Zwillinge auf Reisen – Radios finden in Frankfurt am Main eine neue Heimat

Sammlerinnen und Sammler kennen das: Wer viel sammelt bekommt ab und zu auch Dinge, die man schon hat. Manchmal in einem besseren, manchmal in einem schlechteren Zustand. In einer privaten Sammlung sind diese Dubletten unverzichtbar, um durch Tausch an das ein oder andere begehrte Schätzchen oder durch den Verkauf an genügend Bargeld für den nächsten Fang zu kommen.

Dubletten im Museum
Bei Museen sieht die Sache anders aus: Museen verkaufen nicht, ihr Sammlungsbestand dient dazu, historisch bedeutsame Dinge für künftige Generationen zu erhalten und – zum Beispiel durch Ausstellungen und Publikationen – der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch Dubletten fallen natürlich auch hier an, gerade wenn man Altbestand und Neuerwerbungen zusammenführt (wir berichteten). Was machen wir also mit unseren mehrfach vorhandenen Radios und Fernsehern?

Geteilte Freude ist doppelte Freude
Das TECHNOSEUM ist nicht das einzige Museum, das historische Funktechnik sammelt. So haben wir also bei unseren Kolleginnen und Kollegen gefragt, wer Interesse an unseren doppelten Lottchen bzw. doppelten Radios hätte. Vergangenen Monat kamen zwei Kolleginnen aus dem Frankfurter Museum für Kommunikation und haben elf Geräte mitgenommen, Übergaben an weitere Museen stehen an. Und so freuen wir uns, dass nicht nur wir eine schöne Sammlung haben, sondern auch andere ihre Bestände ergänzen können. Schließlich sammeln wir nicht zu unserem Vergnügen, sondern für jetzige und zukünftige Forscher und Ausstellungsbesucher.

Angela Kipp, Depotleitung TECHNOSEUM

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Hanomag 2/10 PS

Klein, kompakt und kostengünstig: Der Hanomag Typ 2/10 PS war schon lange vor dem VW Käfer eines der ersten erschwinglichen „Volksautos“. Insgesamt liefen zwischen 1925 und 1928 15.775 Exemplare des Fahrzeugs vom Band. Wegen seiner kantigen Form erhielt es den Beinamen „Kommissbrot“. Ein besonders gut erhaltenes Modell ist der neueste Zugang in der Automobilbau-Ausstellung.

Der Smart der 20er Jahre
Der Smart ist keine völlig neuartige Erfindung: Es gab nämlich schon den Hanomag! Das Fahrzeug brachte nur 370 Kilogramm auf die Waage, bei einer Länge von gerade einmal 2,78 Meter. Mit einem 10 PS starker Einzylinder-Viertaktmotor ausgestattet, konnte man bis zu 60 Stundenkilometer flitzen. Und ein weiteres Merkmal macht den Mini zu einem Großen in der Auto-Geschichte: Das Auto war das erste mit einer selbsttragenden Karosserie, die später von den meisten Herstellern übernommen wurde – es symbolisiert somit den Übergang hin zum modernen Karosseriebau. Zudem ist das Modell eines der ersten, das in Deutschland in Fließbandproduktion hergestellt wurde. Der Wagen wurde 1924 von den Konstrukteuren Fidelis Böhler und Carl Pollich entwickelt, die bei der Hannoverschen Maschinenbau AG, abgekürzt Hanomag, tätig waren. Die Firma baute nicht nur PKW und LKW, sondern auch Bau- und Zugmaschinen, Ackerschlepper sowie Dampflokomotiven. Den Hanomag Typ 2/10 PS gab es nach dem Baukasten-Prinzip somit auch als Limousine, Liefer- und Pritschenwagen.

Restaurierte Rarität
Der Hanomag, der im TECHNOSEUM zu sehen ist, ist ein zweisitziges Cabriolet mit Klappverdeck aus einer sehr frühen Serie. Weniger als 20 Fahrzeuge dieses Typs gibt es heute noch. Der Wagen wurde in 17-jähriger Arbeit von dem Ludwigshafener Zahnarzt und Oralchirurgen Dr. Udo Kirsch mit Liebe zum Detail restauriert. Dabei hatte der Autoliebhaber auf kuriose Details Wert gelegt, die den Hanomag ausmachten, wie etwa den rechtsseitigen Fahrersitz, die Tür auf der Beifahrerseite und den einzelnen, mittig angebrachten Scheinwerfer. Um loszufahren, musste man den Mini per Seilzug anlassen, ähnlich wie bei einem Rasenmäher. Im September 2017 schenkte die Ehefrau des 2010 verstorbenen Tüftlers, die Journalistin Waltraud Kirsch-Mayer, das restaurierte Schmuckstück dem TECHNOSEUM, wo es seitdem die Automobilbau-Ausstellung komplettiert.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene F.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Zeiss-Mikroskop

Es lohnt sich immer, einen genauen Blick zu riskieren: Mit einem Mikroskop eröffnen sich dabei völlig neue Welten. In der Medizin wurde das Mikroskop im 19. Jahrhundert deshalb auch zum Symbol des medizinischen Forschens. Im TECHNOSEUM zu sehen ist ein Mikroskop aus dem Jahr 1890, das in Jena in der Werkstatt von Carl Zeiss gefertigt wurde.

Pröbeln in Versuch und Irrtum
Der Mechaniker Carl Zeiss und der Physiker Ernst Abbe aus Jena haben mit der Entwicklung von Mikroskopen grundlegend zur Weiterentwicklung der medizinischen Forschung beigetragen. Abbe gelang es, die Optik von Mikroskopen mathematisch berechenbar zu machen. Zuvor “pröbelten” (probierten) Instrumentenbauer in Versuch und Irrtum so lange mit verschiedenen Linsen herum, bis sie die gewünschte Vergrößerung und Auflösung erreichten.

Lebendige Bausteine
Erst durch das Mikroskop konnte man sich den Zellen nähern. Das Leben ein Zellhaufen? Die Vorstellung, dass alle Lebewesen aus Zellen als kleinste Einheiten bestehen, formulierte der Arzt und Pathologe Rudolf Virchow als erster in seiner Zellularpathologie in den 1850er Jahren. Darin bezeichnete er die Zelle als Ausgangspunkt allen Lebens. Krankheiten betrachtete er als Folge einer Veränderung der Zellen. Bis heute ist diese Vorstellung von Gesundheit und Krankheit präsent. Führte man in der zuvor vorherrschenden Viersäftelehre eine Krankheit auf ein Ungleichgewicht der Säfte im Körper zurück, so konnte man sie nun genau körperlich lokalisieren. Mit Hilfe von Mikroskopen lassen sich Veränderungen in hauchdünnen Gewebeschichten für das Auge sichtbar machen: Krebszellen, Entzündungen oder totes Gewebe können ebenso nachgewiesen werden wie Erkrankungen aufgrund von Mikroorganismen wie Bakterien, Parasiten oder Pilzen. Diese werden auf unterschiedlichen Nährträgern kultiviert, um sie im Anschluss mit dem Mikroskop genau zu bestimmen.

Präzise Zeiss-Technik
Die Firma Zeiss machte sich mit Mikroskopen weltweit einen Namen – von der Herstellung einfacher, präziser Lichtmikroskope bis hin zu komplex zusammengesetzten Mikroskopen. Ab 1866 steigerten der Mechaniker Carl Zeiss und der Physiker Ernst Abbe die Qualität des Mikroskops erheblich. Robert Koch nutzte das beispielsweise für seine Forschungen zu Bakterien.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene B.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Nadelspiel Record-Golf

Blitzschnelle Reaktionen, flinke Finger und eine große Portion Geschick: Am Flipperautomaten machen diese Eigenschaften einen Sieger aus. Bebildert mit Szenen aus beliebten Science-Fiction oder Fantasy-Romanen und mit blinkenden Lichtern ausgestattet zogen Flipper vor allem in den 1980er und 90er Jahren die Jugendlichen an.  Noch recht schlicht und ohne Leuchtreklame kommt da im Vergleich der Nadelspiel-Automat Record-Golf aus den dreißiger Jahren daher. Beliebt war er dennoch.

Game Design anno 1871
Er war der erste „Game Designer“: 1871 ließ Montague Redgrave seine „Improvements in Bagatelles“ patentieren. Damit begann die Geschichte der Flipperautomaten. Das erste Spiel dieser Art wurde um 1890 von der Sicking Manufacturing Company unter dem Namen „The Log Cabin“ produziert. Mit Hilfe eines Holzkolbens schoss der Spieler eine Glaskugel in das Spielfeld, auf dem Nägel und Löcher den Lauf der Kugel veränderten. Akustische Signale zeigten dabei  die Treffer an. Wie viele Punkte man gemacht hatte, musste man allerdings am Ende selbst addieren. Nadelspiele wie dieses wurden vor allem in Kneipen und Bars aufgestellt und erlebten nach 1929 einen enormen Boom. Kein Wunder, denn nach dem Schwarzen Freitag, der wirtschaftlichen Depression und der hohen Arbeitslosigkeit, waren solche Spiele für die Menschen ein kleines Vergnügen, das sie sich gerade noch leisten konnten.

Flippern mit Geschick und Glück
Der Nadelspiel-Automat Record-Golf, der in der Dauerausstellung des TECHNOSEUM zu sehen ist, stammt aus der Zeit um 1933/34. Für 5 Pfennig Einsatz erhielt man zehn Kugeln, bei 10 Pfennigen schickte man 20 Kugeln ins Spiel. Die ausführliche Spielanleitung ist für den Spieler gut sichtbar im vorderen Teil des Gerätes angebracht, einem glasbedeckten Holzkasten. Nach Einwurf der Münzen musste er zuerst den linken Knopf herausziehen, das Abrollen der Kugel abwarten und dann den Knopf wieder in die Ausgangsposition zurückschieben. Mit dem rechten Knopf forderte er eine Abschuss-Stange ein, die den Lauf der Kugel veränderte. Landete die Kugel am Ende des Spiels in der roten Klappe, so konnte man sich nicht nur über die doppelte Trefferanzahl freuen, sondern auch über eine Freikugel für ein weiteres Spiel.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene E.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Wellenschreiber

Steigt der Blutdruck, wenn man schneller atmet? Was haben Atmung und Blutkreislauf miteinander zu tun? Thesen und Annahmen gab es in der Geschichte viele. Gemessen wurde das erstmals im 19. Jahrhundert mit einem Wellenschreiber, der Körperfunktionen aufzeichnet. Zu sehen im TECHNOSEUM auf Ebene B.

Von Mythen zur Messung
Begann vieles in der Medizin mit Überlieferungen, so setzten sich im 19. Jahrhundert die forschenden Naturwissenschaften mit ihrer rein naturwissenschaftlich begründeten Lehre von den Vorgängen im Körper immer stärker durch. Mit Hilfe der Physik, Chemie und systematisch durchgeführten Experimenten konnten diese Vorgänge nun erklärt werden. Und zum gleichen Zeitpunkt wurden sie auch messbar: Um den Blutdruck und seine Schwankungen beobachten zu können, erfand man Apparaturen, die die Abläufe als Messkurven aufzeichneten. 1846 entwickelte etwa der Leipziger Physiologe Carl Ludwig den so genannten Kymographen, einen Wellenschreiber, um Körperfunktionen aufzuzeichnen. Mit diesem wollte Ludwig die Wechselwirkung zwischen der äußeren Atmung und dem Blutkreislauf untersuchen. Dazu war es notwendig, die Druckveränderungen der Arterien synchron mit den Veränderungen in der Atmung aufzeichnen.

Feinste Mechanik
Der Wellenschreiber, der im TECHNOSEUM zu sehen ist, wurde um 1900 in Leipzig hergestellt. Durch ein Uhrwerk versetzte man die obere Trommel, die mit einem berußten Papier bespannt war, in gleichmäßige Bewegung. Was auf dem Bild nicht zu sehen ist – eine Nadel, die je nach Untersuchung über eine mechanische Vorrichtung mit einer Person verbunden war, bewegte sich auf und ab und ritzte auf der Rußschicht die entsprechende Körperfunktion als Kurve ein. Die so entstandene Aufzeichnung konnte man anschließend mit Schellack fixieren.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene B.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das KdF-Spielzeugauto

Das Modellauto ist noch mit seiner Originalpappschachtel erhalten und enthält zudem mehrere Straßenschilder als Zubehör.

Das liebste Spielzeug der Großen darf natürlich auch in einem Kinderzimmer nicht fehlen: das Auto. Und das ist nicht immer ein Rennwagen, sondern manchmal auch ein Propagandafahrzeug. Eine der ersten Firmen, die sich auf die Produktion von Spielzeugautos konzentrierten, war die Firma Josef Neuhierl.

Das Modell fürs Kinderzimmer
Der deutsche Spielzeugproduzent gründete bereits 1920 seine Firma in Nürnberg und begann hier hauptsächlich Autos, Rennwagen, Lastwagen und Flugzeuge in Kleinformat zu bauen. Auch in den Kriegsjahren stand die Produktion nicht still: In den Kinderzimmern wurde dann eben mit Militärspielzeug gespielt. Auch den KdF-Wagen, der 1938 der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde, gab es kurz darauf in der Mini-Version.

Die Idee eines Volkswagens
1934 erhielt Ferdinand Porsche von den Nationalsozialisten den Auftrag, einen Volkswagen zu entwickeln. Das Auto sollte Platz für zwei Erwachsene und drei Kinder haben, eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern erreichen und im Durchschnitt nicht mehr als sieben Liter Benzin auf 100 km verbrauchen. Laut Vorgaben von Adolf Hitler sollte der Wagen weniger als 1.000 Reichsmark kosten und somit für jeden erschwinglich sein. 1938 wurde das Modell schließlich als „Kraft-durch-Freude-Wagen“ (KdF-Wagen) vorgestellt. Erworben werden konnte das Auto nur über die sogenannte KdF-Sparkarte: Der angehende Käufer musste pro Woche 5 Reichsmark in eine Kasse einzahlen – Zinsen gab es dafür keine. Am Ende gab es auch kein Auto, denn das Geld finanzierte die deutsche Rüstungsindustrie kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges. Der echte, große „KdF-Wagen“ sollte später als „Käfer“ Weltkarriere machen.

Spielzeug als Propaganda
Der KdF-Spielzeugwagen, der im TECHNOSEUM zu sehen ist, war für das NS-Regime ein weiteres Propagandamittel, sein Konzept der „Volksmotorisierung“ an die Bevölkerung und speziell an die Kinder und Jugendlichen zu bringen. Das Modellauto ist noch mit seiner Originalpappschachtel erhalten und enthält zudem mehrere Straßenschilder als Zubehör. Kinder konnten das Auto mit einem separaten Schlüssel aufziehen und es so fahren lassen. Aber auch in den Kinderzimmern fuhr der KdF-Wagen nicht lange: Mit Kriegsende beschlagnahmten die Amerikaner das gesamte Unternehmen mit allen Geräten und Maschinen.

Verkaufshit Carrera
Neuhierl produzierte kurz darauf schon wieder: 1954 und 1957 wurde ein Neubau in Fürth bezogen und Herrmann Neuhierl, Sohn des Firmengründer, übernahm die Geschäftsführung und begann mit der Produktion von Kunststoffautos.  Mit der Idee, eine Autorennbahn zu erschaffen, sattelte das Unternehmen komplett auf die beliebte Carrera-Bahn um und wurde so zum Inbegriff für Autorennbahnen in Deutschland. Heute gehört das Unternehmen nach seinem Konkurs 1985 einem österreichischen Unternehmen.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene E.

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Bienvenue chez les… « Gueules noires » !

Centre Historique minier (CHM) im französischen Lewarde

Der deutsch-französische Volontärsaustausch macht’s möglich: Seit gut einem Monat bin ich zu Gast im Centre Historique minier (CHM) in Lewarde bei Douai (Département Nord), Frankreichs größtem und meistbesuchtem Bergbaumuseum. Noch bis Ende Juni läuft das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und dem Haus der Geschichte in Bonn organisierte Austauschprogramm. Im Gastmuseum geht es um die fast drei Jahrhunderte umfassende Geschichte des Steinkohlebergbaus hier im äußersten Norden Frankreichs, wo bereits 1990 die letzte Zeche geschlossen wurde.

Das französische Bergbauvokabular ist für Ausländer zu Beginn gar nicht einfach.

Ein bekannter Dialekt
Vier der hierzulande „Gueules noires“ (wörtlich: „Schwarzmäuler“) genannten ehemaligen Kohlekumpel arbeiten noch auf der alten Zeche „Delloye“ in Lewarde – als Museumsführer erklären sie den Besuchern ihren früheren Berufsalltag und die Gefahren unter Tage. Besonders freut die Museumsgäste, dass sie bei dieser Gelegenheit auch das berühmt-berüchtigte „Ch’ti“ zu hören bekommen – den nuscheligen Dialekt des Nordens – der es dank des Films „Willkommen bei den Sch’tis“ von 2008 zu internationaler Bekanntheit brachte. Ausländer wie ich müssen da schon ganz genau hinhören, wie überhaupt man sich erst einmal das französische Bergbauvokabular aneignen muss. Wörter wie chevalement (=Förderturm), grisou (=Grubengas) oder marteau-piqueur (=Presslufthammer) gehören eben nicht unbedingt zum klassischen Schulstoff.

Direktorin und Kuratorin Amy Benadiba (links) ist zusammen mit Virginie Malolepszy, Leiterin der Bibliothek und des Archivs im Centre Historique minier, eine der Ansprechpartnerinnen für Marcel Böhles (Mitte)

Spannende Aufgaben
Geleitet wird das 1984 eröffnete Bergbaumuseum seit vergangenem Jahr von der erst 29-jährigen Direktorin und Kuratorin Amy Benadiba. Sie ist damit nicht nur administrative Chefin von rund 100 Bediensteten, sondern als einzige Kuratorin des Hauses auch für die Dauer- und Wechselausstellungen zuständig. Nach einer Sonderausstellung zu Emile Zola und dessen Bergbauepos „Germinal“ wird Anfang Juni eine weitere Ausstellung zum Thema Elektrizität folgen, an deren Vorbereitung ich noch mitwirken konnte. Als nächstes großes Projekt hat sich Amy Benadiba die Instandsetzung der Sammlung vorgenommen, die sich in teils sehr schlechtem Zustand befindet.

Spannend: Ein Besuch im Stollen.

Für den Besucheransturm gewappnet
Einen Schwerpunkt setzt das CHM bei der Vermittlungsarbeit und der Museumspädagogik. Tagtäglich kommen scharenweise Schulklassen und Gruppenreisende, um das Museum zu besuchen und anschließend via Förderkorb in den vermeintlich unterirdischen Stollen einzufahren. Dieser entpuppt sich zwar nach der Führung als ebenerdige Attrappe (die echten Stollen sind längst geflutet), doch das tut der Faszination keinen Abbruch.

Viele Schulklassen besuchen das Museum.

Über Besuchermangel kann sich das Haus nicht beschweren: Trotz der verkehrsungünstigen Lage abseits der Touristenpfade besuchten im letzten Jahr rund 150.000 Menschen das CHM – Tendenz steigend. Zum Besucheranstieg beigetragen haben makabrerweise auch die Terroranschläge der jüngsten Zeit: Seitdem nämlich müssen Frankreichs Museen infolge des Notfallplans „Vigipirate“ hohe Sicherheitsauflagen erfüllen (z. B. Taschen-kontrollen), um weiter Schulgruppen empfangen zu können. Im Gegensatz zu vielen Museen in der Umgebung ist das CHM dafür ausgerüstet und erlebt infolgedessen einen Besucherboom.

Zur Museumsnacht erstrahlte das komplette Museum.

Längst hat die Region Nord-Pas-de-Calais ihr vormals tristes Image abgelegt und bietet auch für die Freizeit viele Möglichkeiten. Gerade für Fans der Technik- und Sozialgeschichte bildet das ehemalige Kohlebecken eine wahre Fundgrube und ist seit 2012 auch Weltkulturerbe der UNESCO. Mehr als ein Grund also, sich auf den Weg nach Lewarde zu machen!

Marcel Böhles, Volontär im TECHNOSEUM

 

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Nudelmaschine

Die Nudelmaschine wurde in Stuttgart um 1930 bei Werner & Pfleiderer hergestellt.

Gesiebtes Mehl, Wasser und Eigelb: Mehr braucht es nicht für typisch schwäbische Nudeln. Und weil im Südwesten Deutschlands der Nudelverbrauch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts höher als in anderen Regionen war, waren hier vorwiegend auch die Firmen anzutreffen, die sich ganz der Herstellung von Maschinen zur Nudelproduktion verschrieben hatten.

Kneten, walzen, schneiden
Die Nudelmaschine, die im TECHNOSEUM zu sehen ist, wurde in Stuttgart um 1930 bei Werner & Pfleiderer hergestellt. Die Maschinenbaufirma hatte sich seit ihrer Gründung Ende der 1870er Jahre auf Teigkneter, Walzen, Pressen und Trockner für Bäckereien und die Nudelindustrie spezialisiert. Bei dieser Nudelmaschine handelt es sich um eine Teigwalze: Auf dieser ließ man den Teig, der zuvor aus Mehl, Wasser und Eigelb vermischt und geknetet wurde, so lange hin- und herlaufen, bis ein glatter, zäher Teigkuchen entstand. Dieser Teigkuchen wurde geschnitten oder durch spezielle Formen gepresst, so dass die fertigen Nudeln nur noch getrocknet werden mussten.

Über 600 Sorten
Die Mechanisierung der Produktion hat der Nudel eine immense Vielfalt beschert: Über 600 Nudelsorten gibt es weltweit, in Deutschland warten 100 verschiedene Arten in den Supermarktregalen auf die Nudelliebhaber. Trotz schneller Verfügbarkeit und günstiger Preise möchten viele Verbraucher — vor allem in Südwestdeutschland — aber nicht darauf verzichten, ihre eigenen Nudeln herzustellen: Sie können sich mit Hilfe kleiner Nudel- und Teigmaschinen für den Eigenbedarf in der Küche austoben. Und tragen so dazu bei, dass hierzulande der Nudelkonsum mit rund 15 kg pro Person im Jahr doppelt so hoch ist wie im restlichen Deutschland.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene C.

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Von Nudeln und Königen

Ein Besuch in der Nudelfabrik stand in diesem Jahr auf dem Programm für den Ausflug der Ehrenamtlichen Kräfte des TECHNOSEUM.

Als Dankeschön für ihr großes Engagement bietet das TECHNOSEUM seinen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein vielfältiges Jahresprogramm mit Ausflügen, Führungen und Fortbildungen an. Im Rahmen dieses Programms ging es bei der diesjährigen Exkursion im Mai über den Rhein und in die schöne Pfalz. Zunächst stand ein Besuch in Großfischlingen bei der Gutting Pfalznudel GmbH auf dem Plan. Hier werden direkt vor Ort Nudeln in allen erdenklichen Formen, Farbgebungen und Geschmacksrichtungen produziert. Dabei wird großer Wert auf höchste Qualität gelegt und nur die besten Zutaten sowie ausschließlich natürliche Farbstoffe verarbeitet. Das traditionsreiche Familienunternehmen wurde schon vielfach ausgezeichnet für seine riesige Produktpalette und liefert mittlerweile seine Teigwaren rund um den ganzen Globus aus.

Die Ehrenamtlichen erhielten Einblick in die Produktionsabläufe.

Bei einer Werkbesichtigung erhielten die Ehrenamtlichen einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Nudelproduktion.

Nach einer Verkostung der köstlichen Pfälzer Teigwaren im angrenzenden Restaurant und einen kleinen Abstecher in den Laden, wo ein breites Sortiment an Nudeln drauf wartete mit nach Hause genommen zu werden, ging es weiter zur Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben.

Hoch über dem Pfälzer Rebenmeer thront majestätisch die Villa Ludwigshöhe. Erbaut wurde die einstige Sommerresidenz von Ludwig I von Bayern. Der Monarch war ein großer Verehrer Italiens und so ist der vierflügelige Bau in Stile einer italienischen Villa errichtet. Bei einer kurzweiligen Führung durch die herrschaftlichen Räume wurde die Zeit der bayrischen Könige wieder lebendig und die Ehrenamtlichen erfuhren Spannendes und auch Amüsantes über die einstigen Bewohner der Villa. Bei der anschließenden Stärkung mit Kaffee und einer stilechten „Prinzregenten-Torte“ genossen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen grandiosen Blick bis hinunter in die Rheinebene.

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Essen in Shanghai

Die Kantine: Hier trifft man sich zum Austausch.

Seit 2011 besteht nun schon unsere Kooperation mit dem Shanghai Science and Technology Museum. Bestandteil der Zusammenarbeit ist ein Mitarbeiteraustausch: Jährlich besucht uns ein/e Mitarbeiter/in aus China und ein/e Kollege/in darf Shanghai entdecken. In diesem Jahr hat unser Kollege Stefan Mattern aus der IT-Abteilung die Chance, in die chinesische Kultur einzutauchen. Hier ist sein Bericht zum Essen in Shanghai:

Wissensvermittlung in der Kantine
Ich bin nun seit fast vier Wochen in unserem Partnermuseum Shanghai Science and Technology Museum tätig und neben der sehr interessanten täglichen Arbeit in einem sehr netten und aufgeschlossenen Team spielt das Alltagsthema „Essen“ eine wichtige Rolle in der Kommunikation untereinander. Alle Kollegen und Kolleginnen – auch diejenigen, die nur wenig Englisch sprechen – beteiligen sich engagiert an der Diskussion und versuchen, mir die vielfältigen Seiten der Chinesischen Küche nahezubringen.

Das Küchenteam im SSTM

Erster Ort der Wissensvermittlung ist die Kantine des Museums, die ab 11:30 Uhr verschiedene Gerichte bietet. Es gibt die Wahl zwischen einem Fleisch- oder Fischgericht sowie Beilagen, die meist aus Gemüse oder Kartoffeln bestehen, einer Suppe sowie einer Schüssel Reis. Obst, Yoghurt und ein Fruchtsaft als Getränk wird ebenfalls angeboten. Für das Ganze werden 10 RMB per Chipkarte entrichtet – dies entspricht etwa 1,50 € (subventioniertem) Essenspreis. Meist ist die Menge nicht zu schaffen – es wird in China generell immer mehr aufgetischt als letztlich gegessen werden kann. Das Tischgespräch dreht sich dann häufig um die Inhalte und Bestandteile der Gerichte, für deren korrekte englische Übersetzung ich öfter einmal die App des Smartphones zu Rate ziehe.

Die Sichuan-Küche zeichnet sich durch viel Chili aus.

Was wo gerne gegessen wird
Die chinesische Küche ist äußerst vielfältig, sowohl was die Anzahl der regionalen Spezialitäten als auch die der jeweiligen Bestandteile anbelangt. Grundsätzlich werden acht unterschiedliche Kochregionen unterschieden: in Zentralchina wird angeblich alles gegessen – mit Ausnahme der eigenen Artgenossen. Die am schärfsten gewürzten Speisen (Chili, verschiedene Pfeffersorten) stammen aus der südwestlichen Provinz Sichuan (Hauptstadt Chengdu), im Norden des Landes dominieren Nudeln als Beilage, auch Pfannkuchen und eine Art Dampfnudeln mit verschiedenen Füllungen sind sehr populär.

Meine Lieblingsmaultaschen - einfach lecker!

Hier an der Ostküste sieht es etwas anders aus: Häufig ist neben dem in ganz China angebotenen Schweinefleisch auch Fisch im Angebot. Meine absolute Lieblingsspeise sind derzeit die mit verschiedenen Füllungen (Fleisch, Fisch, Gemüse) erhältlichen Maultaschen, deren Hülle aus Teig besteht und die entweder in heißem Dampf gegart oder nach dem Garungsprozess noch knusprig angebraten werden. Jeden Freitag werden sie auch in der Kantine als ein Spezialangebot offeriert.

Reismaultaschen zum Drachenbootfest

Zum Drachenbootfest werden speziell in Blätter eingehüllte dreieckige Maultaschen gegessen, die mit klebrigem Reis und einer Fleischfüllung versehen sind. Selbstverständlich gibt es auch saisonale Spezialitäten in Shanghai: mit Krebsfleisch gefüllte Maultaschen, im heißen Sommer kalte süßlich schmeckende Bohnensuppe oder hippe Getränke (Heytea) und Gerichte (Cremetasche mit Hülle aus geröstetem Schweinefleisch) die nur durch langes sehr langes Anstehen zu ergattern sind. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Sitte, alle bestellten Gerichte gleichzeitig zu servieren, so dass der Tisch zum Abstellen kaum noch ausreicht und die Gerichte eher lauwarm als heiß gegessen werden.

Ansturm bei Heytea in Shanghai

Asiatische Küche trifft…
Im Straßenbild dominieren die kleinen Restaurants, die den ganzen Tag verschiedene Gerichte zu günstigen Preisen offerieren – sie haben in Shanghai die Garküchen auf der Straße fast vollständig ersetzt: Bei einem Bummel in der Mittagspause zu einem nahe gelegenen Café, waren alle ganz begeistert von einem kleinen Stand, der geröstete Süßkartoffeln zum Kauf anbot. Selbstverständlich musste ich eine rosa Kartoffel probieren: heiß und schmackhaft. Das riesige Angebot an Restaurants wird in den letzten Jahren zunehmend durch international operierende Ketten wie McDonalds, Burger King und KFC erweitert, die sich zunehmender Popularität erfreuen. Aber auch andere asiatische Küchen (japanisch, koreanisch, thailändisch) lassen sich öfter antreffen, ergänzt durch europäische Angebote. Das dominierende Heißgetränk, der Tee, erhält immer mehr Konkurrenz durch ein wachsendes Kaffeeangebot internationaler Ketten wie Starbucks oder Costa’s Coffee, die überwiegend von der jüngeren Generation besucht werden. Unerwartet für mich war die große Anzahl an kleineren Bäckereien und Konditoreien, die aufwendige Torten und anderes Süßgebäck anbieten.

Bezahlen per App
In fast allen Restaurants besteht inzwischen die Möglichkeit einer bargeldlosen Bezahlung mit Hilfe einer App, die mit einem Bankkonto verknüpft werden kann. Im Unterschied zu Deutschland, wo die Karten- oder Bargeldzahlung noch dominiert, wir hier mit Alipay oder der multifunktionalen Messenger-App WeChat nicht nur in Restaurants, sondern auch in vielen anderen Geschäften bezahlt.

Stefan Mattern

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