in diesem Lieferverzeichnis handschriftlich mit Datum und Empfänger sowie Ort vermerkt.

Als Carl Benz am 29. Januar 1886 unter der Nummer 37435 das Patent auf seinen Motorwagen erhielt, war das Auto offiziell geboren. Doch wer hat wann in der Werkstätte und im Betrieb Benz einen originalen Benz gekauft? Das verrät das Lieferverzeichnis der Familie.

Benz in Frankreich
Jede Abgabe und Auslieferung eines Automobils ist in diesem Lieferverzeichnis handschriftlich mit Datum und Empfänger sowie Ort vermerkt: Gernsbach, Hildesheim, München und Augsburg tauchen ebenso auf wie Paris. Die französische Hauptstadt sogar mehrfach, der Empfänger ist immer Emile Roger. Wozu Roger so viele Automobile benötigte? Er verkaufte sie in Frankreich einfach weiter. Roger war damit der erste Vertreter der Mannheimer Fabrik und verkaufte in der Anfangszeit von Benz die meisten Autos. Bis 1893 verkaufte Benz von den insgesamt 69 produzierten Autos gut 60 Prozent nach Frankreich. Dass vor allem Frankreich Interesse bekundete, kam nicht von ungefähr – die Franzosen hatten zu dem Zeitpunkt die besseren Straßen und standen neuen Fahrzeugen aufgeschlossen gegenüber.

Firmengeschichte hautnah
Nach den Kriegsgeschehnissen ist es ein kleines Wunder, dass dieses Verzeichnis aus der frühen Firmengeschichte von Benz & Cie überhaupt existiert. 2016 hatte das TECHNOSEUM mehrere tausend Objekte aus dem Besitz der Familie Benz im Rahmen einer Schenkung übernommen. Darunter befindet sich ein Tourenwagen aus dem Jahr 1924 ebenso wie ein Paar Schlittschuhe, die Carl Benz laut Überlieferung eigenhändig für sich selbst gefertigt hatte, diverse Möbel sowie zahlreiche Fotos, Briefe und weitere Archivalien. Und eben auch das Lieferverzeichnis der Familie Benz aus den ersten Jahren des wirtschaftlichen Erfolgs, die zeigen, wie groß der Wettlauf um die Vorherrschaft im Automobilbau war.

Wo im TECHNOSEUM? Ab dem 17.3.2017 in der Dauerausstellung Automobilbau auf der Ebene F.

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#DepotDienstag: Jung trifft Alt

Vorsichtig verpackt geht es an den neuen Standort.

Konstanz, Freiburg und Meersburg passen ganz gut zusammen, Jupiter und Saturn teilen sich den Platz mit Aachen, während sich Rienzi und Othello weigern, mit Carmen zusammen zu sein. Was ist denn hier los? Karneval im TECHNOSEUM?

Nicht ganz. Wir haben ja schon einmal an dieser Stelle darüber berichtet, dass es sehr wohl einen Unterschied macht, ob die Kunsthalle oder wir einen Rembrandt auf dem Gabelstapler haben. Damals kam die Sammlung des Deutschen Rundfunkarchivs ins Depot. Doch natürlich hat das TECHNOSEUM auch vorher schon Rundfunk- und Fernsehtechnik gesammelt. Jetzt geht es darum, die Neuerwerbungen mit dem „Altbestand“ zusammenzubringen.

Angekommen!

So wird zunächst einmal ganz praktisch geschaut, was gut zusammen in den Umzugskarton und auf die Palette passt. Sorgfältig verpackt und nummeriert geht es dann an den neuen Standort, wo die „alten Hasen“ auf die neu erfassten Kollegen treffen. Und hier vervollständigt sich dann das Bild: Zum „Freiburg 125 Stereo“ von SABA aus dem Jahre 1960, der bereits seit 2002 seinen Dienst in der Sammlung des TECHNOSEUM versieht, gesellt sich nun sein jüngerer Bruder „Freiburg Studio-A“ von 1963 und der ältere „Freiburg Automatic 6-3 D“ von 1955. Letzterer hat sogar noch seine Original-Fernbedienung, die man damals zum saftigen Aufpreis von 65 DM erwerben konnte. Nachdem man etwa 7 Meter Kabel durchs Zimmer gelegt hatte, konnte man das Gerät dann vom Sessel aus bedienen – damals der Inbegriff von Luxus.

Der Scherenhubwagen wartet schon auf neue Arbeit.

Den Luxus, sich zurück zu lehnen können sich die Kollegen im Depot aber erst einmal nicht gönnen. Denn zunächst gilt es, einzupacken. Den „Pinguin“ zum „Kongress“ und wenn wir Glück haben, dann passt da eventuell der „Kolibri“ auch noch dazu…

Angela Kipp, Depotleitung TECHNOSEUM

 

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Karbolzerstäuber

Der Karbolzerstäuber sorgte für eine keimfreie Operation.

Operation gelungen, Patient tot: Noch vor etwas mehr als 150 Jahren starb die Hälfte aller Frischoperierten. Keimfreiheit gibt es in der Medizin erst seit gut 150 Jahren.

Bakterien-Biester
Der medizinische Fortschritt ging im 19. Jahrhundert rasend schnell von statten. Neue Erkenntnisse überholten alte Traditionen und brachten innovative Operationsmethoden mit sich. Die größte Gefahr blieben Wundbrände und Wundinfektionen, die nach dem Eingriff drohten. Der schottische Chirurg Joseph Lister (1827-1912) war einer der ersten, der den Wundkeimen den Kampf ansagte und Regeln für das Operieren entwickelte, die Infektionen verhindern sollten – und das zu einer Zeit, in der noch höchst umstritten war, ob diese überhaupt durch Bakterien verursacht werden. So sagte wohl John Hughes Bennett (1812-1875), ein Gegner Listers: “Wo sind diese kleinen Biester? Zeigen Sie sie uns, und wir werden daran glauben. Hat sie bisher schon irgendwer gesehen?”.

Voll vernebelt
Der „Vater der antiseptischen Chirurgie“ experimentierte in den 1860er Jahren mit Phenol, das auch als Karbolsäure bekannt ist. Ursprünglich wurde Phenol beispielsweise in Paris zur Geruchsbekämpfung von Abwässern und der Kanalisation eingesetzt. Lister zweckentfremdete den Stoff, indem er Wundverbände in Phenol tränkte. Später begann er, eine Phenollösung über dem Operationsfeld in einem feinen Nebel zu versprühen, so dass die Hände der Ärzte, die Instrumente und auch die Wunde mit einem desinfizierenden Film überzogen wurden.

Keine Chance für Bakterien
Phenol war der Stoff, der Leben rettete: Dank ihm wurden Bakterien auf der Wunde und im Verband abgetötet, neue Keime konnten sich so nicht verbreiten und die Wundheilung verlief ohne Komplikationen. Der immense Erfolg Listers – immerhin sank die Sterblichkeitsrate durch Infektionen  bei seinen Amputationspatienten von über 45 auf 15 Prozent – sprach sich herum. In Frankreich griff der Chirurg Just Lucas-Championnière (1843-1913) Listers Ideen auf und entwickelte eigene Apparaturen zum Zerstäuben von Karbol und anderen Antiseptika, wie beispielsweise der nach ihm benannte Zerstäuber. Dennoch bargen die Karbolnebel auch Gefahren für die Gesundheit, wie etwa Schwellungen und Verätzungen der Haut. Zudem stellte sich ein anderes Vorgehen als wirksamer gegen die Erreger heraus, selbst Lister wandte sich um 1890 vom Karbolspray ab: Ab den späten 1880er Jahren begannen Chirurgen, alle Instrumente und Materialien, die mit der Operationswunde in Berührung kamen, von vorneherein durch heißen Wasserdampf keimfrei zu machen, auch die Kleidung. Lister etwa hatte noch im Straßenanzug operiert.

Antibakteriell heilen
In der Wundbehandlung kamen die Zerstäuber allerdings noch länger zum Einsatz. Der vorliegende Zerstäuber, der zwischen 1900 und 1925 hergestellt wurde, besteht aus einem Spiritusbrenner, einem Wasserkessel, einer verstellbaren Düse, die mit dem Kessel verbunden ist, einem Glasgefäß zur Aufnahme des Antiseptikums sowie einem Tragegriff aus Holz. Bei dem Exponat, das im TECHNOSEUM zu sehen ist, fehlt der Gummischlauch, der eigentlich von der Düse in das Glasgefäß mit dem Antiseptikum führt. Das Funktionsprinzip ist das Folgende: Im Kessel wird Wasser zum Kochen gebracht, der Wasserdampf strömt durch die Düse und erzeugt dabei einen Unterdruck, durch den das Antiseptikum angesaugt und anschließend zusammen mit dem Wasserdampf versprüht wird. Einfach, aber so wirksam, dass Ärzte Zerstäuber dieses Typs noch in den 1920er Jahren zur Wundbehandlung einsetzten.

Wo im TECHNOSEUM? In der Dauerausstellung auf der Ebene B im Bereich der Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das „Auto-Velo“

Das Auto-Velo wurde zwischen 1970 und 1975 in den Nürnberger Hercules-Werken hergestellt.

Heute trifft man sie vor allem auf Bahnsteigen an: Die Pendlerinnern und Pendler, die ihr Fahrrad dabei haben und es vor der Fahrt innerhalb kürzester Zeit platzsparend zusammenfalten, danach wieder aufbauen, blitzschnell wieder aufsitzen und weiterdüsen. Moderne Falt- oder Klappräder gehören zum heutigen Stadtbild. In den 1970er Jahren waren sie allerdings weniger Pendler-Fahrzeug als Autozubehör, so wie etwa das Auto-Velo.

Klappbares Hochrad
Wenige Kilogramm und leicht handhabbar – die Vorteile eines Klapprades liegen auf der Hand. Nahezu überall flexibel mobil zu sein, macht es so attraktiv. Ein weiteres Plus: Zusammengefaltet gilt es als Gepäckstück, die separate Fahrkarte kann man sich damit also sparen. Erfunden wurde das Klapprad bereits 1878, der Brite William Grout ließ es sich patentieren. Damals war es allerdings noch ein Hochrad mit Vollgummireifen, dessen Vorderrad sich in vier Segmente zerlegen ließ. Zusammen mit dem gefalteten Rahmen fanden diese in einem dreieckigen Koffer Platz.

Mobil im Krieg
Das Militär zeigte großes Interesse an den praktischen Klapprädern zu Beginn des 20. Jahrhunderts:  Verschiedene Modelle wurden speziell für den Kampfeinsatz entwickelt. So konstruierte der britische Motorrad-, Fahrrad- und Waffenproduzent BSA (Birmingham Small Arms Company) im Zweiten Weltkrieg ein Klapprad, das Fallschirmspringer beim Sprung mitführten und beim Einsatz auf dem Boden dann nutzten.

Konkurrenz auf vier Rädern
Für die breite Bevölkerung blieb das Fahrrad bis zur Zeit des Wirtschaftswunders das Fahrzeug Nummer 1. Mit der Massenmotorisierung der 1950er und 1960er Jahre kam die Konkurrenz auf vier Rädern angebraust: Die Straßen gehörten dem Auto, und der Drahtesel wird nahezu komplett verdrängt. Wer etwas auf sich hielt, fuhr Auto. Nur wer sich kein motorisiertes Fahrzeug leisten konnte oder noch keinen Führerschein besaß, fuhr weiter Zweirad: Hausfrauen, Kinder und Jugendliche. Der Imageverlust des Fahrrades wirkte sich auch auf die Hersteller aus. Sie mussten um ihr Überleben kämpfen. Zahlreiche Produzenten verschwanden innerhalb weniger Jahre vom Markt oder sattelten um auf Kinder- und Jugendräder.

Das Auto-Fahrrad
Es gab jedoch eine Möglichkeit, das Fahrrad mit dem Autoboom zu vereinbaren: Das praktische Klapprad konnte im Kofferraum verstaut und beliebig zum Fahren wieder herausgenommen werden. Das Auto-Velo, das in der Sonderausstellung „2 Räder – 200 Jahre“ zu sehen ist, ist ein solches Fahrrad und wurde zwischen 1970 und 1975 in den Nürnberger Hercules-Werken hergestellt. Mit seinen 14 Kilogramm ließ es sich einfach zusammenschieben, so dass man es bestens im Kofferraum des Wagens verstauen konnte. Lange Touren konnte man allerdings nicht damit zurücklegen: Das Fahren war wohl selbst auf Kurzstrecken eine unangenehme Herausforderung für Fahrerin und Fahrer. Für diesen Fall konnte man absteigen und es einfach in einem mitgelieferten Plastikkoffer transportieren.

Wo im TECHNOSEUM?
In der Sonderausstellung „2 Räder – 200 Jahre. Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades“, die noch bis zum 25. Juni 2017 zu sehen ist.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Tischuhr

Die vergoldete Tischuhr mit Schlagwerk und Pendel stammt aus der Zeit um 1760.

Der schnelle Blick auf die Uhr, um sich zu vergewissern, ob man den Termin noch rechtzeitig schafft, war für die Menschen vor über 200 Jahren weder nötig noch möglich – zwar gab es schon im 14. Jahrhundert erste öffentliche Kirchenuhren, doch zum einen waren sie sehr ungenau und zum anderen für die Menschen eher eine Orientierung im üblichen Tagesablauf. Es war die Natur, die mit dem Auf- und Untergang der Sonne die Zeit angab.

Zeit bekommt einen Wert
Erst mit der Entwicklung der Pendeluhr war eine bis auf die Sekunde genaue Zeitmessung möglich. Die „Industriezeit“ begann das Leben der Menschen zu prägen. „Time is money“ – dieser Ausspruch von Benjamin Franklin aus dem Jahr 1748 zeigt gut, wie Zeit zum Instrument wurde: Zeit wurde knapp und kostbar und es galt sie sinnvoll zu nutzen, um den ökonomischen Anforderungen gerecht zu werden. Schnell wurde der Blick auf die aktuelle Uhrzeit allerorts ermöglicht: Uhren an Rathäusern und Kirchen sowie in Bürgerstuben und Fabrikgebäuden zeigten an, was die Stunde geschlagen hatte.

Vom Luxus zum Alltagsaccessoire

Wer im 18. Jahrhundert mit der Zeit gehen wollte, trug eine Uhr bei sich. Oft waren sie künstlerisch in Ringe, Broschen oder sogar Spazierstöcke eingearbeitet und auch immer stärker etwa als Tischuhr in den eigenen vier Wänden präsent. Uhrenteile wie Räder, Zifferblätter und Spindeln konnten serienmäßig schneller und billiger hergestellt und in andere Länder exportiert werden – die Anschaffung einer Uhr wurde so auch für Geringverdiener erschwinglich.

Antike Vorbilder
Die vergoldete Tischuhr mit Schlagwerk und Pendel aus der Zeit um 1760, die im TECHNOSEUM zu sehen ist, stammt aus dem südwestdeutschen Raum. Sie ist aus Holz und in Form einer antiken Ruine hergestellt, in deren Rundbogenarchitektur die kreisrunde Uhr zu finden ist. Die mit dem Schlagwerk für Stunden und Viertelstunden ausgestattete Uhr zeigt auf dem emaillierten Zifferblatt von innen nach außen die Tage, Stunden und Minuten an. Die Optik ahmt eine Schmiede nach, in der zwei Putten an einem Amboss und einem Blasebalg, der verloren gegangen ist, arbeiten. Sie stehen als Sinnbild für den Spruch „Schmiede Dein Glück, solange Du Zeit hast“.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene B im Bereich Wissenschaft und Aufklärung.

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Exklusiv vor Ausstellungseröffnung: Einladung zum Tweet-up #drais200 im TECHNOSEUM

Mit einer Draisine wie dieser fuhr Freiherr von Drais vor rund 200 Jahren los.

Die erste Radtour der Welt fand vor fast 200 Jahren statt. Als Freiherr Karl von Drais am 12. Juni 1817 mit seiner Laufmaschine von Mannheim aus in Richtung Schwetzingen und wieder zurückfuhr, war ihm eine bahnbrechende Erfindung gelungen. Heute gibt es über 72 Millionen Fahrräder in Deutschland und das Zweirad hat ohne Zweifel als Fortbewegungsmittel eine große Zukunft.

Die Ausstellung „2 Räder – 200 Jahre“, die das TECHNOSEUM ab dem 11. November 2016 zeigt, präsentiert die komplette Geschichte des Fahrrades: Angefangen bei der Laufmaschine und dem Velociped über technische Weiterentwicklungen bis hin zu aktuellen Singlespeeds und Fixies.

Das Tweetup zur Ausstellung findet am 9. November statt

Zwei Tage vor der Eröffnung erhalten Twitter-User und Blogger am 9. November die Möglichkeit, die Schau exklusiv durch eine Führung mit dem Ausstellungskurator Dr. Thomas Kosche kennenzulernen – inklusive kurioser Objekte und Geschichten. Und natürlich gibt es auch einen Fahrtest zu bestehen: Wer schafft es etwa auf das Hochrad?

Wer am 9. November um 18.00 Uhr bei der exklusiven Führung dabei sein und mittwittern oder bloggen möchte, ist herzlich eingeladen. Wir bitten um Anmeldungen bis zum 28. Oktober 2016, per E-Mail an info@technoseum.de oder per Tweet @technoseum.

Die ersten 20 Anmeldungen werden berücksichtigt. Der Rechtsweg ist dabei ausgeschlossen. Teilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Für Reise, Übernachtung und Verpflegung können wir leider keine Kosten übernehmen. Die Anmeldefrist endet am 28. Oktober 2016.

Wir freuen uns auf euch!

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Talbot Lago Baby

Der Talbot Lago Baby T15 des französischen Automobilherstellers ist aus dem Jahr 1949.

„Ich will vorne sitzen!“ hörte man in den 1920er Jahren noch nicht so häufig, wenn eine Autofahrt anstand. Große, geschlossene Limousinen hatten nicht selten noch einen Chauffeur. Doch mehr und mehr wurde das Auto auch für die Mittelschicht erschwinglich. Doch hier musste selbst gefahren werden, Chauffeure blieben das Privileg der Superreichen. Immerhin wurden die Armaturenbretter zunehmend mit Holz und Leder verkleidet, um dem Besitzer das Fahren so angenehm wie möglich zu gestalten. So wie bei diesem Talbot Lago Baby.

Bequem muss sein
Wer einen Blick in das Cockpit des edlen Talbot Lago wirft, sieht gleich, dass das Lenkrad auf der rechten Seite ist. Für die damalige Zeit war die Rechtslenkung häufig auch außerhalb Großbritanniens anzutreffen. Der Grund ist ein simpler: Der Fahrer sollte bequem vom Bordstein einsteigen, losfahren und wieder aussteigen können.

Elegant in Schwarz
Im TECHNOSEUM ist ein Talbot Lago Baby T15 des französischen Automobilherstellers aus dem Jahr 1949 zu sehen. Talbot-Lago entwarf nach dem Zweiten Weltkrieg vorwiegend Wagen für den Rennsport. Die Firma stellte 1950 den „Baby“, eine Reiselimousine mit Vierzylindermotor, vor, von der nur wenige Exemplare gebaut wurden. Mit 120 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h war der Talbot Lago ein solider und eleganter Tourenwagen, der wie üblich in schwarz lackiert und erhältlich war. Das Modell wurde zwar nach dem 2. Weltkrieg gefertigt, ähnelte aber mit seinem schweren Rahmen und einem blechbeplankten Holzaufbau an Vorkriegsautomobile. Auch der moderne Antrieb konnte sich sehen lassen: Die Maschine ist ein moderner Doppelnockenwellen-Motor mit hängenden Ventilen, wie sie auch heute noch zu finden sind. Das Fahrzeug kam 2000 in einem desolaten Zustand an das Haus und wurde dank Unterstützung des Freundeskreises TECHNOSEUM in den Werkstätten des TECHNOSEUM aufwendig restauriert.

Wo im TECHNOSEUM? In der Dauerausstellung auf der Ebene F.

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