Wer finden will, muss suchen: Das TECHNOSEUM unterwegs mit dem Sammelmobil auf dem Mannheimer Wochenmarkt

Mit der Suche nach neuen Objekten für die Sammlung eines Museums ist es so ähnlich wie mit der Suche nach dem Traumpartner: Wer zu Hause sitzen bleibt, wird nicht fündig. Deshalb wird das TECHNOSEUM mobil. Auf der Suche nach Dingen mit Migrationsgeschichte stehen wir ab diesem Sommer an verschiedenen Orten in Mannheim und suchen Menschen, die passende Objekte mit den dazu gehörenden Geschichten für uns haben.

Zwischen Waffeln, Orangensaft und Gurken
Startpunkt ist der Mannheimer Marktplatz. Direkt am Eingang zum Markt zwischen Ständen mit verlockenden Waffeln, frisch gepresstem Orangensaft und knackigem Gemüse stehen meine Kollegin Anne Mahn und ich unter einem roten Schirm, ausgestattet mit Info-Flyern und viel Enthusiasmus. Vergessen haben wir lediglich die Sonnencreme, was sich im Laufe dieses sonnigen Tages noch bemerkbar machen wird.

Sammlungsprojekt und Familiengeschichten
Am Anfang ist es noch schattig und so erzählen wir – nachdem der Aufbau des Standes bewältigt ist – den ersten Interessierten von unserem Sammlungsprojekt: „Wir suchen Fundstücke aus Ihrer Lebens- und Arbeitswelt. Vom Eislöffel bis zur Reiseschreibmaschine.“ Unsere einzige Bedingung: „Dahinter muss eine kleine Geschichte stecken.“ Unsere Gesprächspartnerinnen und -partner kommen ins Grübeln. Manche berichten von ihrer eigenen Familiengeschichte, sind sich aber nicht sicher, ob sie einen passenden Gegenstand für unsere Sammlung haben. Andere haben selbst zwar keine Migrationsgeschichte, wollten aber bei Freunden und Bekannten Werbung für unser Projekt machen. Alle sind erstaunt darüber, was alles ein Objekt mit Migrationsgeschichte sein kann.

Was ist eigentlich ein „Ding“ mit Migrationsgeschichte?
Ein „Objekt der Migration“ kann jeder Gegenstand sein, so alltäglich er auch erscheint. Darunter fallen zum Beispiel die bunten Plastiklöffel auf einer unserer Postkarten. Solche Plastiklöffel werden in jeder Eisdiele ausgegeben, gerade im Sommer geht es wohl kaum alltäglicher. Und doch lässt sich anhand dieser Plastiklöffel die Geschichte italienischer Eismacher in Deutschland erzählen: Warum sie herkamen, wie sie arbeiten und wie sich die Arbeitswelt auch in dieser Branche wandelt.

Das Fazit unseres ersten Ausflugs mit unserem Sammelmobil: viele interessierte Menschen, spannende Gespräche, zahlreiche verteilte Flyer und ein kleiner Sonnenbrand am linken Arm. Das motiviert doch sehr für unseren nächsten Auftritt am 11. August. Wieder auf dem Marktplatz, diesmal mit Sonnencreme. Kommt vorbei!

Wer ein passendes Objekt für uns hat, kann sich hier informieren.

Sandra Schultz

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Marine-Chronometer

Sag mir die Uhrzeit und ich sag Dir, auf welchem Längengrad wir uns befinden! Klingt komisch, aber noch im letzten Jahrhundert war die genaue Kenntnis der Uhrzeit für Seeleute absolut notwendig, um die Position ihrer Schiffe bestimmen zu können.

Ein präzises Schmuckstück
Dazu nutzte man sogenannte Marine-Chronometer, auch Schiffsuhren genannt. Das sind hochpräzise transportable Zeitmessinstrumente, die seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu unentbehrlichen Navigationshilfen geworden waren. Das Exponat im Museum wurde um 1903 in Berlin gebaut und ist ein echtes Schmuckstück, gefertigt mit Mahagoni und Elfenbein.

Zuverlässigkeit bei Wind, Wetter und Wellengang
Und wie genau bestimmt man mithilfe der Uhrzeit die geografische Länge? Durch die Beobachtung der Himmelskörper (Sonne, Mond, Sterne) lässt sich die Zeit des Ortes ermitteln, an dem sich das Schiff gerade befindet. Diese Zeit vergleicht man dann mit der mitgeführten Zeit des Marine-Chronometers, die sich auf einen bestimmten Ort mit bekanntem Längengrad bezieht. Aus dem beobachteten Zeitunterschied kann man dann den Längenunterschied berechnen.
Doch warum verwendete man lange Zeit so einen unpraktischen Holzkasten, wenn es damals doch schon kleine Armbanduhren oder zumindest Taschenuhren gab? Das liegt an den Temperaturschwankungen und dem Wellengang auf den oft monatelangen Reisen. Die Chronometer waren dabei sehr zuverlässig und zeigten die genaue Zeit mit nur wenigen Sekunden Abweichung an.

Vom Zeitball zu GPS
Um die Schiffschronometer zu überprüfen, installierte man ab 1829 in Häfen Zeitbälle, die beispielsweise auf Dächern an einer Stange montiert und zu einem festgelegten Zeitpunkt fallengelassen wurden. Ab 1907 gab es dann Zeitzeichensender, um mit Funkfrequenzen die Uhrzeit abzugleichen. Erst um 1960 begann dann der Niedergang der klassischen Chronometer durch die Erfindung der präziseren Quarzuhr. Heute navigieren die Schiffe mit der satellitengesteuerten GPS-Technologie durch die Weltmeere.
Ein Überbleibsel der Navigation mit Chronometern befindet sich übrigens auf dem Dach des One Times Square in New York. Seit 1907 wird immer eine Minute vor dem Jahreswechsel der Times Square Ball an einem Fahnenmast herabgelassen. Dann hält aber sicher jeder ein Sektglas und kein Chronometer in der Hand.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene A.

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Ein Mechaniker mit Mumm und eine Radiowerkstatt mit Geschichte

Wer will, der kann. Und Erwin Sautter wollte. Dabei herausgekommen ist nicht nur ein Gesellenstück, sondern auch eine maßgeschneiderte Werkstatt für den Rundfunkmechaniker. Sie ist im TECHNOSEUM Teil des neuen Ausstellungsbereichs Mediengeschichte und erzählt auch Sautters besondere Geschichte.

Neustart mit Hindernissen
Sautter wird 1928 geboren und wächst in Heidelberg auf. Mit 16 Jahren wird er zusammen mit seiner ganzen Gymnasialklasse zur Wehrmacht eingezogen und an der Westfront eingesetzt. Dort verliert er sein rechtes Bein, eine Wundinfektion kostet ihn sogar fast das Leben.

Weil ihm nach dem Krieg das Geld zum Besuch der Schule fehlt, beginnt er 1946 eine Lehre bei einem Rundfunkmechaniker. Keine leichte Aufgabe, denn Sautter sitzt nun im Rollstuhl. Doch er ist clever, denkt mit und schafft sich einen Werkstatttisch an, den er seinen Bedürfnissen anpasst: Die Beine des Stehmöbels werden abgesägt und weitere Umbauten vorgenommen, um die Arbeit im Rollstuhl zu ermöglichen. Es klappt. Die Lehre schließt Sautter zwei Jahre später mit „gut“ ab. Sein Gesellenstück ist ein „magisches Auge“, eine Abstimmhilfe für Radios, die er später in seine Prüftafel einbaut. Weiterer Bestandteil der Tafel ist unter anderem ein Umformer für Wechselstrom, denn nach dem Krieg gibt es in Heidelberg noch ein Gleichstromnetz.

Leidenschaft Radio-Bau
Doch Erwin Sauter will mehr. Er studiert tagsüber an der Ingenieurschule Mannheim Elektrotechnik, arbeitet nachmittags bei Siemens und repariert nachts Radios oder baut sie um. Im 4. Semester wird er Werksstudent bei der Post mit einem Gehalt von 170 DM. Kurz nach seiner Ingenieurprüfung im Februar 1956 heiratet er. Das Paar bekommt drei Söhne und zieht 1980 nach Sandhausen. Die Leidenschaft für Radios bleibt. Auch hier baut und repariert Erwin Sautter neben seinem Beruf weiterhin Radios.

Das besondere Werkstatt-Ensemble von Erwin Sauter kommt 2011 ins TECHNOSEUM. Seit Juni 2018 ist es Teil der neuen Dauerausstellung „Mediengeschichte“, wo es für den Neubeginn des Rundfunks in der von Rohstoffmangel und Zerstörungen geprägten Nachkriegszeit steht. Zu sehen sind der Werkstatttisch, die Prüftafel sowie einige weitere Geräte aus den ersten Nachkriegsjahren.

Dr. Anke Keller, Kuratorin Mediengeschichte

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Magnetophon K 2

Schon der Name ist sperrig: Magnetophon K 2 – was wie eine Mischung aus Telefon und U-Boot klingt ist tatsächlich ein Tonbandgerät. Um genau zu sein: Das älteste noch erhaltene Tonbandgerät überhaupt. Eine richtige Rarität also, die in der Ausstellung zur Mediengeschichte entdeckt werden kann! Was heute hinsichtlich der Aufnahmequalität ein Smartphone besser erfüllt, bestand im Jahr 1936 aus vier sperrigen Teilen: Laufwerk, Verstärker, Lautsprecher und Mikrofon. Klirren und Rauschen waren inklusive, weshalb man auch ursprünglich der Meinung war, dass Magnetophone vor allem für die Aufzeichnung von Diktaten nützlich seien.

Die erste Konzert-Tonbandaufnahme der Welt
Das sollte sich aber schnell ändern: Am 19. November 1936 entstand im Ludwigshafener Feierabendhaus mit dem ausgestellten Magnetophon K 2 die weltweit erste Konzert-Tonbandaufnahme. Zu Gast war das Londoner Philharmonische Orchester unter der Leitung von Sir Thomas Beecham. Der war von der Tonbandaufnahme seines Konzerts scheinbar so verzückt, dass er im Anschluss das Dinner mit den NS-Funktionären vergessen haben soll.

Vom Draht zum Kunststoff-Tonband
Der Ort für die historische erste Konzertaufnahme mit Tonband ist kein Zufall. Denn die I.G. Farben Ludwigshafen (BASF) und die AEG arbeiteten schon seit 1932 an einem Magnetaufzeichnungssystem. Die AEG lieferte das Gerät, die I.G. Farben das Tonband. Schallaufzeichnung durch Magnetisierung gelang bereits 1898 Valdemar Poulsen mit Draht und 1928 Fritz Pfleumer mit Papierstreifen samt Stahlpulverbeschichtung. Die BASF entwickelte dann ein Kunststoff-Tonband und die AEG das erste funktionsfähige Tonbandgerät Magnetophon K 1. Der ältere Bruder des K 2 und alle Prototypen fielen aber dem Brand auf der Funkausstellung von 1935 zum Opfer.

Die Wachsscheibe hat ausgedient
Die Verwendung eines Magnetophons für Konzertaufnahmen weckte schließlich auch das Interesse der Rundfunkanstalten. Dort nutzte man bis dahin Wachsscheiben, wagte aber den Wechsel und stieg verstärkt auf die neue Aufnahmetechnik um.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene F.

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Gummireifen, Quallen und ein kleiner Hai – Ein Dankeschön für 146 Engagierte

Wer sich engagiert, braucht auch ein „Dankeschön“. Einmal im Jahr machen die Ehrenamtlichen des TECHNOSEUM deshalb eine Exkursion. In diesem Jahr führt sie in die Fächerstadt Karlsruhe, wo 146 engagierte Helferinnen und Helfer den französischen Reifenhersteller Michelin und das Staatliche Naturkundemuseum besuchen.

Von Clermont-Ferrand in die ganze Welt
Schon aus der Ferne grüßt „Bibendum“, das freundlich winkende Reifenmännchen und Maskottchen der Firma Michelin. Es besteht kein Zweifel: Hier sind wir richtig. Die im französischen Clermont-Ferrand produzierten Gummireifen traten bald nach der Unternehmensgründung im Jahr 1898 einen weltweiten Siegeszug an. 1931 wurde dann in Karlsruhe das erste Michelin-Werk auf deutschem Boden gebaut. Heute werden hier LKW-Reifen produziert.

Holzrad vs. Gummireifen
Zwei ehemalige Mitarbeiter warten bereits auf die Gruppe und strahlen mit dem „Bibendum“ um die Wette. Man spürt bei beiden sofort die Begeisterung für die zahlreichen Ausstellungsstücke. Räder, Werbeplakate, Automodelle und natürlich die weltbekannten Gummireifen sind hier zu einer eindrucksvollen Sammlung zusammengetragen. Nachdem wir Interessantes über die Entwicklungsgeschichte und den Herstellungsprozess von Gummireifen erfahren haben, kommt auch der Spaß nicht zu kurz. Auf einem Karussell, das früher zu Werbezwecken auf Jahrmärkten genutzt wurde, dürfen Freiwillige testen, was bequemer ist: Mit einem Holzrad oder einem Gummireifen über die Bodenunebenheiten zu hoppeln?

Lehrmeisterin Natur
Im Karlsruher Naturkundemuseum steht dann die Dauerausstellung „Form und Funktion“ auf dem Programm. Hier gibt es nicht nur Tierpräpate und Fossilien, sondern auch lebende Tiere. Hauchzarte Quallen tummeln sich im großen Aquarium im Eingangsbereich. Highlight ist ein 240.000 Liter fassendes Meerwasserbecken, in dessen Rifflandschaft sogar ein kleiner Hai seine Runden zieht. Da Tiere und Pflanzen perfekt an ihren Lebensraum angepasst sind, können ihre Eigenschaften für technische Entwicklungen genutzt werden. So werden die Flossen der Wale für reibungsarme Helikopterrotorblätter oder Saugnäpfe von Kraken für künstliches Haftmaterial zum Vorbild genommen. Das ist besonders spannend für die Gruppe, denn im TECHNOSEUM gibt es einen Ausstellungsbereich zur „Bionik“. So ganz fremd ist das Thema also nicht. Und es führt Natur und Technik auf geniale Weise zusammen. Mehr davon, möchte man sagen! Und: Bis zur nächsten Exkursion!

Dr. Christiane Sutter – Betreuung ehrenamtliche Kräfte

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Gesellschaftsspiel „Die Automobil-Fahrt“

Autos und Spiele – das gehört zusammen. Wird heute in Videospielen riskant überholt, so sollten Autos in den 1920er-Jahren diese Dynamik aufs Brettspiel bringen. Genau aus dieser Zeit stammt im Museum unser Brettspiel „Die Automobil-Fahrt“ des Nürnberger Spieleherstellers J. W. Spear & Söhne. Der Hersteller orientierte sich an zeitgenössischen Trends und versuchte, den Publikumsgeschmack von Arm und Reich zu treffen.

 

Totgefahrene Gänse und störrische Schafe
Doch mit der Dynamik war das so eine Sache. Die Spieler wurden nämlich häufig ausgebremst: „Die Automobil-Fahrt“ scheint eher ein Hindernis-Parcours als ein Geschwindigkeitserlebnis zu sein. Totgefahrene Gänse, störrische Schafe, Kilometersteine, Radbrüche, Tankstellenpausen und sogar Explosionen schmälern das Fahrvergnügen und wenn man dann doch mal ein paar Felder weiter nach vorn rücken darf, dann liegt das nicht etwa an den Pferdestärken unter der Haube, sondern an der abschüssigen Straße: „Gefäll, fährt sofort nach No. 30“.

Ein Spiel für das Großbürgertum
Das Spiel wirkt auch für die Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts wie aus der Zeit gefallen. Das Bild auf dem Cover orientiert sich an der Vorkriegszeit, als vor allem Adelige und wohlhabende Bürger, sogenannte „Herrenfahrer“, hinter dem Steuer saßen. Es zeigt die Welt des Großbürgertums aus der Kaiserzeit, doch wahrscheinlich war genau diese wohlhabende Schicht auch Zielgruppe der „Automobil-Fahrt“. Denn der Großteil der Bevölkerung hatte in einer Zeit der politischen Schwankungen und Wirtschaftskrisen kaum Geld im Portemonnaie. Ein Familientrip mit Automobil lag da in weiter Ferne.

„Barriere geschlossen, zweimal mit Würfeln aussetzen“
Auch die Automobilindustrie hatte zu kämpfen. Keine Nachfrage des Militärs, knappe Rohstoffe und fehlende technische Innovationen hemmten den deutschen Automobilmarkt. Große Konkurrenz gab es durch die Eisenbahn, sie war das Verkehrsmittel der Wahl. Und so kann der geschlossene Bahnübergang auf dem Spielbrett als ironischer Kommentar auf das verschobene Kräfteverhältnis gelesen werden. In der Spieleerklärung bei Feld 17 jedenfalls ist zu lesen: „Barriere geschlossen, zweimal mit Würfeln aussetzen“.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Die Lokomobile

Einsame Bauern auf riesigen Mähdreschern sind wir gewohnt. Aber ein solch schwarzer Koloss wie die Lanz-Lokomobile von 1882 – rund vier Meter lang, viereinhalb Tonnen schwer und zehn PS (7,35 kW) stark – am Feldrand? Als die Lokomobile von der Firma Heinrich Lanz gebaut wurde, war die Bewirtschaftung der Felder meist noch mühsame Muskelarbeit. Das Mannheimer Unternehmen mischte kräftig dabei mit, die Dampfkraft hierzulande in der Landwirtschaft nutzbar zu machen – allem voran als Antrieb für seine Dreschmaschinen. Die „Dreschdampfer“ hatten bis etwa 1930 ihre große Zeit.

Hochdruck auf den Feldern
Eine Lokomobile ist eine bewegliche Dampfmaschine auf vier Eisenrädern, die von Pferden und Ochsen an den Einsatzort gezogen wurde. Anders als bei Lanz‘ ersten Modellen von 1879 steht hier der Kessel nicht senkrecht, sondern liegt quer – es hatte sich schnell als vorteilhaft erwiesen, die Dampfmaschine direkt auf dem Kessel und die Zylinder im Dampfraum anzuordnen. Die Heizkammer zwischen den Hinterrädern wurde mit Steinkohle, Holz und Stroh befeuert. Hohle Rohre führten die Hitze durch das Wasser im angrenzenden Kessel bis zur Rauchkammer am anderen Ende.

Mieten war billiger
Die aus dem Dampf gewonnene Bewegungsenergie wurde vom großen Antriebsrad über einen Riemen auf die Dreschmaschine übertragen. In einem Katalog von 1882 betont Lanz die „vorzüglichen“ Regulatoren, mit denen man die Geschwindigkeit genau regeln konnte, damit beim Ausdreschen die Körner nicht beschädigt wurden. Drei Mann waren alleine an der Lokomobile beschäftigt: ein Heizer, ein Helfer, der Wasser und Kohlen heranschaffte, sowie, ganz wichtig, der Maschinist, der den gesamten Ablauf steuerte. Dazu kamen drei Männer auf der Dreschmaschine und rund zehn weitere Arbeiter. Da eine Lokomobile teuer in der Anschaffung war und laufende Kosten verursachte, entstand damals ein neuer Geschäftszweig: Unternehmen, die einen Gerätesatz samt Arbeitsmannschaft vermieteten.

Das richtige Pferd: der Bulldog
Heinrich Lanz kam mit seinen Dampf-Dreschmaschinen zu Ruhm. Mit der Erfindung des Bulldogs — dem Vorläufer des Traktors — einige Jahre danach setzte er auf das „richtige Pferd“ und einigte sich 1924 mit seinem stärksten Konkurrenten: Die Wolf AG in Magdeburg-Buckau bekam das alleinige Ausführungsrecht für Lokomobile, der Firma Lanz blieben die fahrbaren Rohölmotoren vorbehalten – der Grundstock für den heutigen Weltmarktführer in der Landwirtschaftstechnik.

Wo im Technoseum? Auf Ebene D

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Auf dem Neckar unterwegs: Das Polizeiboot startet in die nächste Saison

Behäbig tuckert der Dieselmotor und sanft schaukelnd verlässt das historische Polizeiboot seinen Ankerplatz an der Steuerbordseite des Museumsschiffes. Es ist April und das ehemalige Streifenboot der Mannheimer Wasserschutzpolizei bricht zum jährlichen Fahrtraining der ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer auf. Am 1. Mai beginnt die nächste Saison. Bis Ende Oktober werden die Ehrenamtlichen samstags, sonntags und an den Feiertagen mit den Besuchern Spritztouren auf dem Neckar unternehmen. Im Wechsel geht es flussabwärts zur Rheinmündung oder flussaufwärts Richtung Friesenheimer Insel.

Leinen los!
Doch bevor der Startschuss für die nächste Saison fällt, heißt es Leinen losmachen, Ablegen und Wenden auf der Stelle – alles unter den kundigen Augen von Bootslehrer Michael Pinz von der Segelschule Sailors‘ Point. Für das nächste Manöver muss der Rettungsring als Opfer herhalten. „Person über Bord!“, ruft Hans Goos, ein ehrenamtlicher Hobby-Skipper, und wirft den Ring ins Wasser. Sein Kollege am Steuer beginnt sofort, das rund 13 Meter lange Boot zu wenden. Schnell und sicher wird der Rettungsring wieder aus dem Wasser geborgen: Die Prüfung ist erfolgreich bestanden.

Freiwillige am Ruder
Der reguläre Fahrbetrieb des Polizeibootes wird ausschließlich durch ehrenamtliche Kapitäninnen und Kapitänen durchgeführt. Seit 2011 haben sie schon über 13.500 Besucher sicher und kompetent über den Neckar geschippert. Auch um das historische Boot selbst kümmern sich die Männer und Frauen mit großer Hingabe und führen in Zusammenarbeit mit den Kollegen vom TECHNOSEUM notwendige Reparaturen durch, denn: das 1957 vom Stapel gelaufene Boot ist mit seinen über 60 Jahren schon eine recht betagte Dame mit dem ein oder anderen Zipperlein.

Schlummernde Schätze
Um alles fachgerecht instand zu setzen, sind Udo Stoffel und Karl-Heinz Riedling sogar ins Archiv des TECHNOSEUM gegangen, wo technische Unterlagen und Zeichnungen zum Polizeiboot verwahrt sind. Als sie vor dem Karton mit den historischen Papieren stehen, bekommen sie glänzende Augen. Diese alten Pläne seien doch ein wahrer Schatz, schwärmen sie. Auf den Dokumenten sind Leitungen, Ventile und Einbauten akribisch vermerkt – äußerst hilfreiche Hinweise für anstehende Reparaturen, damit das Boot auch pünktlich in die Fahrsaison starten kann.

Dr. Christiane Sutter, Betreuung ehrenamtliche Kräfte

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Arbeitstiere auf dem Museumsgleis: Diesellok-Tausch am TECHNOSEUM

Seit der Eröffnung des Museums vor 28 Jahren war auf dem Museumsgleis eine grüne Diesellok im Einsatz, und zwar eine Gemeinder N50 von 1949. Sie diente vor allem als Rangier- und Ersatzmaschine, wenn die württembergische T3-Dampflok des Hauses nicht fahren konnte – etwa, wenn die Lokomotive technische Probleme hatte und repariert werden musste, was bei einem über 120 Jahre alten Fahrzeug durchaus mal vorkommen kann. Zuletzt war auch die Geminder N50 etwas in die Jahre gekommen und wurde im März durch eine jüngere Schwester ersetzt: Ab jetzt können die Besucherinnen und Besucher eine rote Köf II aus dem Jahr 1959 auf dem Museumsgleis erleben.

Gütertransport im Mannheimer Hafen
Beide Dieselloks sind wahre Arbeitstiere auf Schienen: Während die Gmeinder N50 10 maximal 15 Stundenkilometer schafft und über eine Zugkraft von 100 Tonnen verfügt, bringt die Köf II immerhin 45 Stundenkilometer und 300 Tonnen Zugkraft auf die Schiene. Beide Loks waren zuletzt in Großmühlen im Mannheimer Industriehafen im Einsatz, bevor sie ans Museum kamen. Damit symbolisieren sie auch ein Stück Stadtgeschichte. Gleichzeitig stehen sie für ein Kapitel in der Eisenbahngeschichte, das allmählich seinem Ende zugeht: Aufgrund der Rationalisierung des Schienenverkehrs fahren Züge immmer mehr im Verbund direkt zum Zielbahnhof – ein langwieriges Rangieren einzelner Waggons ist nicht länger notwendig.

Mit Schwerlastkran und Sattelschlepper
Der Lok-Austausch am TECHNOSEUM musste sorgfältig geplant werden: Die rote Diesellok wurde per Sattelschlapper nach Mannheim transportiert, dort mussten die beiden jeweils 10 und 17 Tonnen schweren Fahrzeuge mit einem Schwerlastkran angehoben werden. Da sich das Museum noch dazu in der Einflugschneise des Mannheimer Flughafens befindet, brauchte es sogar noch eine Genehmigung der deutschen Flugsicherung. Anschließend ging es dann für die grüne Diesellok per Sattelschlepper ins Depot des TECHNOSEUM, wo sie fachgerecht abgestellt wurde und sich eine längere Verschnaufpause redlich verdient hat.

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Im TECHNOSEUM entdeckt: Der Süßigkeitenautomat

Ob Zigaretten, Briefmarken oder Süßigkeiten: Automaten, an denen man für ein paar Münzen etwas kaufen kann, gibt es auch heute noch im Straßenbild. Ihre große Zeit aber hatten sie um 1900. Meist waren sie auffällig gestaltet, um die Aufmerksamkeit der Passanten zu erregen – so wie der Schokoladenautomat mit dem Relief einer bunten Windmühle, der im TECHNOSEUM ausgestellt ist. Gebaut von der Dresdner Verkaufsapparate AG im Jahr 1907, war er mit Naschereien bestückt, die damals für einen Großteil der Bevölkerung einen gerade noch bezahlbaren Luxus darstellten.

Konsum auf Knopfdruck
Die ersten Warenautomaten entstanden in den 1870er Jahren in den USA. In Deutschland war es der Kölner Schokoladenproduzent Stollwerck, der diese neuartigen Geräte erstmals aufstellte, um so neue Sorten zur Verkostung anzubieten. Die Obrigkeit äußerte Kritik und sorgte sich um die Volksgesundheit, die Kirche sah in den Apparaten eine Bedrohung der Sonntagsruhe. Doch das tat dem Erfolg der „Groschengräber“ keinen Abbruch: 1887 gab es allein in München um die 1.500 Exemplare – und das waren nur diejenigen für Schokolade. Doch auch anderes wurde bald auf diese Weise feilgeboten, von Produkten wie Parfüm und Postkarten über Dienstleistungen wie das Wiegen des eigenen Körpergewichts bis hin zu Unterhaltung, etwa mit Musikautomaten. Diese hingen im öffentlichen Raum, aber auch in Gaststätten oder wurden auf Jahrmärkten aufgestellt.

Idyll mit Müller, Bauer und Esel
Bestückt war der gusseiserne, 36 Kilogramm schwere Süßigkeitenautomat mit Leckereien der „Richard Selbmann Dampf-Chocoladen- und Zuckerwaarenfabrik“ aus der Dresdener Neustadt. Die Laufkundschaft mit Lust auf etwas Süßes konnte sich gegen Einwurf eines Groschens sogar zwischen verschiedenen Produkten entscheiden: Zur Auswahl standen „Dessertstangen“ und „Süßigkeiten mit u. ohne Überraschung“. Während der Automat mit seinem ländlichen Motiv eher traditionell daherkommt, handelte es sich beim Hersteller um ein modernes sächsisches Industrie-Unternehmen mit über 20 Zweigstellen und einem Werk, das auf die damals hochmoderne Dampfkraft setzte. Offensichtlich wusste man in der Firma aber auch ganz genau, dass die eigenen Produkte in einem ungewöhnlich gestalteten Automaten am Straßenrand am besten zur Geltung kamen.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene E.

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