Heimkino vor 100 Jahren: TECHNOSEUM übernimmt Laterna Magica aus dem Jahr 1910

Sie sorgte für Heimkino-Abende lange bevor es bewegte Bilder und Beamer gab: die Laterna Magica. Seit dem 17. Jahrhundert brachten ihre Projektionen die Menschen zuerst auf Jahrmärkten und später auch in den eigenen vier Wänden zum Staunen. Denn als sich im 19. Jahrhundert Apparate und Lampen zunehmend billiger produzieren ließen, wurde die Laterna Magica zumindest beim bürgerlichen Publikum auch für den privaten Gebrauch erschwinglich. Und wo anfangs noch aufwändig bemalte Glasbilder zum Einsatz kamen, schob man bald günstig reproduzierte Glasdias vor die Linse.

Foto einer Laterna Magica mit Dias und Negativplatten
Heimkino vor 100 Jahren: Eine Laterna Magica aus der Zeit um 1910

Eine Laterna Magica aus der Zeit um 1910 inklusive Zubehör und Dias hat das TECHNOSEUM vor Kurzem übernommen: Udo Traub fand sie beim Ausräumen des Hauses seiner verstorbenen Eltern in Baden-Baden und schenkte sie dem Museum. Sie wurde einst in Freiburg im Breisgau angekauft, die Dias und diversen Negativplatten hingegen zeigen Ansichten aus dem Nahen Osten, unter anderem orientalisch gekleidete Menschen, Klosterbauten und die Grabeskirche in Jerusalem. Schenkungsgeber Traub vermutet, dass sein Großvater Apparat und Bilder einst vom Dorfpfarrer in Waldulm bei Offenburg übernahm, mit dem er befreundet war, und der ins Heilige Land gepilgert sein könnte. „Der Projektor wurde womöglich zu Hause, vielleicht auch vor einem Gemeindepublikum eingesetzt, um die Zuschauer mitzunehmen auf eine Reise in ferne Länder. Er zeigt, wie stark sich Bildprojektionen dieser Art schon vor dem 1. Weltkrieg in Deutschland verbreitet hatten“, so Kurator Dr. Alexander Sigelen. „Dieses Gerät ist deshalb nicht nur technikhistorisch interessant für uns, sondern gibt auch Einblicke in den Alltag der Menschen vor gut hundert Jahren.“

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Stadt im Ausnahmezustand: TECHNOSEUM gibt Buch zum Metallarbeiterstreik 1963 in Mannheim heraus

120.000 Metallbeschäftigte legen im Frühjahr 1963 in Baden-Württemberg die Arbeit nieder. Die Unternehmen antworten auf den Streik mit der ersten Massenaussperrung der Nachkriegszeit – eine Kraftprobe für die IG Metall. Auch in Mannheim stehen zwei Wochen lang die Räder still. Der Düsseldorfer Fotograf Anton Tripp dokumentiert den Arbeitskampf in der Industriemetropole. Eine Auswahl dieser Bilder, Zeitzeugeninterviews, zeitgenössische Filmaufnahmen sowie wissenschaftliche Beiträge sind nun in einem Buch zusammengefasst, das vom TECHNOSEUM herausgegeben wird und einen lebendigen Querschnitt der Ereignisse und Akteure bietet. Das Buch ist ab sofort im Handel und im Shop des Museums erhältlich und kostet 19,90 Euro.

Foto von streikenden Arbeitern 1963

Die neue Publikation ist auch ein Resultat der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg mit dem Titel „‘Durch Nacht zum Licht?‘ Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 – 2013“, die im Jahr 2013 zuerst im TECHNOSEUM zu sehen war und anschließend in Dortmund und Chemnitz gastierte. „Bei der Recherche für die Schau stießen wir auf die Fotografien von Anton Tripp, von denen wir nur einen kleinen Teil für den Ausstellungskatalog verwenden konnten. Sie zeigen das Geschehen aus der Perspektive der Arbeiterinnen und Arbeiter und sind besonders nah bei den Akteuren – ein interessanter Stoff für eine eigene Publikation“, so Dr. Horst Steffens, Kurator der damaligen Ausstellung und einer der Autoren des nun vorliegenden Buches. Ergänzt um Interviews mit mehreren Zeitzeugen und einen 8-mm-Amateurfilm über die Demonstrationen zum 1. Mai 1963 gibt die Publikation einen ebenso umfassenden wie unmittelbaren Einblick in das Streikgeschehen „von unten“.

Infos zum Buch
„Dieser Betrieb wird bestreikt“: Bilder- und Lesebuch zu Streik und Aussperrung 1963 in Mannheim,
hrsg. vom TECHNOSEUM Mannheim, verlag regionalkultur, 280 Seiten mit 84 Abbildungen,
Technik + Arbeit Bd. 15, 19,90 Euro
ISBN 978-3-95505-100-6

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Recyclinghinweis auf Rolltoren: Wandbild am Gebäude des Shanghai Science and Technology Museum

Seit 2011 besteht eine Kooperation mit dem Shanghai Science and Technology Museum (SSTM). Dazu gehört ein Mitarbeiteraustausch: Jährlich erhalten wir Besuch aus Shanghai und natürlich darf eine Kollegin bzw. ein Kollege des TECHNOSEUM die chinesische Metropole entdecken. In diesem Jahr hat sich unser Grafik-Designer Frank Ketterl auf den Weg gemacht und eine ganz besondere Aufgabe erhalten. Hier ist sein Bericht:

Während meiner Tätigkeit im Research und Design Department bekam ich die Aufgabe, eine Illustration zum Thema „Mülltrennung und Recycling am SSTM“ zu gestalten. Das finale Motiv sollte auf zwei große Rolltore übertragen werden.

Das Wandbild in Shanghai wird fertiggestellt.
Das Wandbild wird nach dem Entwurf von Frank Ketterl an den Rolltoren angebracht

Was Mülltrennung angeht, galt China bisher als Entwicklungsland: Alles landete in einer Tonne.

Diesen Sommer wurde in der Stadt Shanghai die Mülltrennung für alle Haushalte und öffentlichen Einrichtungen eingeführt. Üblich sind vier Behälter: eine Tonne für trockenen Restmüll, eine für feuchten Restmüll, eine für Wertstoffe und eine für Gefahrenstoffe. Auch im Museum stehen Mitarbeiter an den Sammelstellen und geben Hinweise für die richtige Trennung des Mülls.

Zum Thema gestaltete ich zwei Entwürfe: Der erste zeigt eine Meeresschildkröte deren Lebensraum durch Plastikmüll bedroht wird. Auf dem zweiten sind freundliche Mülltonnen vor dem SSTM-Gebäude zu sehen. Eine interne Kommission entschied sich für den heiteren Entwurf.

Wandbild in Shanghai mit der Aufschrift Act Green and Live Green und Turn Waste into Treasure. Zu sehen sind verschiedene Mülltonnen, die für unterschiedliche Müllarten stehen.
Das Wandbild in voller Pracht

Die Illustration habe ich dann als Vektordatei angelegt, dadurch war sie für die Realisierung auf großen Rolltoren besser skalierbar. Der Slogan „Act green & live green, Turn waste into treasure” musste nun ins Chinesische übersetzt werden. Anschließend wurde eine Agentur beauftragt, das Motiv mit Pinsel und Sprühdose auf die Rolltore zu malen.

Ich freue mich sehr, dass mein Motiv jetzt am Gebäude des SSTM zu sehen ist und für dieses wichtige Thema sensibilisiert.

Frank Ketterl

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Dem Betrug auf der Spur: Gerät aus der Kriminaltechnik bereichert die Museums-Sammlungen

Eine nachgeahmte Unterschrift auf dem Scheck, eine gelöschte Passage im Testament oder ein abgeändertes Geburtsdatum im Reisepass: Viele Fälschungen lassen sich mit dem bloßen Auge  nicht ohne Weiteres erkennen. Um Dokumente zu überprüfen, vertrauen Urkundensachverständige etwa bei Gerichten, der Polizei oder beim Zoll schon seit Jahrzehnten auf den Videospektralkomparator: Dieses Gerät verfügt über unterschiedliche Lichtquellen wie etwa UV-Licht, Streiflicht oder Infrarot und darüber hinaus auch über verschiedene Filter – mit ihnen werden zum Beispiel getilgte Schriftzüge wieder sichtbar.

Ein besonders frühes Exemplar, nämlich das Modell VSC-1 der britischen Firma Foster + Freeman aus dem Jahr 1980, ist vor Kurzem in den Besitz des TECHNOSEUM gelangt. „Erstmals im deutschsprachigen Raum vorgestellt wurde der Apparat auf dem 5. Symposium für Schriftvergleich im Sommer 1981 in Mannheim“, so Kuratorin Dr. Anne Mahn. „Der Komparator, der uns überlassen wurde, kam bis 1994 im Urkundenlabor des Psychologen und Handschriften-Experten Prof. Dr. Lothar Michel an der Universität Mannheim zum Einsatz.“ Anschließend wurde er von der Schriftsachverständigen Dr. Angelika Seibt übernommen, die ihn noch bis 2008 benutzte und vor einigen Monaten dem Museum schenkte.

Mittlerweile sind bei den Behörden Modelle im Einsatz, die über bessere optische Verfahren und Videotechniken verfügen. Die Grundidee jedoch, Dokumente mit Lichtreflexionen und Bestrahlung auf den Zahn zu fühlen, ist aber bis heute unverändert. Und noch etwas ist gleich geblieben: Der VSC-1 wie auch heutige Komparatoren sind teure Geräte – um die 80.000 Euro muss eine Behörde heute dafür hinblättern.

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Kindheitstraum trifft Märchenschloss: Exkursion der Ehrenamtlichen

Die Ehrenamtlichen des TECHNOSEUM sind das ganze Jahr über vor und hinter den Kulissen aktiv. Als „Dankeschön“ starten 45 motivierte Ehrenamtliche zu einer Exkursion nach Gaggenau und Rastatt. Unser erstes Ausflugsziel an diesem Tag: Das Unimog-Museum in Gaggenau. Dort begrüßen uns die Geschäftsführerin sowie unsere ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen.

Unimog-Museum

Das 2006 eröffnete Museum wird mit großer Leidenschaft durch die rund 150 Ehrenamtlichen unterstützt. Wer ist antrittsstärker: ein Elefant oder ein Unimog? Hier findet man die Antwort auf diese oder andere Fragen. Bei der Führung tauchen wir in die spannende Geschichte dieser Fahrzeuglegende ein.

Patentiert wird der Unimog im November 1948 durch Daimler Benz. Ursprünglich ist er als rein landwirtschaftliches Fahrzeug geplant. Doch schon bald überdenkt man das Konzept und der Einsatzbereich wird deutlich erweitert. Ab 1951 folgt der Umzug in das LKW-Werk nach Gaggenau. Bis zur Werksverlegung nach Wörth im Jahr 2002 werden dort zahlreiche Bau- und Modellreihen des Unimog produziert. Heute ist der Ganzjahres-Allrounder überall zu finden: Im kommunalen Straßenbetrieb, zur Unterstützung des THW oder als Wohnmobil für alle Fälle.

Highlight des Besuchs ist der Außenparcours: Als Beifahrer kann man das unglaubliche Unimog-Fahrgefühl hautnah miterleben. Das lassen sich einige Ehrenamtliche natürlich nicht entgehen.

Schloss Favorite – Das Gesamtkunstwerk

Nächster Programmpunkt ist das „Porzellanschloss“ in Rastatt. 1710 bis 1727 wurde das barocke Lust- und Jagdschlösschen von der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden erbaut. Es zeichnet sich durch eine reiche dekorative Innenausstattung aus, dazu gehören unter anderem: Böden aus Stuckmarmor, Wände mit Fayencenfliesen, Stuck- und Freskendecken. Allein die Porzellansammlung gilt als weltweit größte. Bis heute ist das Schloss Favorite in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben.

Das Schloss ist von einer prachtvollen englischen Gartenanlage umgeben. Direkt am Eingang des Parks liegt die letzte Station unseres Ausfluges. Im Schlosscafé lassen wir bei Kaffee und Kuchen einen unterhaltsamen Exkursionstag gesellig ausklingen. Dabei fragen wir uns bereits, wohin die nächste Exkursion uns wohl führen wird. Wir sind gespannt!

Dr. Constanze Pomp
Betreuung ehrenamtlicher Kräfte

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Einer der ersten heißen Drähte Deutschlands: Telegraf von William Fardely jetzt in der Ausstellung im TECHNOSEUM

Er war ein Technik-Pionier und ist doch heute weitgehend vergessen: Der gebürtige Brite und Wahl-Mannheimer William Fardely gilt als ein maßgeblicher Wegbereiter der elektromagnetischen Telegrafie. Der von ihm entwickelte Telegraf war einer der ersten, der auf dem europäischen Festland zum Einsatz kam. Am 26. Juni 1869 starb der Erfinder in Mannheim, und anlässlich seines 150. Todestages zeigt das TECHNOSEUM Fardelys Innovation: einen Zeigertelegrafen, der spätestens in den 1850er Jahren entlang einer Bahnstrecke von Wiesbaden bis Rüdesheim zum Einsatz kam und den das Museum zusammen mit einem zweiten Exemplar vor wenigen Monaten als Schenkung erhielt. Nur wenige dieser Geräte sind heute noch erhalten. Das wertvolle und frisch restaurierte Objekt ist ab sofort im Ausstellungsbereich zur Mediengeschichte zu sehen.

Die Familie Fardely lebt in der englischen Grafschaft Yorkshire, 1820 zieht sie nach Mannheim: Der Vater ist vermögend, die Mutter hat deutsche Wurzeln, William Fardely junior ist damals zehn Jahre alt. „Über seine Ausbildung ist nur wenig bekannt, sicher ist aber: 1840 geht William Fardely für zwei Jahre zurück nach England und beschäftigt sich dort mit der Telegrafie, einer damals noch brandneuen Technik“, so Dr. Anke Keller, Kuratorin am TECHNOSEUM. „So hatten zum Beispiel die beiden Engländer William Fothergill Cooke und Charles Wheatstone erst 1837 ihren Telegrafen patentieren lassen.“

Freie Fahrt mit Pfiffen und Fahnen?
Die ersten Bahnstrecken in England wie in Deutschland verfügen noch über keinerlei Signale. Stattdessen postiert man entlang der Gleise Personal, das sich zum Beispiel mit Pfiffen oder dem Schwenken von Fahnen untereinander verständigt. Als der Zugverkehr intensiver wird, muss eine Alternative her – und mit elektrischen Signalen bieten sich ganz neue Möglichkeiten, Nachrichten über große Distanzen hinweg zu übermitteln. Für diese Technologie wirbt auch Fardely in Deutschland, als er, frisch aus England zurück, einen Telegrafen entwirft. 1844 kommt dieser erstmals zwischen Kastel und Wiesbaden zum Einsatz. Als Erster nutzt Fardely dabei die Erde als Rückleiter für den notwendigen Betriebsstrom – das spart eine zweite Drahtleitung und damit Baukosten. Die Apparate selbst sind einfach zu bedienen und zudem günstig, so dass der Tüftler sie bald unter anderem nach Sachsen, Thüringen und Bayern verkauft. Ab 1849 kommt der Fardely-Telegraf auch auf diversen Strecken in der Pfalz zum Einsatz. „Mit dem Einsatz elektrischer Signaltechnik nahm auch der Einsatz der Eisenbahn Fahrt auf, und damit nicht zuletzt die Industrialisierung in ganz Deutschland“, so Keller.

Tüftler, Musiker und Sonderling
Nach diesen vielversprechenden Anfängen kommt die Karriere Fardelys jedoch ins Stocken: Schon 1847 entwickelt die Firma Siemens & Halske einen Zeigertelegrafen, mit dem sich Signale deutlich schneller übertragen lassen. Schließlich verdrängen Morse-Geräte nach und nach die Fardely-Telegrafen; Versuche des Mannheimers, seine Apparate technisch zu verbessern, bleiben am Ende erfolglos. Fardely lebt weiterhin in der Quadratestadt, betätigt sich als Pyrotechniker und Maler. Außerdem spielt er Violine, ist laut Zeitzeugen ein begnadeter Musiker. Er gilt allerdings auch zunehmend als Sonderling, der zurückgezogen und ärmlich lebt. Als er im Alter von 59 Jahren im Allgemeinen Krankenhaus in Mannheim stirbt, hinterlässt er zur allgemeinen Verwunderung ein kleines Vermögen, das an zwei weit entfernte Verwandte geht. Fardelys Schriften und zwei von den wenigen noch erhaltenen Zeigertelegrafen verbrannten im Zweiten Weltkrieg im Mannheimer Schlossmuseum – nun erinnert ein Exemplar im TECHNOSEUM an das Vermächtnis des Erfinders.

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Technische Meisterleistung in Öl: Bilfinger SE schenkt Museum Industriegemälde

Dr. Martin Krauß, Leiter des Unternehmensarchivs bei Bilfinger, übergibt das Gemälde an den Sammlungsleiter Dr. Thomas Kosche.
Foto: TECHNOSEUM, Klaus Luginsland

Gebäude, Maschinen und Anlagen sind die Sujets der Industriemalerei, der sich bildende Künstler seit dem 19. Jahrhundert widmen. Viele von ihnen waren als Auftragsmaler für Unternehmen tätig, um zum Beispiel Fabriken, Arbeiter oder auch Bauprojekte künstlerisch in Szene zu setzen. So wie Erich Mercker (1891 – 1973), ein studierter Bauingenieur, der sich ab den 1920er Jahren als Industriemaler betätigte: Er gilt als bedeutender deutscher Künstler dieses Genres. Eines seiner Bilder hat das TECHNOSEUM nun von der Bilfinger SE geschenkt bekommen. Es zeigt den Bau einer Autobahnbrücke über das Teufelstal bei Hermsdorf in Thüringen.

Die Brücke von 1938
Foto: Unternehmensarchiv Bilfinger SE

„Die Brücke wurde zwischen 1936 und 1938 – vermutlich nach einem Entwurf des Architekten Paul Bonatz – von der Grün & Bilfinger AG gebaut“, erläutert Dr. Martin Krauß, Leiter des Unternehmensarchivs bei Bilfinger in Mannheim. Mit einer Bogen-Spannweite von 138 Metern gehörte sie damals zu den größten Stahlbeton-Bogenbrücken weltweit und galt als technisches Meisterwerk. Auch die Umsetzung des Baus war spektakulär: „Zuerst konstruierte man ein so genanntes Lehrgerüst, also eine gigantische Holzkonstruktion. Diese diente dann quasi als Form zum Betonieren der Bögen“, so Krauß. Auf dem Bild Erich Merckers ist genau diese Vorgehensweise zu sehen.

Lehrgerüst der Teufelstalbrücke
Foto: Unternehmensarchiv Bilfinger SE

Die Teufelstalbrücke galt Ende der 1990er Jahre als nicht mehr sanierungsfähig, wurde abgerissen und durch einen Neubau gleicher Bauart ersetzt. Vom Original zeugen nur noch Fotos und eben jenes Gemälde im TECHNOSEUM. „Das Bild zeigt nicht nur ein Stück Technik- und Architekturgeschichte, sondern steht auch für den Ausbau des Schnellstraßennetzes im Deutschen Reich, der bereits in der Weimarer Republik begonnen und unter den Nationalsozialisten forciert wurde“, sagt Sammlungsleiter Dr. Thomas Kosche. „Damit ist die Schenkung eine wertvolle Ergänzung unserer Bestände zur Mobilitätsgeschichte.“ Ab sofort ist das Bild als Teil der Automobilbau-Ausstellung im Museum auf Ebene F zu sehen.

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Im weißen Rausch: Wintersport im Stummfilm

Wintersport gehört zum Fernsehen wie Sahne zu Schokoladeneis. Live-Übertragungen von Wintersportveranstaltungen bescheren den Fernsehsendern beachtliche Einschaltquoten. Das zeichnet sich schon vor rund hundert Jahren ab, als die Bilder gerade erst laufen lernten. Wanderkinos entstehen in der Zeit von 1895 bis 1905. Erste Kinoketten in Deutschland mit ortsfesten Kinos gibt es seit 1906. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind schon damals fasziniert von der lebendigen Bewegung der Bilder, die als Attraktion gelten. Filme mit sportlichen Betätigungen sind deshalb das Non-plus-ultra. Sport ist Bewegung, und das Kino macht genau diese Bewegung zur Attraktion.

„Skifest auf dem Schauinsland“ (1908),
Haus des Dokumentarfilms – Landesfilmsammlung Baden-Württemberg (Stuttgart)

Bei schneeängstlichen Stubenhockern beliebt

Die Menschen lieben schon immer den filmischen Rausch der Bewegung, deshalb ist der Sportfilm auch eines der ältesten Filmgenres. Ein populäres Thema dabei ist der Wintersport.  Bereits 1890/91 löst die Übersetzung von Fridtjof Nansens Expeditionsbericht Auf Schneeschuhen durch Grönland eine Skisport-Euphorie aus. Die Schneeschuhe, wie die Skier zunächst genannt werden, sind eine Neuheit. Sie gesellen sich zu Schlittschuhen und Rodel. Diese neuartige Sportart in reizvollen Schneelandschaften wird nun im ebenso neuartigen Kino gezeigt. Die Zeitschrift Kinematograph schreibt im Jahr 1922, Sportfilme finden „in den Kinotheatern der Großstädte bei den schneeängstlichen Stubenhockern Beifall“. Kinofilme über Skiwettrennen und Skispringen sind beim Publikum sehr beliebt – die „unheimlichen“ Sprünge hält es zunächst für Kinotricks.

Faszination Schnee  

Überliefert sind sowohl Kinoaufnahmen von Filmfirmen, als auch Filmmomente von Amateurfilmern. Ein frühes Beispiel ist Das Ski-Fest auf dem Schauinsland-Halden (Schwarzwald) 1908. Ende 1908 wird der fünfminütige Film zur Eröffnung des Karlsruher Kino Residenz-Theaters als Programmbestandteil vorgeführt. Auch die Olympischen Spiele 1928 in St. Moritz werden gefilmt. Die Tourismusindustrie wirbt mit Reklamefilmen für Wintersportplätze. Und so stellt der Kinematograph im Jahr 1925 fest: „Winterfilme erfreuen sich beim Publikum besonderer Beliebtheit, nicht nur im Sommer als Abkühlungsmittel, […] sondern gerade im Winter bei jenem Publikum, das zu Hause sitzen bleiben muß und nicht zum Wintersport in die Berge ziehen kann.“

Wer neugierig geworden ist, der kann sich einige historische Filmsequenzen in unserer Sonderausstellung „Fertig? Los! Die Geschichte von Sport und Technik“ ansehen.

Viel Vergnügen und „Film ab“!

Dr. Constanze N. Pomp, Abteilung Sammlungen

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Sprechende Schokolade

Manche Musik ist zum Dahinschmelzen. Aber wussten Sie auch, dass es Plattenspieler gab, die zartschmelzende Schokoladenplatten abspielten? Im TECHNOSEUM können Sie die skurrile Erfindung bewundern.

Technik-Hype trifft Schoko-Wahn
Was nach einem Aprilscherz klingt, war tatsächlich eine geniale Marketingidee von Ludwig Stollwerck und Thomas Alva Edison. Der Kölner Schokoladenproduzent und der Erfinder trafen sich 1893 auf der Weltausstellung in Chicago. Sie waren von den Ideen und Entwicklungen des jeweils anderen begeistert. Edison präsentierte dort den Phonographen, ein Tonaufnahme- und Abspielgerät mit sich drehenden Walzen, in die Schallschwingungen geritzt sind. Stollwercks Exponat war zwar weniger innovativ, aber dafür optisch beeindruckend – und ein echter Leckerbissen: Er ließ einen „Schokoladen-Tempel“ bauen, der eine 12 Meter hohe Schoko-Nachbildung der Germania des Niederwalddenkmals zeigte.

Ein Produkt für (fast) alle Sinne
Gemeinsam gründeten der Technik-Visionär und der Schoko-Papst 1895 die „Deutsche Edison Phonograph Compagnie“ in Köln und schon bald war die Idee einer Schokoladen-Schallplatte geboren. Stollwerck stieß nämlich auf einen Spielzeug-Phonographen, der per Hand angekurbelt wurde und kleine Platten statt Walzen nutzte. Und was liegt da näher, als das Plattenmaterial durch Schokolade zu ersetzen?

Musikgenuss & Kalorienüberschuss
Im Spätjahr 1903 kam dann der Blech-Phonograph mit Schokoplatten auf den Markt und wurde der Renner im Weihnachtsgeschäft. Erhältlich war er mit Handkurbel oder aufziehbarem Uhrwerk. Unser Modell in der Ausstellung Mediengeschichte ist das Nachfolgemodell von 1904 – mit Holzgehäuse und Messingbeschlägen. Neben Schokolade konnte es auch Platten aus Hartgummi abspielen.
Die Schokoladen-Schallplatten kamen 1903 übrigens in „Qualität Extra-Zart“ und mit über 100 verschiedenen Liedern auf den Markt. Die Schoko-Tonträger konnte man etwa 10 Mal abspielen, dann war Schluss – wenn die Kinder überhaupt so lange der süßen Versuchung widerstehen konnten.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene F.

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In der Spur bleiben: Modelleisenbahnen im TECHNOSEUM

Modelleisenbahnen – sie begeistern vor allem Männer. Im TECHNOSEUM sind diese technischen Miniaturen Teil der Sammlung und eine Quelle mit großer Aussagekraft für unsere Alltagskultur.

Lummerland auf dem Schreibtisch
Mit der Modelleisenbahn verbinden sich Emotionen. In der Kindheit wurde mühsam dafür gespart oder auf den Weihnachtsmann gewartet, der vielleicht den einen oder anderen Waggon bringt. Unzählige Stunden wurden mit der Bahn verbracht, die technische Faszination war grenzenlos. Noch heute blicke ich in leuchtende Augen, wenn ich am Inventarisieren bin und meine männlichen Kollegen Lokomotiven und Waggons der Marken Fleischmann, Liliput, Märklin oder Roco auf meinem Schreibtisch entdecken.

Carola fährt mit
Und manchmal ist so eine kleine Eisenbahn auch mit völlig anderen Emotionen verbunden. So erlebe ich bei der Inventarisierung eines braunen Güterwagens aus den 1970er-Jahren eine große Überraschung. Ich hebe das Dach ab und aus dem Laderaum lächelt mich ein junges Mädchen auf einem Porträtfoto an, das mit „Carola“ beschriftet ist. Der jugendliche Besitzer vertraute wohl mit diesem Foto seiner heißgeliebten Eisenbahn einen weiteren Schatz an.

Modellbahnglück
Was fasziniert an Modellbahnen? Ist es die Technik selbst, die Welt im Kleinen, die Möglichkeit, einmal Lokführer und Fahrdienstleiter zugleich zu sein oder einfach die Freude daran, etwas konstruktiv zu gestalten und aufzubauen? Auf jeden Fall vergisst man beim Tüfteln und Bauen mit der Modelleisenbahn den Alltag und geht völlig im Spielgeschehen auf. Einzelne Akteure erleben einen Flow.

Geschichte im Kleinen
Modelleisenbahnen erzählen viele Geschichten. Sie sind ein Spiegelbild der historischen Eisenbahnentwicklung und deren Abbildung im Modell, sie liefern Informationen über den zeitgenössischen Umgang der Menschen mit Technik und Innovationen und sie geben Aufschluss über den Modellbahnsport als populäre Freizeitgestaltung. Doch wie fing eigentlich alles an? Die ersten Modelle entstanden in England, fast zeitgleich mit den ersten Eisenbahnen. Und sie waren kein Spielzeug, sondern Anschauungsobjekte einer hypermodernen Technik. Sogar Johann Wolfgang von Goethe erwarb 1829 ein Pappmodell aus England.

Die Welt in Spur H0 (Maßstab: 1:87)
Bis zum Spielzeug war es noch ein Weg: Fahrtüchtige Spielzeuglokomotiven gab es in England erst seit 1840. In Deutschland erschienen 1835 zur Eröffnung der Strecke Nürnberg/Fürth Ausschneidebögen, und Spielzeugkataloge enthalten Eisenbahnen seit den 1860er Jahren. Dann kam Märklin und entwickelte 1891 ein Eisenbahnsystem mit Schienen und Zubehör. Doch der eigentliche Boom begann in den 1950er Jahren: Die Spurweite H0 (1:87) setzte sich durch, die Eisenbahn fand auf einer Tischplatte Platz. Das führte zu aufwendigen technischen Arrangements von Stromkreisen, Signalen und Beleuchtungen sowie zur Ausgestaltung der Plattenanlage mit Gebäuden und Landschaftselementen. Es eröffnete sich eine spannende Welt der Spurweite H0 mit leuchtenden Augen bei kleinen und großen Modelleisenbahnern.

Dr. Constanze N. Pomp, Abteilung Sammlungen

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