Der Bus kommt! Wie ein Wohnmobil seinen Weg zu uns fand

Die Schilder sind ab, der Bus kommt ins Museum: Sammlungsreferent Dr. Hajo Neumann, Restaurator Markus Thomé und Klaus Heilig bei der Übergabe des VW-Busses in Mannheim.

Die Sammlungsbestände des TECHNOSEUM werden stetig erweitert: Das technische Kulturgut – vom Autoradio über Bedienungsanleitungen bis zur Waschmaschine – findet dabei auf unterschiedliche Art und Weise seinen Weg zu uns. Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Team Sammlungen stehen etwa in Kontakt zu anderen Museen, Auktionshäusern oder privaten Anbietern. Häufig überlassen aber auch Privatpersonen ihre Sammlungen und Einzelexponaten dem Museum. So auch im Fall des VW-Bus T“ „Westfalia“, der Ende Januar zu uns kam.

1969 kaufte Maximilian Heilig aus Mannheim den VW-Bus für 18.000 DM. Ab diesem Zeitpunkt blieb der Bus der Familie treu und erfuhr im westfälischen Wiedenbrück einen wichtigen Umbau: Beim Unternehmen Westfalia wurde er – wie seit den 1950er Jahren viele VW-Busse – zum Wohnmobil. Klaus Heilig holte ihn damals direkt im Werk ab. Für die Familie wurde der Bus zum Reisebus, mit dem sie Frankreich und Spanien bereisten. Zeitgenössische Aufkleber an den Seitenfenstern und der Heckscheibe bezeugen heute, wohin die Reisen gingen. Mit 47 PS Motorleistung und einem Leergewicht von stolzen 1.320 kg brachte der Wagen damals seine Besitzer stets an Ziel, wenn auch nicht im Schnelltempo: Laut Papieren war nämlich bei 105 km/h Schluss.

Markus Thomé bringt am Bus das Kennzeichen für die Überfahrt bis zum TECHNOSEUM an.

Ersatzteile werden Mangelware
Größere Reparaturen hielt Klaus Heilig akribisch für die Nachwelt fest: 1974 bekam der VW-Bus in Frankreich eine neue Windschutzscheibe. 1985 musste, bei 95.000 km, nach einem so genannten Kolbenfresser ein Austauschmotor besorgt werden. Gegen Ende der 90er Jahre wurde es dann allerdings immer schwieriger, Ersatzteile seitens VW zu bekommen: Der Kultstatus des Bullis drückte sich noch nicht in entsprechenden Preisen aus und viele große Hersteller hatten einfach noch nicht erkannt, dass auch Massenfahrzeuge wie diese eines Tages zu begehrten Sammelobjekten werden würden. Nur so ist es heute zu erklären, dass VW nicht einmal mehr die damals vergebenen Teilenummern dokumentiert hat. Mit den Jahren nutzte Klaus Heilig den Wagen auch nicht mehr zum Campen; er blieb immer länger in der Garage. Bis zum Januar 2015.

In Kürze kann Klaus Heilig seinen VW-Bus in der Daueraustellung des TECHNOSEUM sehen.

Ein passender Neuzugang
2014 wendete sich Klaus Heilig ans TECHNOSEUM. Er hatte den Entschluss gefasst, das Fahrzeug, das ihn und seine Familie jahrelang begleitet hatte, abzugeben. Der Zeitpunkt war perfekt! Denn auf der Ebene F waren schon die ersten Fahrzeuge zu sehen, die im Rahmen der Neukonzeption die deutsche Automobilgeschichte erläutern. Neben Exoten wie dem Amphicar sind es vor allem weit verbreitete Autos, die hier gezeigt werden. Autos, die vielen Museumsbesuchern aus ihrer eigenen Vergangenheit bekannt sind – und die heute zum Teil nur noch schwer zu finden sind, weil sie oft im harten Alltagseinsatz aufgebraucht wurden. Der VW-Bus fügt sich hier wunderbar mit ein. Bevor es aber für ihn demnächst auf die Ausstellungsfläche geht, wurde er von Restaurator Markus Thomé und Sammlungsreferent Dr. Hajo Neumann auf Gebrauchsspuren und eventuell anfallende Umbauarbeiten überprüft. Das Ergebnis: Ein Traum für jede Restaurierung, denn der Bus ist noch im ersten Lack und für seine rund 50 Jahre weitestgehend rostfrei. Für seinen Vorbesitzer Klaus Heilig war gleich klar, welchem Umstand dies zu verdanken war: Der Wagen wurde nie in die Waschstraße gefahren!

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