Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Apfelschäler

Gehörte schon im 19. Jahrhundert zu den Küchenhelfern: Der Apfelschäfer.In einer modernen Küche lassen sich unzählige Helfer finden, die von der Kategorie “praktisch” bis zu “außergewöhnlich” reichen. Praktisch ist etwa ein spezielles Filetiermesser, außergewöhnlich ein Ananasschäler. Bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts war die Nachfrage nach Küchenhelfern groß, wie auch die Geschichte des Apfelschälers zeigt.

Schnell geschält
Wer schon mal einen Apfelkuchen gemacht hat, weiß, dass viele Äpfel dafür geschält werden müssen. Für die schnelle Verarbeitung großer Mengen wurde der Apfelschäler erfunden, der im Handbetrieb funktionierte: Man steckte den Apfel auf den Spieß und drehte an der Kurbel, die ein kleines Zahnrad in Bewegung setzte. Dieses ließ den Apfel auf praktische Art und Weise rotieren. Das Exponat, das im TECHNOSEUM zu sehen ist, ist aus Gusseisen gefertigt und wurde um 1940 hergestellt. Ein Schneckengetriebe setzte das Schälmesser in Bewegung, welches mit Hilfe einer Feder nach einer Umdrehung wieder in die Ausgangsposition schnappte. Eine Schraubzwinge sorgte dafür, dass der Schäler rutschfest, beispielsweise am Tisch, festgeschraubt werden konnte. Anschließend war der Apfel nicht nur geschält, sondern auch noch vom Gehäuse befreit.

Heute wie damals
Es mag an der großen Nachfrage gelegen haben oder auch dern Beliebtheit der Frucht: jedenfalls wurden zwischen 1850 und 1890 rund 100 Patente für Apfelschäler in England gewährt. Welche unterschiedlichen Modelle es gab, zeigt eindrucksvoll das virtuelle Apfelschäler Museum unter www.appleparermuseum.com/index.htm
Heute funktionieren Apfelschäler nahezuidentisch wie die ersten Modelle.

Wo im TECHNOSEUM?
Zu sehen in der aktuellen Sonderausstellung “Unser täglich Brot…”Die Industrialisierung der Ernährung”.

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Schön im Stress

Vortrag Katrin Raabe, 25. April 2012Schlank ist schön. Dies teilen uns täglich Zeitschriften, TV und Werbung mit und prägen so das gängige Schönheitsideal mit. Dass Schlank sein nicht immer nur in Mode war, zeigt Katrin Raabe in ihrem Vortrag Ende April zum Thema „Schönheitsstress im Wandel der Zeit.“

Dürre Models bei Rubens? Solche Damen hätten beim Künstler zu seiner Zeit keine Chance gehabt. Füllige, runde und weibliche Formen galten als schön und wurden auf Leinwand verewigt. Von Marie Antoinette könnte man behaupten, sie sei die erste große Stilikone gewesen, wenn man sich anschaut, welchen Aufwand sie für ihre aufwändige
Garderobe und meterhohe Frisuren betrieb. Katrin Raabe, Diplompädagogin und Fachbuchautorin zum Thema Essstörungen, belegte in ihren Ausführungen, dass der Wunsch schlank zu sein, keineswegs eine aktuelle Erscheinung ist, sondern sich bereits auch bei Kaiserin Sisi bemerkbar machte: Sisi war nach heutigen Maßstäben extrem
untergewichtig. Bei einer Größe von 1,72m wog sie gerade mal zwischen 42 und 45
kg, hielt strengste Diät und trieb exzessiv Sport, um die Figur zu halten, so die
Expertin. Tagelang soll sie sich nur von warmer Kuhmilch ernährt haben.

Gefahr Essstörung
Diäten sind auch heute noch für viele Mädchen ein Einstieg für eine Essstörung. Die positiven Ergebnisse der Diäten wirken anspornend, noch mehr Gewicht zu verlieren, was schnell in einer Magersucht enden kann. Doch ob es zu einer Essstörung kommt, hängt von vielen Faktoren ab: Hier spielen die eigene Persönlichkeit, die Familie, das Schönheitsideal und auch das Rollenverständnis von Mann und Frau eine tragende Rolle.

Illusion Schönheit
Dass junge Mädchen ein Schönheitsideal verfolgen, das nahezu nicht zu erreichen ist, machte Katrin Raabe mit Beispielen aus der Retouche deutlich: Per Maus werden nicht nur kleine und große Makel beseitigt, sondern auch ganze Körper getauscht! Auch das folgende Video von Dove zeigt, dass makellose Schönheit heute vor allem eine Frage der guten Bildbearbeitung ist:
http://www.youtube.com/watch?v=vX9A3GRpzsU

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Lange Nacht der Museen 2012

Die Sax Angels bei ihrer Performance auf Ebene F.Das war wirklich eine lange Nacht: Von 19 bis 2 Uhr nachts war das TECHNOSEUM am 21. April für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Neben der Dauerausstellung und der aktuellen Sonderausstellung “Unser täglich Brot…” sorgten die Sax Angels und die Künstlergruppe Performed Colours für Unterhaltung.

Die Sax Angels spielten an verschiedenen Stellen im Museum ihr Jazz-Programm und ließen sich es sich nicht nehmen, auch die Kostüme zu wechseln. Die Gruppe Performed Colors zeigte im Auditorium, wie Tanz und Bildende Kunst miteinander verschmelzen können: Ein Genuss für die Augen war das Arrangement aus Farbe, Form, Klang und Bewegung für das Publikum.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der 10-Platten-Wechsler Polyphon

Der Musikautomat konnte 10 Musikstücke speichern.Ein Klick und die Party-Musik ist gesichert: Über digitale Listen lassen sich heute tausende von Liedern hintereinander abspielen. Auf der Weltausstellung 1900 in Paris hingegen wurde der Platten-Wechsler von Polyphon als Neuheit vorgestellt: Dieser Musikautomat konnte gerade einmal 10 Musikstücke speichern.

Musik auf Lochkarten
Wie bei anderen Musikautomaten jener Zeit auch, wurde die Melodie dabei auf Lochkarten, -streifen oder -platten gespeichert und zum Abspielen wieder abgetastet. Vor allem in Gaststätten gehörten sie zum festen Inventar, gaben aber erst nach Einwurf einer Münze Klänge von sich. Auch in Privathaushalte fanden sie schnell Einzug, da sie bald in der Produktion günstig und somit für die Kundschaft erschwinglich waren. Die Marke “Polyphon” dominierte neben  “Symphonion” und “Kalliope” den deutschen Markt. 1890 in Wahren bei Leipzig gegründet, nutzte die Firma die bereits vorhandene Technik, eine Metall-Lochscheibe als Tonträger zu gebrauchen, die einen Stahlkamm zum Erklingen brachte. Um mehr Musikgenuss zu erzielen, wurde wenig später die Plattenwechseltechnik erfunden: Die Geräte – in der Regel mit einer aus Eisenblech gestanzten Platte – wechselten automatisch von einem Stück zum nächsten.

Kämme, die Töne machen
Der im TECHNOSEUM ausgestellte 10-Platten-Wechsler der Polyphon-Musikwerke AG wurde um 1900 hergestellt und hatte in jeder Platte ein Musikstück eingestanzt. Wählte
man eines aus, wurde die entsprechende Platte mechanisch eingelegt und anschließend
in Drehung versetzt. Das ausgestanzte Material der Löcher bildete rückseitig kleine Ausbuchtungen, die beim Drehen die Zungen der Spielkämme anrissen. Je nach Zungenlänge waren so unterschiedlich hohe Töne zu hören. Eingebaut wurde
das Polyphon in einen Schrank im Stile der Gründerzeit, durch dessen Glastür
die Technik des Gerätes erkennbar war.

Wo im TECHNOSEUM?
Zu sehen auf der Ebene E, in der Nähe des Museumsbahnhofs.

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100 Jahre Titanic

Ein außergewöhnliches Jubiläum nähert sich am 14. April: Dann ging vor 100 Jahren
das damals größte Schiff der Welt, die Titanic, unter. Der Passagierdampfer
rammte auf seinem Weg von Southampton nach New York einen Eisberg und versank.
1500 Menschen starben damals. Das tragische Unglück beschäftigt bis heute viele
Forscher und ist Thema zahlreicher Aufsätze und Dokumentationen. Auch der weltbekannte Film von James Cameron kommt ebenfalls Anfang April in einer 3-D-Version in die Kinos.

Die Titanic aus der Sicht eines Schiffsbauers
Am 19. April hielt Prof. Dr. Eike Lehmann von der TU Hamburg-Haburg einen Vortrag bei uns, der den Untergang der Titanic aus ingenieurtechnischen Gesichtspunkten betrachtete. Dabei ging er detailliert auf die Konstruktion und Sicherheitsvorkehrungen der Titanic aus der Sicht eines Schiffsbauers ein, aber auch auf die menschlichen Fehler, die gemacht wurden.

Den Vortrag gibt es hier zum Download:
100 Jahre Titanic

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Technik zum Anfassen

Die 3. Mannheimer Techniktage lockten am 14. und 15. März über 1.300 Besucher zu uns in Museum. Zwei Tage lang konnten Lehrerinnen und Lehrer und ihre Schulklassen in die Welt von Wissenschaft und Technik eintauchen und sehen wie viel Spaß Technik im Unterricht bringen kann.

Lernen in und mit virtuellen Welten
An über 30 Ständen präsentierten sich Bildungseinrichtungen, Firmen und Verlage mit ihren Angeboten und Programmen und zeigten aktuellste Entwicklungen. So waren unter anderem die Astronomieschule Heidelberg, der Klett Mint Verlag Lego und Hedinger mit von der Partie. Interessierte konnten sich über 3-D-Lernumgebungen informieren oder kennenlernen, wie Roboter programmiert werden oder gleich den Roboterführerschein machen. Wer sich handwerklich betätigen wollte, konnte zum Beispiel Platinen löten oder an einer Werkbank drechseln und zahlreiche Experimente durchführen. Alle Aussteller
nahmen sich viel Zeit, zu erklären und die Dinge verständlich zu machen. Aktiv
ging es auch bei der Technikrallye durch das ganze Haus, bei der verschiedene
Aufgaben gelöst werden mussten. Wir hoffen, es hat allen Besucherinnen und
Besuchern Spaß gemacht und freuen uns schon auf die 4. Mannheimer Techniktage!

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Mikrowelten als Freizeitspaß

Mit einem Mikroskop ausgestattet, konnte man die Natur entdecken.

Mit einem Mikroskop ausgestattet, konnte man die Natur entdecken.

Das Mikroskop ist ein wissenschaftliches Instrument, welches überwiegend in der Forschung eingesetzt wird – so ist zumindest unser heutiges Bild davon. Im 19. Jahrhundert allerdings war das Betrachten kleinster Organismen ein sehr beliebtes Hobby, insbesondere im viktorianischen England. Mit Kescher und Behältnissen bewaffnet machte sich der Naturliebhaber auf die Suche nach interessanten Untersuchungsobjekten,  die erst unter Vergrößerung ihre komplexe Struktur offenbarten.  Die Freude am Entdecken der belebten Natur konnte mit Hilfe des Mikroskops perfekt mit der Technikaffinität der Zeit kombiniert werden. Schnell entdeckten die Händler diesen Markt für sich und boten fertig montierte Dauer-Präparate mit hoher Qualität und ausgefallenem, teils exotischen Probenmaterial an – ob  Stechmücke, Löwenbarthaar oder Gewebe von einer echten Mumie, alles konnte man käuflich für die eigene Sammlung erwerben.

Geöffnet zeigt das Kabinett, dass es verschiedenste Präparate beherbergt.

Geöffnet zeigt das Kabinett, dass es verschiedenste Präparate beherbergt.

Ein Schrank, gefüllt mit den Wundern der Natur
Die naturhistorische Sammlung, eigentlich ein Privileg des Adels, fand im 19. Jahrhundert  in Form von mikroskopischen Kabinetten Einzug in die Wohnräume der Menschen. Objekte aus allen Bereichen der Natur konnten so platzsparend aufbewahrt und jederzeit unter dem Mikroskop bewundert werden. Blut, Hirnzellen, tierische Embryos, Froschinnereien, Schmetterlingspuppen, ganze Fliegen, Käfer, Samen, Blätter, Mineralien – dies ist nur ein kleiner Teil der Objekte, die sich in unserem ausgestellten Kabinett befinden. Alles, was die Umwelt an Erfahrbaren zu bieten hatte, wurde zur menschlichen Wissenserweiterung und ebenfalls zur Befriedigung einer ausgeprägten Schaulust  zwischen zwei Glasplättchen fixiert. Doch nicht nur die Schönheit der Proben war entscheidend, auch das Mikroskop als hochkomplexes, technisches Gerät präsentierte der Besitzer mit größtem Stolz – unser Exemplar aus dem Jahre 1863 ist dabei ein besonders fein gearbeitetes Stück aus Messing, welches mit viel Zubehör geliefert wurde. Durch seine hohe Auflösungskraft war es auch für den Wissenschaftsbereich einsetzbar.

Komplexität und Schönheit – das mikroskopische Bild als Gottesbeweis?
Der Einzug der Mikroskopie in das bürgerliche Leben wurde begleitet von einer Flut an Literatur, die dabei nicht nur den richtigen Umgang mit diesem Instrument lehrte, sondern insbesondere auch den religiösen Aspekt dieser Tätigkeit herausarbeitete. Von Menschen geschaffene Materialien zeigten nämlich erst unter Vergrößerung ihre Unvollkommenheit – feinste Stoffe wurden zum Gewirr aus rauen Fasern, Nadelspitzen zu zerklüfteten Stümpfen, polierter Schmuck zu grob strukturierten Kraterlandschaften. Dagegen war selbst jedes Glied von Ungeziefer perfekt geformt und von hochkomplexer, regelmäßiger Struktur. Kein Wunder also, dass diese natürliche Perfektion als Beweis für den Schöpfungsakt eines allmächtigen Gottes herhalten musste, insbesondere in einer
Phase, in der Charles Darwin die Position des Menschen innerhalb der natürlichen
Ordnung von Grund auf erschütterte.

Das mit Präparaten gefüllte Kabinett sowie das dazugehörige Mikroskop ist auf Ebene B im TECHNOSEUM ausgestellt.

Katarzyna Julia Szeremeta

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Zuckerbrecher

Den  Zuckerhut legte man zwischen die beiden Klingen des Zuckerbrechers und drückte den Hebel, der an der oberen Klinge befestigt war, nach unten. Die gebrochenen Stücke wurden durch das Holzbehältnis, in dem der Zuckerbrecher befestigt war, gleich aufgefangenZucker kaufen wir heute so, wie wir ihn benötigen: Fein gemahlen oder als praktisches Würfelstück. Vor über 100 Jahren musste man sich den Zucker in der benötigten Menge erst abbrechen. Ein Zuckerbrecher war dafür das ideale Utensil.

Süßer Luxus
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Haushaltszucker liegt in Deutschland aktuell bei 3,5 kg pro Jahr. Rechnet man noch den Zuckeranteil von Süßigkeiten, Getränken, Kuchen hinzu, in denen Zucker enthalten ist, kommt man sogar auf 34,2 kg Zucker im Jahr. Es ist also – im Gegensatz zu früher – kein Problem, an Zucker zu gelangen. Das einstige Luxusgut verlor seinen Status als der Rübenzucker entdeckt wurde: 1747 entdeckte der Chemiker Andreas S. Marggraf, dass die Runkelrübe Zucker enthielt, woraufhin speziell die Zuckerrübe gezüchtet und ab 1850 in ganz Europa angebaut wurde. Der Rohrzucker, der aus der Karibik stammte, war somit nicht mehr die einzige Quelle. In der Folge sank der Rohrzuckerpreis von 1850 bis 1900 auf ein Drittel seines ursprünglichen Wertes.

Zuckersüß portioniert
Der Zuckerbrecher, der im TECHNOSEUM zu sehen ist, war um 1900 im Gebrauch. Damals wurde Zucker noch nicht gebrauchsfertig hergestellt, sondern in Form eines
Zuckerhuts – einem an der Spitze abgerundeten Kegel aus Zucker – verkauft. Die Produktionsweise bestimmte die Form: Die heiße Melasse des Zuckerrohrs wurde für den Prozess der Raffination zuerst solange gekocht, bis sie karamellisierte. Damit sie auskristallisieren und auskühlen konnte, goss man sie in einen Tiegel, den man
nach dem Auskühlen herausstürzte und so den Zuckerhut erhielt. Die Menge, die
man benötigte, musste man sich also erst vom Zuckerhut abbrechen. Hier kam dann
der Zuckerbrecher zum Einsatz: Den  Zuckerhut legte man zwischen die beiden
Klingen des Zuckerbrechers und drückte den Hebel, der an der oberen Klinge
befestigt war, nach unten. Die gebrochenen Stücke wurden durch das
Holzbehältnis, in dem der Zuckerbrecher befestigt war, gleich aufgefangen.
Vielfach wurden die Zuckerbrocken anschließend noch in einer Zuckermühle
gemahlen, damit der Zucker besser portioniert werden konnte.

Wo im TECHNOSEUM?
Zu sehen in der aktuellen Sonderausstellung „Unser täglich Brot…Die Industrialisierung der Ernährung“.

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Einsatz der Schaugewürze

Lebensmittelchemiker und Autor Udo Pollmer

Irgendwie ist uns allen klar, dass Lebensmittel Zusatzstoffe haben. Aber der Vortrag von Lebensmittelchemiker Udo Pollmer vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und
Ernährungswissenschaften im TECHNOSEUM am 15. Februar brachte für die Zuhörer
so manch neue Erkenntnis und einige Denkanstöße.

Klare Tütensuppe, eindeutige Zusatzstoffe
Dass eine klare Rindersuppe aus der Tüte Stoffe enthält, die nicht alle natürlich sind, dürfte wohl niemand annehmen. Aber dass nahezu der gesamte Inhalte eine kreative Leistung von Food-Designern ist und eher einer Bau-Anleitung nahekommen, war für viele an diesem Abend sicher überraschend. Udo Pollmer nahm sich aus der Deklaration der Inhaltsstoffe jeden einzelnen vor, um ihn zu erläutern. Trockengemüse sei nämlich selten mit seiner Urform zu vergleichen, sondern eine Zusammenstellung verschiedener Zusatzstoffe: Denn welches Gemüse lässt sich in Pulverform zermahlen, um dann beim Kochen in seine Ursprungsform zurückzukehren? Stimmt, eine Verwandlung, die kein Broccoli, keine Tomate mitmachen würde. Und weil es nach mehr aussieht, wenn die Nudeln in der Suppe oben schwimmen – die Schwere sie aber naturgemäß an den Tellerboden zieht – werden Instantnudeln verwendet.

Schau der Gewürze

Auch sogenannte „Schaugewürze“ kommen laut Pollmer zum Einsatz: Diese Zusatzstoffe sehen farblich zwar Gewürzen ähnlich, jedoch schmecken sie nicht so. Künstlich hergestellt, wurde hier in der Regel Wert auf die Optik gelegt, damit sie etwa in Salatpulver verwendet werden. Solche Zusatzstoffe erfüllen laut Pollmer vor allem drei Zwecke: Sie garantieren den reibungslosen Ablauf in der Fertigung, weil alle Stoffe identisch sind und nicht individuell auf die Beschaffenheiten eingegangen werden muss; sie bieten Stabilität, da sie bei der Herstellung keine Gefahr darstellen, sich zu verändern; und zuletzt erfüllen sie den Geschmack des Kunden, der erwartet, dass das Produkt immer gleich schmeckt.

Verwandlung der Früchte
Einen Hinweis darauf, dass Zusatzstoffe verwendet werden, würde schon die Bezeichnung geben, so Pollmer: „´fruchtartig´ oder ´fleischartig´ sind schon Indizien, dass es sich dabei bestimmt um keine Originalprodukte handelt.“ So würden vor allem Cranberries – weil sie in der Verarbeitung vielseitig seien – für die weitere Verarbeitung von Lebensmitteln zu anderen Früchten umgewandelt. Der eigene Geschmack würde dabei einfach reduziert, der gewünschte hinzugesetzt und schon schmecke es für den
Verbraucher nach Erdbeeren. Wer weiß da noch, wo er reinbeißen soll…?

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Elektrisierkoffer

Der Elektrisierkoffer stammt aus der Zeit um 1900.

Der Elektrisierkoffer stammt aus der Zeit um 1900.

Man kann „aus dem Koffer leben“, aber kann man auch „aus dem Koffer wieder gesund werden“? In der Vorstellung der Menschen um 1900 ging das durchaus mit einem Elektrisierkoffer, mit dem man angeblich verschiedene Gebrechen heilen konnte.

Heilender Strom
Kreuzschmerzen, Ohrensausen, Verstopfung, Impotenz, Plattfüße, Schlaflosigkeit, Nervenleiden oder Rheuma: Kaum ein Symptom, das sich nicht mittels Elektrizität heilen ließ. Auch zu Verjüngungszwecken kam sie zum Einsatz. Die sogenannte Medizin ohne Medikamente ging unter anderem auf den Hallenser Professor für Medizin, Johann Gottlob Krüger zurück, der 1744 seine „Gedanken von der Elektricität“ veröffentlicht hatte. Er und weitere seiner Kollegen waren sich einig, dass das regelmäßige Elektrisieren den Körper gegen Krankheiten immunisiere und stärke. Schnell wurden Apparaturen und Geräte wie zum Beispiel der Elektrisierkoffer
für den Hausgebrauch entwickelt, mit denen man seine Leiden kurieren konnte.

Gesund und unter Strom
Bei dem Elektrisierkoffer, der im TECHNOSEUM ausgestellt ist, handelt es sich um
ein Exponat aus dem Jahr 1900, das mit Gleichstrom arbeitete. Bei
Elektromedizinischen Apparaten dieser Art wurden gläserne Elektroden erwärmt
und zum Leuchten gebracht. Indem man die verschiedenen Elektroden auf die Haut
aufsetzte, wurde der schwache Gleichstrom durch den menschlichen Körper
geschickt, wo er seine positiven Wirkungen entfalten sollte. Für einen
Elektrisierkoffer zur Elektrokur für Zuhause musste man zwischen 30 und 160 Mark
bezahlen. Zum Vergleich: Ein Elektroinstallateur verdiente um 1900 etwa 20
Pfennig pro Stunde. Vielen gut gestellten Bürgern war dennoch diese Investition damals ihre Gesundheit wert. Bis in die 1930er Jahre hinein wurden die Geräte stark nachgefragt und gekauft.

Wo im TECHNOSEUM?

Zu sehen auf der Ebene F im Bereich „Elektrizität“.

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