Bodenhaftung auf Chinesisch

Einer unserer Kollegen, Peter Beisel, haben wir seit Wochen nicht mehr gesehen. Aber zum Glück hören wir viel von ihm: Er ist nämlich im Shanghai Science & Technology Museum zu Besuch und lässt uns nun mit einem Blogbeitrag an seinem Erlebnis China teilhaben:

Ich glaube jetzt herausgefunden zu haben, warum die Radfahrer in Shanghai – egal wie groß sie sind – ihren Sattel fast immer ganz unten haben und aussehen als fahren sie alle auf Kinderrädern.

Ich glaube es geht um die Bodenhaftung. In einer Stadt, in der es so viele Wolkenkratzer wie fast nirgendwo sonst auf der Welt gibt; einen Transrapid, der einen mit 430km/h  in 7min vom Flughafen die 30km in die Stadt schweben lässt, kann man schon mal die Bodenhaftung verlieren. Alles entwickelt sich hier so rasend schnell: Ein Stadtteil, den es vor 20 Jahren noch nicht gab, hat heute eine der beeindruckendsten und vielleicht schon bekanntesten Skylines der Welt.

Also der Sattel meines Rades ist auch noch ganz unten. Ich werde ihn voraussichtlich die verbleibende Zeit auch nicht höher stellen.

Asiatische Größendimensionen
Auch das Shanghai Science & Technology Museum, in welchem ich seit Anfang September in der Maintenance Abteilung im Rahmen unseres Mitarbeiter-Austausch-Programmes arbeite, ist ein Symbol für den Erfolg einer sich rasant entwickelnden Stadt. Wie auch meine drei deutschen Kollegen, die in den vergangenen Jahren an diesem Austausch teilnehmen durften, kann auch ich aus meinem Gebiet der Ausstellungstechnik heraus beobachten, welcher Kräfte es bedarf ein Museum in dieser Größe, dessen Besucherzahlen dieses Jahr an Feiertagen 40.000 Besucher täglich zählte, aufzubauen und am Laufen zu halten.

So fern und doch so nah
So unterschiedlich einige Ansätze unserer beiden Partnermuseen sind, so viele Aufgaben und Probleme in der Ausführung und Organisation der Ausstellungstechnik sind oft verblüffend ähnlich.

So unterscheidet sich meine Arbeit im SSTM im handwerklichen Bereich nicht allzu sehr von den Aufgaben, welche im TECHNOSEUM zu erledigen sind. Es brauchte natürlich seine Zeit, um mit den neuen Gegebenheiten vor Ort „warm zu werden“, aber mittlerweile bereitet mir der multikulturelle Austausch – besonders auch im engeren Kreise meiner Kollegen trotz, oder gerade wegen der hin und wieder bestehenden Sprachprobleme – großen Spaß. Die Gastfreundschaft ist enorm: In den kommenden Tagen bin ich etwa auf eine Hochzeit im Verwandtenkreis eines Kollegen eingeladen. Ich bin schon sehr gespannt, was ich dort erleben werde.

Besuch aus der Heimat
Statt technischer Aufgaben interessierte Menschen: Selbst ganz neue Aufgabengebiete haben sich hier schon für mich ergeben. Letzte Woche bekam das SSTM Besuch einer 19-köpfigen Schulklasse aus MA-Feudenheim, welche sich im Rahmen einer Schulpartnerschaft in Shanghai befindet, und die ich durch das Haus führend durfte. Die Führung hat mir sogleich meine bis dato unbekannten Qualitäten als Museum guide abverlangt. Mir hat es jedenfalls viel Spaß gemacht!

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