Im TECHNOSEUM entdeckt: Das Astrolabium

Das Astrolabium stammt aus dem Jahr 1589 und war Bestandteil der Mannheimer Sternwarte.

Eine kleine Scheibe, die vieles kann: Für Astronomen, Landvermesser und Astrologen war ein Astrolabium ein bedeutendes Instrument ihrer Arbeit.

Astrolabien sind griechisch-römischen Ursprungs und wurden zwischen dem zweiten und vierten Jahrhundert v. Chr. entwickelt. „Astrolab“ bedeutet „Stern-Nehmer“, aber mit dem Instrument konnte man längst nicht nur den Himmel nachbilden und die Sterne identifizieren. So war es auch möglich, mit einem Astrolabium die Ortszeit und Höhen zu bestimmen, Kalenderdaten zu ermitteln oder Himmelsrichtungen zu definieren. Arabische Gelehrte entwickelten Astrolabien weiter und verbesserten sie, so dass sie bis zum Aufkommen des Quadranten das wichtigste Instrument für Astronomen waren. Als Vorläufer der Sextanten waren sie außerdem als Seeastrolabien in der europäischen Schifffahrt zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert im Einsatz.

Multifunktionale Scheibe
Um das Astrolabium für den gewünschten Zweck zu nutzen, musste man schon genau wissen, wie es funktioniert und wie es einzustellen war. Auf einer auswechselbaren Scheibe, dem Tympanon, sind der Horizont und Horizont-Koordinaten abgebildet. Da diese Daten vom Beobachtungsort abhängen, konnten sie entsprechend ausgetauscht werden. Über dem Tympanon liegt die sogenannte Rete, die sich als Sternenscheibe drehen kann und Sterne sowie die Jahresbahn der Sonne aufzeigt. Mit einem drehbaren Zeiger, dem Ostensor, konnte man das Datum passend zur Uhrzeit auf der Stundenskala einrichten. Eine weitere Funktion offenbart die Rückseite: Hier war ein drehbarer Doppelanzeiger angebracht, mit dem man den Höhenwinkel eines Sterns messen und berechnen konnte. Dazu musste das Instrument aber vorher senkrecht aufgehängt werden.

Mannheimer Inventar
Das Astrolabium, das im TECHNOSEUM zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1589 und war Bestandteil der Mannheimer Sternwarte. 1814 wird es hier erstmals im Inventar aufgeführt, so dass es schon zur damaligen Zeit in der Sternwarte ein museales Sammler- und Einzelstück gewesen sein muss. Bei der 26 mm dicken Messingscheibe sieht man gut die drehbare, durchbrochene Rete und den Ostensor, der die Aufschrift „Declinatio versus septentra“  trägt (in der Abweichung zum Siebengestirn/Großen Bär gesehen). Auf der Rückseite mit dem Diopter befindet sich ein Kasten mit der Herstellerangabe und der Signatur „Facebat Matias de Os anno 1589“ (Erstellt von Matias de Os im Jahr 1589). Die Öse am oberen Teil des Astrolabiums diente dazu, das Instrument aufhängen zu können.

Wo im TECHNOSEUM? Auf der Ebene A im Bereich der Sternwarte.

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