Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Gesellschaftsspiel „Die Automobil-Fahrt“

Autos und Spiele – das gehört zusammen. Wird heute in Videospielen riskant überholt, so sollten Autos in den 1920er-Jahren diese Dynamik aufs Brettspiel bringen. Genau aus dieser Zeit stammt im Museum unser Brettspiel „Die Automobil-Fahrt“ des Nürnberger Spieleherstellers J. W. Spear & Söhne. Der Hersteller orientierte sich an zeitgenössischen Trends und versuchte, den Publikumsgeschmack von Arm und Reich zu treffen.

 

Totgefahrene Gänse und störrische Schafe
Doch mit der Dynamik war das so eine Sache. Die Spieler wurden nämlich häufig ausgebremst: „Die Automobil-Fahrt“ scheint eher ein Hindernis-Parcours als ein Geschwindigkeitserlebnis zu sein. Totgefahrene Gänse, störrische Schafe, Kilometersteine, Radbrüche, Tankstellenpausen und sogar Explosionen schmälern das Fahrvergnügen und wenn man dann doch mal ein paar Felder weiter nach vorn rücken darf, dann liegt das nicht etwa an den Pferdestärken unter der Haube, sondern an der abschüssigen Straße: „Gefäll, fährt sofort nach No. 30“.

Ein Spiel für das Großbürgertum
Das Spiel wirkt auch für die Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts wie aus der Zeit gefallen. Das Bild auf dem Cover orientiert sich an der Vorkriegszeit, als vor allem Adelige und wohlhabende Bürger, sogenannte „Herrenfahrer“, hinter dem Steuer saßen. Es zeigt die Welt des Großbürgertums aus der Kaiserzeit, doch wahrscheinlich war genau diese wohlhabende Schicht auch Zielgruppe der „Automobil-Fahrt“. Denn der Großteil der Bevölkerung hatte in einer Zeit der politischen Schwankungen und Wirtschaftskrisen kaum Geld im Portemonnaie. Ein Familientrip mit Automobil lag da in weiter Ferne.

„Barriere geschlossen, zweimal mit Würfeln aussetzen“
Auch die Automobilindustrie hatte zu kämpfen. Keine Nachfrage des Militärs, knappe Rohstoffe und fehlende technische Innovationen hemmten den deutschen Automobilmarkt. Große Konkurrenz gab es durch die Eisenbahn, sie war das Verkehrsmittel der Wahl. Und so kann der geschlossene Bahnübergang auf dem Spielbrett als ironischer Kommentar auf das verschobene Kräfteverhältnis gelesen werden. In der Spieleerklärung bei Feld 17 jedenfalls ist zu lesen: „Barriere geschlossen, zweimal mit Würfeln aussetzen“.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene F.

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3 Kommentare zu Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Gesellschaftsspiel „Die Automobil-Fahrt“

  1. Vielen Dank für die Präsentation dieses Zeitdokuments und den zugehörigen Kontext. So wird ein kleines Stück Geschichte vor dem inneren Auge lebendig. Das versuchen wir auch bei uns umzusetzen ( https://blog.deutsches-uhrenmuseum.de/2018/02/08/glanzstuecke-ii/ ) und es ist schön, dass wir offenbar nicht die Einzigen sind!

    Das Team des Deutschen Uhrenmuseums Furtwangen

  2. grobmotorix sagt:

    Sollte das Spiel tatsächlich aus den 1920ern stammen, wäre das Titelbild damals doch recht rückständig gewesen. Das abgebildete Automobil ist etwa in die Zeit 1905-1914 einzuordnen. Daher denke ich, daß auch das Spiel von vor dem ersten Weltkrieg datieren könnte.

    • TECHNOSEUM sagt:

      Hallo grobmotorix, die zeitliche Einordnung ist tatsächlich nicht einfach. Wir haben das Alter geschätzt, da die recherchierbaren Angaben zu diesem Spiel ungenau waren und von 1910 bis 1925 reichten. Das Spiel weist keine Jahreszahl auf. Die Illustrationen sprechen dafür, dass das Spiel aus der Zeit vor 1914 stammen könnte, die Spielanleitung ohne Frakturschrift spricht dagegen.

      Viele Grüße vom TECHNOSEUM-Team

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