Im weißen Rausch: Wintersport im Stummfilm

Wintersport gehört zum Fernsehen wie Sahne zu Schokoladeneis. Live-Übertragungen von Wintersportveranstaltungen bescheren den Fernsehsendern beachtliche Einschaltquoten. Das zeichnet sich schon vor rund hundert Jahren ab, als die Bilder gerade erst laufen lernten. Wanderkinos entstehen in der Zeit von 1895 bis 1905. Erste Kinoketten in Deutschland mit ortsfesten Kinos gibt es seit 1906. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind schon damals fasziniert von der lebendigen Bewegung der Bilder, die als Attraktion gelten. Filme mit sportlichen Betätigungen sind deshalb das Non-plus-ultra. Sport ist Bewegung, und das Kino macht genau diese Bewegung zur Attraktion.

„Skifest auf dem Schauinsland“ (1908),
Haus des Dokumentarfilms – Landesfilmsammlung Baden-Württemberg (Stuttgart)

Bei schneeängstlichen Stubenhockern beliebt

Die Menschen lieben schon immer den filmischen Rausch der Bewegung, deshalb ist der Sportfilm auch eines der ältesten Filmgenres. Ein populäres Thema dabei ist der Wintersport.  Bereits 1890/91 löst die Übersetzung von Fridtjof Nansens Expeditionsbericht Auf Schneeschuhen durch Grönland eine Skisport-Euphorie aus. Die Schneeschuhe, wie die Skier zunächst genannt werden, sind eine Neuheit. Sie gesellen sich zu Schlittschuhen und Rodel. Diese neuartige Sportart in reizvollen Schneelandschaften wird nun im ebenso neuartigen Kino gezeigt. Die Zeitschrift Kinematograph schreibt im Jahr 1922, Sportfilme finden „in den Kinotheatern der Großstädte bei den schneeängstlichen Stubenhockern Beifall“. Kinofilme über Skiwettrennen und Skispringen sind beim Publikum sehr beliebt – die „unheimlichen“ Sprünge hält es zunächst für Kinotricks.

Faszination Schnee  

Überliefert sind sowohl Kinoaufnahmen von Filmfirmen, als auch Filmmomente von Amateurfilmern. Ein frühes Beispiel ist Das Ski-Fest auf dem Schauinsland-Halden (Schwarzwald) 1908. Ende 1908 wird der fünfminütige Film zur Eröffnung des Karlsruher Kino Residenz-Theaters als Programmbestandteil vorgeführt. Auch die Olympischen Spiele 1928 in St. Moritz werden gefilmt. Die Tourismusindustrie wirbt mit Reklamefilmen für Wintersportplätze. Und so stellt der Kinematograph im Jahr 1925 fest: „Winterfilme erfreuen sich beim Publikum besonderer Beliebtheit, nicht nur im Sommer als Abkühlungsmittel, […] sondern gerade im Winter bei jenem Publikum, das zu Hause sitzen bleiben muß und nicht zum Wintersport in die Berge ziehen kann.“

Wer neugierig geworden ist, der kann sich einige historische Filmsequenzen in unserer Sonderausstellung „Fertig? Los! Die Geschichte von Sport und Technik“ ansehen.

Viel Vergnügen und „Film ab“!

Dr. Constanze N. Pomp, Abteilung Sammlungen

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