Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Raketenflugzeug

Am 30. September 1929 wurde auf dem Frankfurter Flugplatz die Ära des Raketenflugs eingeläutet. Das Flugzeug: die RAK-1, ausgestattet mit Schwarzpulver-Raketen, die 350 Kilopond Schub und vier Sekunden Brenndauer hatten. Am Steuerknüppel: Fritz von Opel, Industriellensohn und bekannt als waghalsiger Flieger. Hinter dem Ereignis stand jedoch ein anderer: Julius Hatry, Erfinder aus Mannheim. Gerade einmal 22 Jahre alt, Ingenieur aus Leidenschaft, ausgebildeter Segelflieger und Draufgänger zugleich, tüftelte er jahrelang an der Entwicklung der RAK-1 und testete alle Prototypen und Vorläufermodelle selbst, oft unter Einsatz seines Lebens. Ein Nachbau des legendären Fluggeräts hängt im TECHNOSEUM unter der Decke – es wurde 1990 unter Hatrys Mitarbeit rekonstruiert.

Der tollkühne Mann in seiner fliegenden Kiste
Bei Hatry, geboren 1906 in Mannheim, zeigte sich schon früh sein Faible für Flugzeuge. Mit gerade mal 15 Jahren wurde er Mitglied des Mannheimer Fliegerclubs. Zwar nahm er ein Ingenieurstudium auf, brach es jedoch bald ab, um als Fluglehrer zu arbeiten. Im Sommer 1929 begann Hatry mit dem Bau der RAK-1. Dabei nahm er das konventionelle Segelflugzeug zum Vorbild: Die RAK-1 ist im Grunde also eine ziemlich simple Konstruktion. Revolutionär dagegen war die Antriebstechnik. Sie galt in den 1920er Jahren als besonders modern, zukunftsträchtig und spektakulär: Mit Raketen hoffte man, besonders große Geschwindigkeiten zu erreichen.

Erfolgreicher Flug mit Bruchlandung
Auch andere experimentierten in dieser Zeit mit Raketenantrieben, etwa der Juniorchef der Rüsselsheimer Opel-Werke. Hatry wiederum suchte einen Geldgeber und bot Fritz von Opel eine Zusammenarbeit an. Den ersten Testflug am 19. September absolvierte Hatry selbst, die öffentliche Präsentation in Frankfurt elf Tage später war von Opel vorbehalten. Die Presse wurde eingeladen, die „New York Times“ berichtete, möglichst bekannt sollte das Ereignis werden. Zunächst hatte von Opel zwei Fehlstarts, doch beim dritten Versuch klappte es: Die RAK-1 legte in einer Höhe von 20 Metern und bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h rund zwei Kilometer zurück. Bei der harten Landung ging das Flugzeug zu Bruch, doch die Öffentlichkeit feierte die Sensation: Der erste bemannte Raketenflug hatte stattgefunden.

Maschinenträumer und Flugpionier
Hatry wird häufig als Pionier der Luft- und Raumfahrttechnik bezeichnet, von der RAK-1 eine direkte Linie zum Sputnik-Satelliten und den Apollo-Missionen gezogen. Mit der Technologie späterer Raumfähren und Weltraum-Raketen hat die RAK-1 jedoch nur wenig gemein. Die medienwirksame Inszenierung von Hatrys Raketenflügen machte indes eine breite Öffentlichkeit auf die Möglichkeiten dieser neuen Antriebstechnologie aufmerksam. Sie ebnete damit einem grundlegenden Bewusstseinswandel den Weg: dass auch Utopien wie die Eroberung des Weltalls möglich sind.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene E.

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