Kehren vor der eigenen Tür: Frühjahrsputz einst und heute

Der Frühjahrsputz ist eine alte Tradition und wird bis heute in vielen Haushalten gepflegt – doch woher kommt dieser Brauch eigentlich? Bevor in den 1950er Jahren flächendeckend elektrische Heizungen und Öfen in die Häuser kamen, heizte man hierzulande mit Kohle oder Holz. Und um die kostbare Wärme in den eigenen vier Wänden zu halten, hielt man Fenster und Türen stets fest verschlossen. Die Folge: Die Wohnräume waren nach einem langen Winter stark verrußt – sobald die Tage wieder länger und wärmer wurden, war deshalb Großreinemachen angesagt, dicke Decken wurden ausgelüftet und etwaige Winterschäden am Haus bei dieser Gelegenheit auch gleich ausgebessert.

Säubern mit langer Tradition

Grundsätzlich ist die Idee vom Frühjahrsputz noch älter, steht der Frühling doch für das Wiedererwachen der Natur und daher in vielen Kulturen symbolisch für den Neuanfang. Schon die Römer feierten ein rituelles Reinigungsfest, die „februa“, nach dem der Monat Februar benannt ist. Dass sich dieser Brauch bis heute erhalten hat, liegt möglicherweise daran, dass man nach Ende des Winters neuen Elan und den Wunsch nach Erneuerung verspürt und sich das oft auch im Saubermachen der eigenen vier Wände äußert. So hat die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg festgestellt, dass die Deutschen im Frühjahr verstärkt Putzmittel kaufen, entsprechende Hersteller machen zwischen Januar und April ihre höchsten Umsätze: 28 Millionen Euro waren es etwa in diesem Zeitraum im Jahr 2007. Viele Unternehmen erhöhen daher auch kurzzeitig die Preise für Fensterreiniger, Wischmopp, Scheuermilch & Co.

„Simplify your life“ zur Maienzeit

In heutiger Zeit wird der Frühjahrsputz nicht nur dazu genutzt, um sich von Schmutz und Dreck, sondern auch von Überflüssigem zu trennen, etwa um nicht mehr getragene Kleidung, alte Möbelstücke und kaputte Spielsachen der Kinder zu entsorgen. Der Frühjahrsputz, so suggeriert eine umfangreiche Ratgeberliteratur, soll damit auch die Seele befreien und den Blick fürs Wesentliche im Leben öffnen – womit er auch zu einem Zeichen des allgemeinen Wohlstands und des Überflusses an Konsumprodukten in unserer Gesellschaft wird. Oftmals, auch das weiß der versierte Entrümpler im Eigenheim, wandern alte und unnütze Dinge lediglich eine Etage tiefer, nämlich in den Keller – wo sie dann bis weit über den nächsten Frühjahrsputz hinaus ausharren.

In der Ausstellung „Die Sammlung 2. Der elektrische Haushalt“ wird der vorelektrische Haushalt mit holzbefeuertem Herd, Kehrichtschaufel und Wäschestampfer seinen elektrifizierten Pendants von Staubsauger bis Waschmaschine gegenübergestellt. Und auch komplett rußfreie, da elektrisch betriebene Heizgeräte sind zu sehen, vom Heizlüfter über Bettwärmer bis hin zur flauschigen Fußheizung.

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