Ein Mechaniker mit Mumm und eine Radiowerkstatt mit Geschichte

Wer will, der kann. Und Erwin Sautter wollte. Dabei herausgekommen ist nicht nur ein Gesellenstück, sondern auch eine maßgeschneiderte Werkstatt für den Rundfunkmechaniker. Sie ist im TECHNOSEUM Teil des neuen Ausstellungsbereichs Mediengeschichte und erzählt auch Sautters besondere Geschichte.

Neustart mit Hindernissen
Sautter wird 1928 geboren und wächst in Heidelberg auf. Mit 16 Jahren wird er zusammen mit seiner ganzen Gymnasialklasse zur Wehrmacht eingezogen und an der Westfront eingesetzt. Dort verliert er sein rechtes Bein, eine Wundinfektion kostet ihn sogar fast das Leben.

Weil ihm nach dem Krieg das Geld zum Besuch der Schule fehlt, beginnt er 1946 eine Lehre bei einem Rundfunkmechaniker. Keine leichte Aufgabe, denn Sautter sitzt nun im Rollstuhl. Doch er ist clever, denkt mit und schafft sich einen Werkstatttisch an, den er seinen Bedürfnissen anpasst: Die Beine des Stehmöbels werden abgesägt und weitere Umbauten vorgenommen, um die Arbeit im Rollstuhl zu ermöglichen. Es klappt. Die Lehre schließt Sautter zwei Jahre später mit „gut“ ab. Sein Gesellenstück ist ein „magisches Auge“, eine Abstimmhilfe für Radios, die er später in seine Prüftafel einbaut. Weiterer Bestandteil der Tafel ist unter anderem ein Umformer für Wechselstrom, denn nach dem Krieg gibt es in Heidelberg noch ein Gleichstromnetz.

Leidenschaft Radio-Bau
Doch Erwin Sauter will mehr. Er studiert tagsüber an der Ingenieurschule Mannheim Elektrotechnik, arbeitet nachmittags bei Siemens und repariert nachts Radios oder baut sie um. Im 4. Semester wird er Werksstudent bei der Post mit einem Gehalt von 170 DM. Kurz nach seiner Ingenieurprüfung im Februar 1956 heiratet er. Das Paar bekommt drei Söhne und zieht 1980 nach Sandhausen. Die Leidenschaft für Radios bleibt. Auch hier baut und repariert Erwin Sautter neben seinem Beruf weiterhin Radios.

Das besondere Werkstatt-Ensemble von Erwin Sauter kommt 2011 ins TECHNOSEUM. Seit Juni 2018 ist es Teil der neuen Dauerausstellung „Mediengeschichte“, wo es für den Neubeginn des Rundfunks in der von Rohstoffmangel und Zerstörungen geprägten Nachkriegszeit steht. Zu sehen sind der Werkstatttisch, die Prüftafel sowie einige weitere Geräte aus den ersten Nachkriegsjahren.

Dr. Anke Keller, Kuratorin Mediengeschichte

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.