Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Marine-Chronometer

Sag mir die Uhrzeit und ich sag Dir, auf welchem Längengrad wir uns befinden! Klingt komisch, aber noch im letzten Jahrhundert war die genaue Kenntnis der Uhrzeit für Seeleute absolut notwendig, um die Position ihrer Schiffe bestimmen zu können.

Ein präzises Schmuckstück
Dazu nutzte man sogenannte Marine-Chronometer, auch Schiffsuhren genannt. Das sind hochpräzise transportable Zeitmessinstrumente, die seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu unentbehrlichen Navigationshilfen geworden waren. Das Exponat im Museum wurde um 1903 in Berlin gebaut und ist ein echtes Schmuckstück, gefertigt mit Mahagoni und Elfenbein.

Zuverlässigkeit bei Wind, Wetter und Wellengang
Und wie genau bestimmt man mithilfe der Uhrzeit die geografische Länge? Durch die Beobachtung der Himmelskörper (Sonne, Mond, Sterne) lässt sich die Zeit des Ortes ermitteln, an dem sich das Schiff gerade befindet. Diese Zeit vergleicht man dann mit der mitgeführten Zeit des Marine-Chronometers, die sich auf einen bestimmten Ort mit bekanntem Längengrad bezieht. Aus dem beobachteten Zeitunterschied kann man dann den Längenunterschied berechnen.
Doch warum verwendete man lange Zeit so einen unpraktischen Holzkasten, wenn es damals doch schon kleine Armbanduhren oder zumindest Taschenuhren gab? Das liegt an den Temperaturschwankungen und dem Wellengang auf den oft monatelangen Reisen. Die Chronometer waren dabei sehr zuverlässig und zeigten die genaue Zeit mit nur wenigen Sekunden Abweichung an.

Vom Zeitball zu GPS
Um die Schiffschronometer zu überprüfen, installierte man ab 1829 in Häfen Zeitbälle, die beispielsweise auf Dächern an einer Stange montiert und zu einem festgelegten Zeitpunkt fallengelassen wurden. Ab 1907 gab es dann Zeitzeichensender, um mit Funkfrequenzen die Uhrzeit abzugleichen. Erst um 1960 begann dann der Niedergang der klassischen Chronometer durch die Erfindung der präziseren Quarzuhr. Heute navigieren die Schiffe mit der satellitengesteuerten GPS-Technologie durch die Weltmeere.
Ein Überbleibsel der Navigation mit Chronometern befindet sich übrigens auf dem Dach des One Times Square in New York. Seit 1907 wird immer eine Minute vor dem Jahreswechsel der Times Square Ball an einem Fahnenmast herabgelassen. Dann hält aber sicher jeder ein Sektglas und kein Chronometer in der Hand.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene A.

Das Deutsche Uhrenmuseum hat auch einen Blogbeitrag zu Marine-Chronometern verfasst. Einfach mal vorbeischauen!

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Eine Antwort auf Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Marine-Chronometer

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag zur Zeitmessung auf See. Er ergänzt ganz wunderbar einen Artikel, den wir vor einigen Wochen veröffentlicht haben:

    https://blog.deutsches-uhrenmuseum.de/2018/07/12/marinechronometer/

    Gerne werden wir unsere Leser auch auf diesen Artikel hier hinweisen!

    Das Team des Deutschen Uhrenmuseums in Furtwangen

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