Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Benz-Lieferverzeichnis

Jede Abgabe und Auslieferung eines Automobils ist in diesem Lieferverzeichnis handschriftlich mit Datum und Empfänger sowie Ort vermerkt.

Als Carl Benz am 29. Januar 1886 unter der Nummer 37435 das Patent auf seinen Motorwagen erhielt, war das Auto offiziell geboren. Doch wer hat wann in der Werkstätte und im Betrieb Benz einen originalen Benz gekauft? Das verrät das Lieferverzeichnis der Familie.

Benz in Frankreich
Jede Abgabe und Auslieferung eines Automobils ist in diesem Lieferverzeichnis handschriftlich mit Datum und Empfänger sowie Ort vermerkt: Gernsbach, Hildesheim, München und Augsburg tauchen ebenso auf wie Paris. Die französische Hauptstadt sogar mehrfach, der Empfänger ist immer Emile Roger. Wozu Roger so viele Automobile benötigte? Er verkaufte sie in Frankreich einfach weiter. Roger war damit der erste Vertreter der Mannheimer Fabrik und verkaufte in der Anfangszeit von Benz die meisten Autos. Bis 1893 verkaufte Benz von den insgesamt 69 produzierten Autos gut 60 Prozent nach Frankreich. Dass vor allem Frankreich Interesse bekundete, kam nicht von ungefähr – die Franzosen hatten zu dem Zeitpunkt die besseren Straßen und standen neuen Fahrzeugen aufgeschlossen gegenüber.

Firmengeschichte hautnah
Nach den Kriegsgeschehnissen ist es ein kleines Wunder, dass dieses Verzeichnis aus der frühen Firmengeschichte von Benz & Cie überhaupt existiert. 2016 hatte das TECHNOSEUM mehrere tausend Objekte aus dem Besitz der Familie Benz im Rahmen einer Schenkung übernommen. Darunter befindet sich ein Tourenwagen aus dem Jahr 1924 ebenso wie ein Paar Schlittschuhe, die Carl Benz laut Überlieferung eigenhändig für sich selbst gefertigt hatte, diverse Möbel sowie zahlreiche Fotos, Briefe und weitere Archivalien. Und eben auch das Lieferverzeichnis der Familie Benz aus den ersten Jahren des wirtschaftlichen Erfolgs, die zeigen, wie groß der Wettlauf um die Vorherrschaft im Automobilbau war.

Wo im TECHNOSEUM? Ab dem 17.3.2017 in der Dauerausstellung Automobilbau auf der Ebene F.

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#DepotDienstag: Jung trifft Alt

Vorsichtig verpackt geht es an den neuen Standort.

Konstanz, Freiburg und Meersburg passen ganz gut zusammen, Jupiter und Saturn teilen sich den Platz mit Aachen, während sich Rienzi und Othello weigern, mit Carmen zusammen zu sein. Was ist denn hier los? Karneval im TECHNOSEUM?

Nicht ganz. Wir haben ja schon einmal an dieser Stelle darüber berichtet, dass es sehr wohl einen Unterschied macht, ob die Kunsthalle oder wir einen Rembrandt auf dem Gabelstapler haben. Damals kam die Sammlung des Deutschen Rundfunkarchivs ins Depot. Doch natürlich hat das TECHNOSEUM auch vorher schon Rundfunk- und Fernsehtechnik gesammelt. Jetzt geht es darum, die Neuerwerbungen mit dem „Altbestand“ zusammenzubringen.

Angekommen!

So wird zunächst einmal ganz praktisch geschaut, was gut zusammen in den Umzugskarton und auf die Palette passt. Sorgfältig verpackt und nummeriert geht es dann an den neuen Standort, wo die „alten Hasen“ auf die neu erfassten Kollegen treffen. Und hier vervollständigt sich dann das Bild: Zum „Freiburg 125 Stereo“ von SABA aus dem Jahre 1960, der bereits seit 2002 seinen Dienst in der Sammlung des TECHNOSEUM versieht, gesellt sich nun sein jüngerer Bruder „Freiburg Studio-A“ von 1963 und der ältere „Freiburg Automatic 6-3 D“ von 1955. Letzterer hat sogar noch seine Original-Fernbedienung, die man damals zum saftigen Aufpreis von 65 DM erwerben konnte. Nachdem man etwa 7 Meter Kabel durchs Zimmer gelegt hatte, konnte man das Gerät dann vom Sessel aus bedienen – damals der Inbegriff von Luxus.

Der Scherenhubwagen wartet schon auf neue Arbeit.

Den Luxus, sich zurück zu lehnen können sich die Kollegen im Depot aber erst einmal nicht gönnen. Denn zunächst gilt es, einzupacken. Den „Pinguin“ zum „Kongress“ und wenn wir Glück haben, dann passt da eventuell der „Kolibri“ auch noch dazu…

Angela Kipp, Depotleitung TECHNOSEUM

 

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Karbolzerstäuber

Der Karbolzerstäuber sorgte für eine keimfreie Operation.

Operation gelungen, Patient tot: Noch vor etwas mehr als 150 Jahren starb die Hälfte aller Frischoperierten. Keimfreiheit gibt es in der Medizin erst seit gut 150 Jahren.

Bakterien-Biester
Der medizinische Fortschritt ging im 19. Jahrhundert rasend schnell von statten. Neue Erkenntnisse überholten alte Traditionen und brachten innovative Operationsmethoden mit sich. Die größte Gefahr blieben Wundbrände und Wundinfektionen, die nach dem Eingriff drohten. Der schottische Chirurg Joseph Lister (1827-1912) war einer der ersten, der den Wundkeimen den Kampf ansagte und Regeln für das Operieren entwickelte, die Infektionen verhindern sollten – und das zu einer Zeit, in der noch höchst umstritten war, ob diese überhaupt durch Bakterien verursacht werden. So sagte wohl John Hughes Bennett (1812-1875), ein Gegner Listers: “Wo sind diese kleinen Biester? Zeigen Sie sie uns, und wir werden daran glauben. Hat sie bisher schon irgendwer gesehen?”.

Voll vernebelt
Der „Vater der antiseptischen Chirurgie“ experimentierte in den 1860er Jahren mit Phenol, das auch als Karbolsäure bekannt ist. Ursprünglich wurde Phenol beispielsweise in Paris zur Geruchsbekämpfung von Abwässern und der Kanalisation eingesetzt. Lister zweckentfremdete den Stoff, indem er Wundverbände in Phenol tränkte. Später begann er, eine Phenollösung über dem Operationsfeld in einem feinen Nebel zu versprühen, so dass die Hände der Ärzte, die Instrumente und auch die Wunde mit einem desinfizierenden Film überzogen wurden.

Keine Chance für Bakterien
Phenol war der Stoff, der Leben rettete: Dank ihm wurden Bakterien auf der Wunde und im Verband abgetötet, neue Keime konnten sich so nicht verbreiten und die Wundheilung verlief ohne Komplikationen. Der immense Erfolg Listers – immerhin sank die Sterblichkeitsrate durch Infektionen  bei seinen Amputationspatienten von über 45 auf 15 Prozent – sprach sich herum. In Frankreich griff der Chirurg Just Lucas-Championnière (1843-1913) Listers Ideen auf und entwickelte eigene Apparaturen zum Zerstäuben von Karbol und anderen Antiseptika, wie beispielsweise der nach ihm benannte Zerstäuber. Dennoch bargen die Karbolnebel auch Gefahren für die Gesundheit, wie etwa Schwellungen und Verätzungen der Haut. Zudem stellte sich ein anderes Vorgehen als wirksamer gegen die Erreger heraus, selbst Lister wandte sich um 1890 vom Karbolspray ab: Ab den späten 1880er Jahren begannen Chirurgen, alle Instrumente und Materialien, die mit der Operationswunde in Berührung kamen, von vorneherein durch heißen Wasserdampf keimfrei zu machen, auch die Kleidung. Lister etwa hatte noch im Straßenanzug operiert.

Antibakteriell heilen
In der Wundbehandlung kamen die Zerstäuber allerdings noch länger zum Einsatz. Der vorliegende Zerstäuber, der zwischen 1900 und 1925 hergestellt wurde, besteht aus einem Spiritusbrenner, einem Wasserkessel, einer verstellbaren Düse, die mit dem Kessel verbunden ist, einem Glasgefäß zur Aufnahme des Antiseptikums sowie einem Tragegriff aus Holz. Bei dem Exponat, das im TECHNOSEUM zu sehen ist, fehlt der Gummischlauch, der eigentlich von der Düse in das Glasgefäß mit dem Antiseptikum führt. Das Funktionsprinzip ist das Folgende: Im Kessel wird Wasser zum Kochen gebracht, der Wasserdampf strömt durch die Düse und erzeugt dabei einen Unterdruck, durch den das Antiseptikum angesaugt und anschließend zusammen mit dem Wasserdampf versprüht wird. Einfach, aber so wirksam, dass Ärzte Zerstäuber dieses Typs noch in den 1920er Jahren zur Wundbehandlung einsetzten.

Wo im TECHNOSEUM? In der Dauerausstellung auf der Ebene B im Bereich der Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das „Auto-Velo“

Das Auto-Velo wurde zwischen 1970 und 1975 in den Nürnberger Hercules-Werken hergestellt.

Heute trifft man sie vor allem auf Bahnsteigen an: Die Pendlerinnern und Pendler, die ihr Fahrrad dabei haben und es vor der Fahrt innerhalb kürzester Zeit platzsparend zusammenfalten, danach wieder aufbauen, blitzschnell wieder aufsitzen und weiterdüsen. Moderne Falt- oder Klappräder gehören zum heutigen Stadtbild. In den 1970er Jahren waren sie allerdings weniger Pendler-Fahrzeug als Autozubehör, so wie etwa das Auto-Velo.

Klappbares Hochrad
Wenige Kilogramm und leicht handhabbar – die Vorteile eines Klapprades liegen auf der Hand. Nahezu überall flexibel mobil zu sein, macht es so attraktiv. Ein weiteres Plus: Zusammengefaltet gilt es als Gepäckstück, die separate Fahrkarte kann man sich damit also sparen. Erfunden wurde das Klapprad bereits 1878, der Brite William Grout ließ es sich patentieren. Damals war es allerdings noch ein Hochrad mit Vollgummireifen, dessen Vorderrad sich in vier Segmente zerlegen ließ. Zusammen mit dem gefalteten Rahmen fanden diese in einem dreieckigen Koffer Platz.

Mobil im Krieg
Das Militär zeigte großes Interesse an den praktischen Klapprädern zu Beginn des 20. Jahrhunderts:  Verschiedene Modelle wurden speziell für den Kampfeinsatz entwickelt. So konstruierte der britische Motorrad-, Fahrrad- und Waffenproduzent BSA (Birmingham Small Arms Company) im Zweiten Weltkrieg ein Klapprad, das Fallschirmspringer beim Sprung mitführten und beim Einsatz auf dem Boden dann nutzten.

Konkurrenz auf vier Rädern
Für die breite Bevölkerung blieb das Fahrrad bis zur Zeit des Wirtschaftswunders das Fahrzeug Nummer 1. Mit der Massenmotorisierung der 1950er und 1960er Jahre kam die Konkurrenz auf vier Rädern angebraust: Die Straßen gehörten dem Auto, und der Drahtesel wird nahezu komplett verdrängt. Wer etwas auf sich hielt, fuhr Auto. Nur wer sich kein motorisiertes Fahrzeug leisten konnte oder noch keinen Führerschein besaß, fuhr weiter Zweirad: Hausfrauen, Kinder und Jugendliche. Der Imageverlust des Fahrrades wirkte sich auch auf die Hersteller aus. Sie mussten um ihr Überleben kämpfen. Zahlreiche Produzenten verschwanden innerhalb weniger Jahre vom Markt oder sattelten um auf Kinder- und Jugendräder.

Das Auto-Fahrrad
Es gab jedoch eine Möglichkeit, das Fahrrad mit dem Autoboom zu vereinbaren: Das praktische Klapprad konnte im Kofferraum verstaut und beliebig zum Fahren wieder herausgenommen werden. Das Auto-Velo, das in der Sonderausstellung „2 Räder – 200 Jahre“ zu sehen ist, ist ein solches Fahrrad und wurde zwischen 1970 und 1975 in den Nürnberger Hercules-Werken hergestellt. Mit seinen 14 Kilogramm ließ es sich einfach zusammenschieben, so dass man es bestens im Kofferraum des Wagens verstauen konnte. Lange Touren konnte man allerdings nicht damit zurücklegen: Das Fahren war wohl selbst auf Kurzstrecken eine unangenehme Herausforderung für Fahrerin und Fahrer. Für diesen Fall konnte man absteigen und es einfach in einem mitgelieferten Plastikkoffer transportieren.

Wo im TECHNOSEUM?
In der Sonderausstellung „2 Räder – 200 Jahre. Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades“, die noch bis zum 25. Juni 2017 zu sehen ist.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Tischuhr

Die vergoldete Tischuhr mit Schlagwerk und Pendel stammt aus der Zeit um 1760.

Der schnelle Blick auf die Uhr, um sich zu vergewissern, ob man den Termin noch rechtzeitig schafft, war für die Menschen vor über 200 Jahren weder nötig noch möglich – zwar gab es schon im 14. Jahrhundert erste öffentliche Kirchenuhren, doch zum einen waren sie sehr ungenau und zum anderen für die Menschen eher eine Orientierung im üblichen Tagesablauf. Es war die Natur, die mit dem Auf- und Untergang der Sonne die Zeit angab.

Zeit bekommt einen Wert
Erst mit der Entwicklung der Pendeluhr war eine bis auf die Sekunde genaue Zeitmessung möglich. Die „Industriezeit“ begann das Leben der Menschen zu prägen. „Time is money“ – dieser Ausspruch von Benjamin Franklin aus dem Jahr 1748 zeigt gut, wie Zeit zum Instrument wurde: Zeit wurde knapp und kostbar und es galt sie sinnvoll zu nutzen, um den ökonomischen Anforderungen gerecht zu werden. Schnell wurde der Blick auf die aktuelle Uhrzeit allerorts ermöglicht: Uhren an Rathäusern und Kirchen sowie in Bürgerstuben und Fabrikgebäuden zeigten an, was die Stunde geschlagen hatte.

Vom Luxus zum Alltagsaccessoire

Wer im 18. Jahrhundert mit der Zeit gehen wollte, trug eine Uhr bei sich. Oft waren sie künstlerisch in Ringe, Broschen oder sogar Spazierstöcke eingearbeitet und auch immer stärker etwa als Tischuhr in den eigenen vier Wänden präsent. Uhrenteile wie Räder, Zifferblätter und Spindeln konnten serienmäßig schneller und billiger hergestellt und in andere Länder exportiert werden – die Anschaffung einer Uhr wurde so auch für Geringverdiener erschwinglich.

Antike Vorbilder
Die vergoldete Tischuhr mit Schlagwerk und Pendel aus der Zeit um 1760, die im TECHNOSEUM zu sehen ist, stammt aus dem südwestdeutschen Raum. Sie ist aus Holz und in Form einer antiken Ruine hergestellt, in deren Rundbogenarchitektur die kreisrunde Uhr zu finden ist. Die mit dem Schlagwerk für Stunden und Viertelstunden ausgestattete Uhr zeigt auf dem emaillierten Zifferblatt von innen nach außen die Tage, Stunden und Minuten an. Die Optik ahmt eine Schmiede nach, in der zwei Putten an einem Amboss und einem Blasebalg, der verloren gegangen ist, arbeiten. Sie stehen als Sinnbild für den Spruch „Schmiede Dein Glück, solange Du Zeit hast“.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene B im Bereich Wissenschaft und Aufklärung.

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Exklusiv vor Ausstellungseröffnung: Einladung zum Tweet-up #drais200 im TECHNOSEUM

Mit einer Draisine wie dieser fuhr Freiherr von Drais vor rund 200 Jahren los.

Die erste Radtour der Welt fand vor fast 200 Jahren statt. Als Freiherr Karl von Drais am 12. Juni 1817 mit seiner Laufmaschine von Mannheim aus in Richtung Schwetzingen und wieder zurückfuhr, war ihm eine bahnbrechende Erfindung gelungen. Heute gibt es über 72 Millionen Fahrräder in Deutschland und das Zweirad hat ohne Zweifel als Fortbewegungsmittel eine große Zukunft.

Die Ausstellung „2 Räder – 200 Jahre“, die das TECHNOSEUM ab dem 11. November 2016 zeigt, präsentiert die komplette Geschichte des Fahrrades: Angefangen bei der Laufmaschine und dem Velociped über technische Weiterentwicklungen bis hin zu aktuellen Singlespeeds und Fixies.

Das Tweetup zur Ausstellung findet am 9. November statt

Zwei Tage vor der Eröffnung erhalten Twitter-User und Blogger am 9. November die Möglichkeit, die Schau exklusiv durch eine Führung mit dem Ausstellungskurator Dr. Thomas Kosche kennenzulernen – inklusive kurioser Objekte und Geschichten. Und natürlich gibt es auch einen Fahrtest zu bestehen: Wer schafft es etwa auf das Hochrad?

Wer am 9. November um 18.00 Uhr bei der exklusiven Führung dabei sein und mittwittern oder bloggen möchte, ist herzlich eingeladen. Wir bitten um Anmeldungen bis zum 28. Oktober 2016, per E-Mail an info@technoseum.de oder per Tweet @technoseum.

Die ersten 20 Anmeldungen werden berücksichtigt. Der Rechtsweg ist dabei ausgeschlossen. Teilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Für Reise, Übernachtung und Verpflegung können wir leider keine Kosten übernehmen. Die Anmeldefrist endet am 28. Oktober 2016.

Wir freuen uns auf euch!

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Talbot Lago Baby

Der Talbot Lago Baby T15 des französischen Automobilherstellers ist aus dem Jahr 1949.

„Ich will vorne sitzen!“ hörte man in den 1920er Jahren noch nicht so häufig, wenn eine Autofahrt anstand. Große, geschlossene Limousinen hatten nicht selten noch einen Chauffeur. Doch mehr und mehr wurde das Auto auch für die Mittelschicht erschwinglich. Doch hier musste selbst gefahren werden, Chauffeure blieben das Privileg der Superreichen. Immerhin wurden die Armaturenbretter zunehmend mit Holz und Leder verkleidet, um dem Besitzer das Fahren so angenehm wie möglich zu gestalten. So wie bei diesem Talbot Lago Baby.

Bequem muss sein
Wer einen Blick in das Cockpit des edlen Talbot Lago wirft, sieht gleich, dass das Lenkrad auf der rechten Seite ist. Für die damalige Zeit war die Rechtslenkung häufig auch außerhalb Großbritanniens anzutreffen. Der Grund ist ein simpler: Der Fahrer sollte bequem vom Bordstein einsteigen, losfahren und wieder aussteigen können.

Elegant in Schwarz
Im TECHNOSEUM ist ein Talbot Lago Baby T15 des französischen Automobilherstellers aus dem Jahr 1949 zu sehen. Talbot-Lago entwarf nach dem Zweiten Weltkrieg vorwiegend Wagen für den Rennsport. Die Firma stellte 1950 den „Baby“, eine Reiselimousine mit Vierzylindermotor, vor, von der nur wenige Exemplare gebaut wurden. Mit 120 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h war der Talbot Lago ein solider und eleganter Tourenwagen, der wie üblich in schwarz lackiert und erhältlich war. Das Modell wurde zwar nach dem 2. Weltkrieg gefertigt, ähnelte aber mit seinem schweren Rahmen und einem blechbeplankten Holzaufbau an Vorkriegsautomobile. Auch der moderne Antrieb konnte sich sehen lassen: Die Maschine ist ein moderner Doppelnockenwellen-Motor mit hängenden Ventilen, wie sie auch heute noch zu finden sind. Das Fahrzeug kam 2000 in einem desolaten Zustand an das Haus und wurde dank Unterstützung des Freundeskreises TECHNOSEUM in den Werkstätten des TECHNOSEUM aufwendig restauriert.

Wo im TECHNOSEUM? In der Dauerausstellung auf der Ebene F.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Herrenfriseur-Salon

Der Friseursalon, der im TECHNOSEUM zu sehen ist, wurde 1922 im Elsass eröffnet.

Ein Friseur-Salon mitten im Museum? Nicht etwa, um sich zwischendurch die Frisur richten zu lassen, nein: Das Arrangement an Exponaten zeigt, wie sich der Berufsstand des Friseurs entwickelt hat und mit welchen Utensilien gearbeitet wurde.

Vom Barbier zum Stylist
Der Beruf des Friseurs hat sich aus den mittelalterlichen Berufen des Baders und Barbiers heraus entwickelt. Bader und Barbiere waren nicht nur für die Frisur und Bartpflege zuständig, sondern auch bei gesundheitlichen Aspekten die richtigen Ansprechpartner: Sie führten bei der überwiegend männlichen Kundschaft das Schröpfen und den Aderlass durch und kümmerten sich auch um Zahnbeschwerden oder behandelten Verletzungen. Dank des medizinischen Fortschritts entstanden mit der Zeit neue Heilberufe sowie die Berufe des Arztes und des Chirurgen; Bader wurden mehr zu Heilgehilfen, Barbiere dagegen zu Perückenmachern.

Schneiden, legen, föhnen
Die Perückenmacher etablierten sich im 16. Jahrhundert als wahre Haarkünstler für die feine Gesellschaft und adligen Kreise. Mit der französischen Revolution verloren sie allerdings wieder ihren Haupt-Job: Perücken waren out, natürliche Haare stattdessen wieder in, die gepflegt und frisiert werden mussten. Für den Beruf des Haarkünstlers setzte sich seit Ende des 17. Jahrhunderts daher immer stärker die Bezeichnung „Friseur“ durch, was den künstlerischen Aspekt betonte: „friser“ bedeutet „sich kräuseln“ oder „wellen“. Inzwischen wurden „Friseur“ und „Friseurin“ weitestgehend durch Begriffe wie „Coiffeur“ oder „Hair-Stylist“ abgelöst.

58 Jahre im Geschäft
Der Friseursalon, der im TECHNOSEUM zu sehen ist, ist eine Original-Einrichtung eines Salons aus Bischwiller im Elsass. Hier eröffnete der Friseurmeister Auguste Louis (1900-1993) am 26. Juli 1922 seinen Salon und führte ihn bis zu seinem 80. Lebensjahr. Als er Schere und Kamm beiseitelegte, blieb sein Salon bis zu seinem Tode fast so erhalten, wie er ihn eröffnet hatte und zeigt heute im Museum das Beispiel eines kleinen Friseurladens, wie er damals in vielen Städten zu finden war.

Ein historisch wertvoller Salon
Besucherinnen und Besuchern fällt gleich der große, für drei Kunden eingerichtete Friseurtisch mit Marmorausstattung und Fayence-Waschbecken ins Auge. Die Waschschalen besitzen keinen Abfluss und wurden nach der Rasur per Hand ausgeschüttet.  Auf dem Regal unterhalb des riesigen Spiegels stehen verschiedene metallene Flakons, Zerstäuber und Büchsen für Haarwasser, Eau de Cologne und Talkum. Kleine Porzellanbehälter auf dem Tisch nahmen Rasierseife und Rasierpinsel auf. An der linken Wand hängt noch das Rasierleder zum Schärfen der Rasiermesser – elektrische Utensilien wie Trimmer, Rasierer oder Haarfön hatten hier noch keinen Platz. Und auch die Stühle zeigen gut, dass es beim Besuch weniger um einen Wellnessfaktor ging: Denn an den mit Rohrgeflecht bezogenen Sesseln war außer der Nackenstütze nichts weiter verstellbar.

Wo im TECHNOSEUM? In der Dauerausstellung auf der Ebene E.

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Bier: mal poetisch, mal wissenschaftlich erforscht

Der 1. Mannheimer Beer Slam fand im Rahmen der aktuellen Bier-Ausstellung statt.

Bier ist der Beweis dafür, dass Gott uns liebt und will dass wir glücklich sind“, soll schon Benjamin Franklin gesagt haben.
Und glücklich schienen auch alle acht Teilnehmer des 1. Mannheimer Beer Slams am Endes des Abends zu sein; dabei wurde weniger Bier konsumiert (dies galt natürlich nicht für das Publikum), als darüber philosophiert und wissenschaftlich erörtert.

Bier bringt neue Ideen – das haben alle Wettstreiter mit ihren Vorträgen bewiesen. Komische, abstruse, faktenreiche, nachdenkliche Ideen wurden den rund 150 Gästen im Publikum im 10-Minuten-Takt präsentiert. Die Gründung einer Bierpartei etwa oder die mathematische Betrachtung von eckigen Ellipsen in Bierkästen waren einige der Highlights des Abends. Homer Simpsons Zitat „Ich habe eine Alternative zum Biertrinken gefunden. Wir ziehen einfach als Akrobaten durch die Welt“, war einer näheren philosophischen Betrachtung wert, ebenso wie die wissenschaftliche Erläuterung, warum wir Bier trinken möchten.

Mit seiner Schaumparty wurde Max Dietz aus München Sieger des Beer Slams.

Den größten Applaus des Abends und damit auch den Sieg als bester Beer Slammer konnte Max Dietz aus München für sich verbuchen: Der Lebensmittelchemiker konnte auf sehr spritzige und unterhaltsame Weise vermitteln, welche Moleküle und Elemente für den perfekt weißen Bierschaum verantwortlich sind. Und seit dem Beer Slam wissen wir es auch!

Max Dietz ist mit seiner gelungenen Schaumparty bereits bei einem anderen Slam aufgetreten, hier könnt ihr eine Aufzeichnung sehen.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. Mannheimer Beer Slams:
Martin Becker
Markus Becherer
Maximilian Dietz
Sami Hamdan
Daniel Helbig
Corina Wagner
Matthias Warkus
Valerian

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Amphicar

Das Amphibienfahrzeug ist Teil der Dauerausstellung im TECHNOSEUM.

Fahren oder doch lieber schwimmen? Mit dem Amphicar konnte man sich als Autofahrer ruhig diese Frage stellen. Das Amphibienfahrzeug war für seinen Erfinder Hans Trippel sein Lebensinhalt.

Erste Versuche als Autodidakt
1908 im hessischen Groß-Umstadt geboren, sollte Hans Trippel als Sohn eines Kaufhausbesitzers eigentlich Feinkostkaufmann werden, um eines Tages das elterliche Geschäft übernehmen zu können. Doch die Autotechnik interessierte den jungen Tüftler, der sich als Autodidakt das technische Wissen selbst über die Jahre angeeignet hatte, mehr. Der 24-Jährige lieh sich von seinem Vater 500 Mark und kaufte sich einen alten DKW, den er nach seinen eigenen Ideen in seiner Werkstatt, einem ehemaligen Pferdestall, umzubauen begann. Aus dem DKW wurde schließlich ein „Land-Wasser-Zepp“, das erste Auto von Trippel, das wassertauglich war. Eine Versuchsfahrt im Dezember 1934 verlief allerdings weniger erfolgreich: Der Wagen ging unter und Trippel musste schwimmend wieder ans Ufer zurück. Drei Tage später stand der Wagen wieder fahrbereit an Land.

Produktion für die Wehrmacht
Trippels Ideen und Versuche hatten sich bis nach Berlin rumgesprochen, so dass er im Oktober 1936 auf Einladung des Kriegsministers Blomberg sein Wasserfahrzeug Adolf Hitler vorstellen durfte. Trippel, seit 1930 Parteimitglied der NSDAP, bekam einen Entwicklungszuschuss von 10.000 Reichsmark, mit dem er in Homburg ein Unternehmen aufbaute: Mit 250 Mitarbeitern baute er weiter an seinen Amphibienfahrzeugen, die speziell auf die Bedürfnisse des Militärs eingingen und bis zu 16 Personen im Wasser transportieren konnten. 20 Fahrzeuge des Typs SG-6 Amphibium gingen an die Wehrmacht. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges sollte die Produktion ausgeweitet werden; die „Bank der Deutschen Luftfahrt“ kaufte Trippel das Bugatti Werk im elsässischen Molsheim, wo im Januar 1941 die Trippel-Werke GmbH gegründet wurde und der SG-6 in Serienproduktion ging. Bis 1945 wurden hier über 1000 Fahrzeuge und Lufttorpedos sowie andere Rüstungsgüter hergestellt.

Das Amphicar bei seiner Restaurierung.

Neustart mit dem Amphicar
Nach Kriegsende wurde 1947 Hans Trippel als Wehrwirtschaftsführer von den Franzosen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach drei Jahren wurde er begnadigt und konnte das Gefängnis verlassen. In den 1950er Jahren wurde Trippel dann wieder aktiv und produktiv. Er entwickelte 1957 den Prototyp „Alligator“, aus dem das weltberühmte Amphicar abgeleitet wurde. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h zu Lande und 12 km/h zu Wasser ging das Viersitzer-Cabrio ab 1960 bei der Deutschen Waggon- und Maschinenfabrik in Berlin in die Produktion. Mit einem Vierzylinderviertakt-Reihenmotor mit 1,2 Liter Hubraum und einer Leistung von 38 PS war das Amphicar der erste Schwimmwagen für die zivile Nutzung, das in die Großproduktion ging.

1 Amphicar = 2 VW Käfer
Das Amphicar, das im TECHNOSEUM zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1968. Insgesamt wurden nur 3.878 Fahrzeuge hergestellt, der Großteil davon in die USA exportiert. Doch leider lief der Absatz mehr als schleppend – die hohen Anschaffungskosten hielten viele der Verbraucher davon ab. Immerhin konnten sie sich für den gleichen Preis zwei VW Käfer kaufen. Zudem war der Wagen wartungsintensiv und seine Fahrleistungen nicht mehr zeitgemäß. Das Amphicar konnte sich wegen seiner geringen Größe auch auf dem amerikanischen Markt nicht durchsetzen.
Hans Trippel blieb seiner Leidenschaft aber treu, Amphibienfahrzeuge zu erschaffen. Den letzten Prototyp konstruierte er noch im Alter von 81 Jahren im Jahr 1990.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene F im Bereich Automobilbau

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